Make it in Germany

32,87 Millionen Menschen waren im vergangenen Jahr in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Nicht einmal acht Prozent – das sind rund 2,5 Millionen – von ihnen sind aus dem Ausland zu uns gekommen. Im Vergleich dazu sind im Jahresdurchschnitt 2019 noch 2,27 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig sind hierzulande 1,2 Millionen Arbeitsplätze unbesetzt, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung errechnet. Der Hauptgrund für unbesetzte Stellen ist in allen Branchen der gleiche: es fehlt an Bewerbern. Wie bedrohlich der Fachkräftemangel sich verschärft, zeigen die Vergleichszahlen zum Vorjahr: 115.000 zusätzliche Stellen bleiben in diesem Jahr unbesetzt.

Und ein Großteil dieses rasanten Anstiegs hat seine Ursache in der Digitalisierung, die einen deutlich steigenden Bedarf an IT-Fachkräften nach sich zieht. Allein in der IT-Wirtschaft, so schätzt der Hightech-Verband Bitkom, fehlen rund 124.000 Fachkräfte. Damit hat sich die Zahl der unbesetzten Stellen im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte erhöht. Und zwei Drittel der vom Bitkom befragten Unternehmen rechnen damit, dass sich die Lage 2020 weiter verschärft.

Dabei nimmt der Bedarf an IT-Fachkräften in anderen Branchen – vor allem im Automobilbau, im Maschinenbau und bei Banken und Versicherungen – noch weiter zu. Denn praktisch alle Geschäftsvorfälle sind inzwischen IT-getrieben. Und je stärker die Produkte und Dienstleistungen sich inzwischen selbst durch Software und Cloud-Services wandeln, desto stärker beeinträchtigt der Mangel an IT-Fachkräften die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich.

Da ist es kein Wunder, dass der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer eine völlig neue Ausrichtung der technisch-wissenschaftlichen Studiengänge fordert und fördert. Vor allem mit Blick auf die Digitalisierung von Produktion, Produkten und Dienstleistungen sollen Ingenieure früher mit Informationstechnik in Berührung kommen. Gleichzeitig vergeudet die hohe Abbrecherquote bei den Ingenieurstudiengängen zusätzliches Nachwuchspotenzial. Mehr als 45 Prozent der Studierenden brechen ihr Informatikstudium ab. Im Maschinenbau sind es nur noch 34 Prozent, nachdem vor wenigen Jahren noch mehr als die Hälfte der Studierenden aufgaben.

„Ohne ausreichend Fachkräfte kann ein Wirtschaftsstandort nicht erfolgreich sein“, warnte die Bundeskanzlerin letzte Woche in ihrem Videoblog. Sie stimmte damit auf den Fachkräfte-Gipfel ein, auf dem Vertreter der Wirtschaft und der Gewerkschaften mit der Bundesregierung die Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes vorbereiteten, das im kommenden März in Kraft treten wird. Danach können Menschen auch aus Ländern außerhalb der Europäischen Union mit anerkanntem Schulabschluss in Deutschland befristet auf Arbeitssuche gehen und qualifizierte Fachkräfte einen Arbeitsplatz antreten.

Doch der Slogan „Make it in Germany“ allein wird es nicht bringen. Auch wenn die Auslandshandelskammern bei der gezielten Anwerbung helfen sollen, bleibt fraglich, ob Deutschland im internationalen Vergleich überhaupt noch attraktiv genug ist. Die digitale Infrastruktur ist europaweit allenfalls Mittelmaß. Und auch die deutlich ausländerfeindlichen Parolen, die vor allem 2019 zu hören sind, dürften nicht gerade ermunternd wirken.

Doch Arbeitsmarktexperten machen ohnehin nicht allzu große Hoffnung auf die Wirkung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. Denn angesichts von nur rund 4000 anerkannten ausländischen Fachabschlüssen im vergangenen Jahr, wirkt die Zuwanderung von Experten wie der Tropfen auf den heißen Stein, selbst wenn diese Zahl verdreifacht würde, wäre lediglich ein Prozent der offenen Stellen besetzt.

Was wir brauchen, ist eine digitale Bildungsoffensive, die den Anforderungen des digitalen Wirtschaftsstandorts entspricht. Das fängt im Kindergarten an, setzt sich in der Schule fort und verlangt neu ausgerichtete technische Studiengänge. Wir brauchen eine Kultur, in der die Begeisterung für Technik, der Mut zum Risiko und der Wille zum Erfolg zu den Grundtugenden zählen. Dann heißt es nicht nur „Make it in Germany“, sondern in einer digitalen Welt auch wieder „Made in Germany“.

 

Milliarden für Scaleups

Na, geht doch! Nach und nach werden die Details über den „Zukunftsfonds Deutschland“ bekannt, der im Bundeswirtschaftsministerium vorbereitet wird. Danach plant das Altmaier-Ministerium, rund zehn Milliarden Euro in die Hand zu nehmen, um innovationsfreudige Unternehmen zu unterstützen. Vor allem Startups sollen davon profitieren.

Startups sind nach der strengen Definition des Bundesverbands Deutsche Startups wachstums- und innovationsorientierte Neugründungen der Digitalwirtschaft, die nicht älter als fünf Jahre sind. Danach treten Startups entweder auf der Stelle oder als sogenannte Scaleups in eine verschärfte Wachstumsphase ein, für die es deutlich größerer Finanzierungsrunden bedarf als in der Gründungsphase. Und hier besteht nach einer Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom entschieden Handlungsbedarf: jeder vierte Jungunternehmer erwägt, ins Ausland abzuwandern, um bessere Finanzierungsbedingungen zu erzielen. Wird nicht gegengesteuert, droht ein gefährlicher Brain-Drain in Deutschland.

Das aber soll der Dachfonds jetzt leisten, der voraussichtlich von der KfW gemanagt werden wird. Um die Risiken für den Steuerzahler möglichst gering zu halten, werden Finanzspritzen für Neugründungen im sogenannten Wasserfallmodell über Investoren verteilt. Das hat weitere Vorteile, weil dadurch institutionelle Anleger wie zum Beispiel Versicherungen neue Beteiligungsmöglichkeiten erhalten.

Um Scaleups besser unterstützen zu können, richtet sich auch der Bundesverband Deutsche Startups neu aus. Nach sieben Jahren will Verbandsgründer Florian Nöll jetzt den Vorsitz der 2012 gegründeten Organisation an seinen Nachfolger übergeben: Christian Miele. Der Partner beim Risikokapitalgeber Eventures stellt sich an diesem Dienstag zur Wahl. Dazu musste freilich die Satzung des Verbands geändert werden – denn bislang war es ausschließlich Gründern vorbehalten, im Vorstand des Startup-Verbands zu sitzen. Allerdings trägt auch Miele als Initiator des Ticketvermarkters Todaytickets das Gründer-Gen in sich.

Unter seiner Ägide soll sich der Verband vor allem um die Themen Mitarbeiterbeteiligung und Zukunftsfonds kümmern und damit jene Finanzierungsprobleme beim Schopfe packen, die die Scaleups aus dem Land treiben könnten. Da kommen Altmaiers Dachfonds-Pläne gerade zur rechten Zeit.

Mit Christian Miele stellt sich eine Reihe gut vernetzter Investoren und Gründer zur Wahl: Prof. Dr. Ann-Kristin Achleitner von der Technischen Universität München School of Management, Oliver Samwer von Rocket Internet, David Hanf von Thermondo, Felix Jahn von McMakler, Hakan Koc von Auto1 und Valentin Staff von N26 sollen bei der Neuausrichtung des Verbands helfen. Auf LinkedIn hat Christian Miele schon für sein Team geworben: „Ein besseres Team werden wir nie wieder stellen können.“

Und Florian Nöll? Auch er richtet sich neu aus: Seit November ist er, wie er selbst sagt, „zum ersten Mal in einer Organisation tätig, die ich nicht selbst gegründet habe“. Bei PwC kümmert er sich künftig verstärkt um Startups und Scaleups. Auch dabei wird Altmaiers Zukunftsfonds für positive Effekte sorgen. So schließt sich der Gründerkreis.

 

Totes Rennen unter der Cloud

Könnten Sie schlafen, wenn Ihnen ein Zehn-Milliarden-Dollar-Deal durch die Lappen gegangen ist? Wie sehr der Verlust des Pentagon-Auftrags zum JEDI-Projekt die Führungsriege von Amazon schlaflose Nächte bereitet, konnte man jetzt auf der Partner-Konferenz AWS re:invent 2019 in Las Vegas feststellen. Nicht nur sah der für Amazon Web Services zuständige Andy Jassy sich und sein Angebot in Sachen Funktionalität und Reife 24 Monate vor Microsoft, sondern auch Amazon-Chef Jeff Bezos wettert inzwischen auf dem Klageweg gegen die Vergaberichtlinien bei der Joint Enterprise Defense Infrastructure – diese seien ungerecht und unzutreffend.

Ob, wann und wie ein US-Gericht über die Amazon-Klage zur JEDI-Vergabe entscheiden wird, ist noch völlig unklar. Heikel würde es sowieso, weil dann die US-Justiz auch darüber entscheiden müsste, ob der US-Präsident unangemessen Einfluss auf die Entscheidung des Pentagons genommen hat. Bekanntlich lässt Donald Trump öffentlich keinen Zweifel an seiner Abneigung gegenüber Jeff Bezos, dessen Washington Post zu den unermüdlichen Kritikern seiner Präsidentschaft gehört. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch die Klage von Oracle noch nicht vom Tisch ist, wonach die Vergabepolitik, einen so großen Staatsauftrag lediglich an eine Firma zu vergeben, verfassungswidrig sei.

Auch wenn Microsofts President Brad Smith jetzt klarstellt, dass ungeachtet der Klagen, die Arbeiten am Projekt fortgesetzt werden, kann sich Microsoft also nach wie vor nicht sicher sein, dass der Deal wirklich in den trockenen Tüchern ist. Ja, im Moment ist noch nicht einmal gesichert, wann und wie der Projektstart stattfinden soll. JEDI scheint zurzeit ein totes Rennen zu sein.

Unterdessen wächst Microsoft unverdrossen schneller als der Markt für das Cloud-Business, was auch erklären kann, warum Amazon derzeit so dünnhäutig reagiert. Jüngstes Beispiel ist die Partnerschaft mit KPMG, nach der das Beratungshaus in den kommenden Jahren bis zu fünf Milliarden Dollar in neue Lösungen und Tools auf der Azure-Plattform investieren will. Grund für dieses Investment ist die Einsicht, dass globale Projekte in ihrer Reichweite immer komplexer werden und immer mehr weltweite Synchronisation verlangen. Microsofts Cloud-Geschäft wächst inzwischen sowohl bei Azure, als auch bei Office 365 sowie bei der Anwendungs-Suite Dynamics 365.

Aber auch das ist eher ein totes Rennen. Denn so beeindruckend die Zahlen sind – gemessen an den Marktanteilen ist Amazon immer noch Lichtjahre voraus. Allein bei Cloud-Speichern und Web-Services ist Amazon so groß wie seine 14 nächsten Verfolger zusammen. Unternehmen wie Netflix hosten ihre gesamten Streaming-Services auf AWS. Und unter den aufstrebenden Startups sind Amazon Web Services nach wie vor die Plattform der Wahl. Mit jedem Unicorn wächst das Cloud-Business von Amazon. Dagegen setzt Microsoft mit Azure stark auf die Plattform-Ökonomie, wie sie sich in Partnerschaften mit BMW, Volkswagen, der Allianz und anderen Großkunden zeigt. Und bei den Deals mit Handelskonzernen in den USA und Europa sticht Microsoft direkt in eine weitere Amazon-Domain vor: den Offline- und Online-Handel. Solange hier beide gemeinsam wachsen, ist auch dies ein totes Rennen.

Man könnte als Daumenregel festhalten, dass gemessen an Funktionalität und Pricing, Vertragsmodellen, Support und Sicherheit sowohl AWS als auch Azure eher gleichauf liegen als dass sie ein zweijähriger Entwicklungsvorsprung trennt. Ohnehin achten beide Anbieter peinlich genau darauf, dass ihre Cloud-Services kaum vergleichbar sind. Das macht die Entscheidung für IT-Verantwortliche nicht unbedingt leichter, denn wer nach bewährter Manier eine Checkliste mit Pros und Cons aufstellt, endet ebenfalls schnell im toten Rennen.

Hier empfiehlt sich ein pragmatischer Tipp: egal, wie man sich entscheidet, am Ende werden große Anwender doch in einer Multi-Cloud-Strategie landen, in der für jeden Einzelfall die mutmaßlich bessere Lösung genutzt wird. Dann kommen auch die Nachfolger im Wettbewerb – Google, Alibaba, IBM oder Deutsche Telekom – zum Zuge. Marktvielfalt und Wettbewerb hat noch nie geschadet. Dadurch bleibt das Rennen offen.

 

Lernen für die Plattform-Ökonomie

Die Cloud-Projekte, mit denen sich Microsoft und Amazon in ihrem Wettrennen um die Lufthoheit im Cloud-Business gegenseitig überbieten, werden immer gigantischer. Kaum verkündet Microsoft, dass Volkswagen die Fahrzeuge seiner elektrifizierten ID-Serie mit Hilfe von Microsoft Azure vernetzen will, zieht Amazon nach, indem in einem zweiten Großprojekt die weltweit 122 Produktionsstätten von VW über AWS vernetzt werden sollen. Kaum meldet Amazon Erfolge im eCommerce, reagiert Microsoft mit Plattform-Projekten, die die größten US-Handelskonzerne ins 21. Jahrhundert katapultieren sollen.

Jüngstes und vorläufig gigantischstes Beispiel für die Entwicklung des Cloud-Computings zur Plattform-Ökonomie ist die Vergabe des auf zehn Milliarden Dollar ausgelegten Militärprojekts des Pentagon an Microsoft. Und konsequent reagiert Amazon mit einer Klage gegen die nach Ansicht der Kläger unfaire Auftragsvergabe. Das ist nur allzu verständlich, denn das Projekt hat eine solche Tragweite, dass dem Sieger – zur Zeit also Microsoft – ein kaum einzuholender Wettbewerbsvorteil winkt.

Der Grund für die Gigantomanie im Cloud-Business liegt in einem fundamental veränderten Verständnis der Infrastruktur. Cloud-Computing ist nämlich nicht mehr nur eine andere Form der IT-Nutzung – wie es zum Beispiel bei der Ablösung von Mainframes durch Personal Computer der Fall war. Die Cloud ist keine bloße IT-Infrastruktur, sondern mehr und mehr die Basis fürs Business schlechthin: vernetzte Fahrzeuge bilden ein Ökosystem, in dem neue Services und Produkte florieren. Nur unter der Cloud kann der Wandel vom Kreditinstitut zur „Every-Day / Every-Pay“ Bank gelingen. Nur durch die Plattform-Ökonomie vollziehen sich die disruptiven Veränderungen in den Geschäftsmodellen – egal, ob im weltweiten Handelsgeschäft, in der unternehmensübergreifenden Wertschöpfungskette, im Smart Home oder in der Smart City. Selbst das Gesundheitswesen und die öffentliche Hand sind im Begriff, sich zu cloud-basierten Plattform-Modellen zu wandeln, in denen der Patient und der Bürger im Mittelpunkt stehen.

Das jüngste Beispiel für diese fundamentale digitale Transformation kommt aus der Versicherungswirtschaft. Die Allianz, immerhin Europas größter Versicherer, hat beschlossen, die eigene Software zur Risikoanalyse auch Wettbewerbern zur Verfügung zu stellen. Dazu soll die Software, die nach Schätzungen über die Jahre hinweg ein dreistelliges Millioneninvestment darstellt, als Open Source auf der Azure-Plattform bereitstehen, wie Microsofts Direktor für das Cloud-Business, Oliver Gürtler, berichtet. Die Allianz hat erkannt, dass nur so die Software mit dem Tempo der technologischen Entwicklung Schritt halten kann. Die Allianz – ohnehin einer der größten Arbeitgeber für Software-Entwickler – entpuppt sich damit ganz offiziell als Softwarehaus.

In der Tat wird die Plattform-Ökonomie durch Software angetrieben. Egal, ob Handelsunternehmen, Autobauer, Logistikdienstleister oder Banken – das Differenzierungspotential der Zukunft liegt in der Software, in die die cloud-basierten Geschäftsprozesse gegossen werden. So gesehen, ist jedes Unternehmen der Plattform-Ökonomie ein Softwarehaus.

Aber was machen dann die Softwarehäuser? Sie müssen sich auf die Mechanismen der neuen Ökosysteme einstellen. Mit Migration oder Systemmanagement allein kann man vielleicht noch ein Jahrzehnt lang einen Blumentopf gewinnen. Danach geht es weniger um Technik als vielmehr um Inhalte. Wo in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus Unternehmensberatern Softwarehäuser wurden, werden in den Zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts aus Softwarehäusern wieder Berater im Cloud-Business, die dabei helfen, neue Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle umzusetzen.

Da ist ein gigantischer Prozess im Gang, der jedes Unternehmen, jede Branche, jede Regierung und jeden Kontinent erfasst. Gartner sieht für 2026 ein weltweites Cloud-Business von mehr als 600 Milliarden Dollar – und diese Zahl dürfte sogar noch eher konservativ geschätzt sein. Zählt man die Inhalte und Werte mit, die über die Cloud-Plattformen transportiert werden, dann dürfte die Zahl um ein Vielfaches höher liegen. Das Cloud-Business ist das Business schlechthin.

Das müssen Software-Unternehmer verstehen, wenn sie ihr Unternehmen in die nächste Generation übergeben wollen. Sie brauchen völlig andere Mitarbeiter, die in Ökosystemen denken, statt sich auf die Optimierung einzelner Prozessschritte zu konzentrieren. Sie müssen Visionen über die Veränderungen der branchenweiten Marktmechanismen entwickeln und umsetzen können. Sie müssen ebenso Marketing-Experten wie Produktionsspezialisten sein. Und nicht zuletzt: sie müssen in der Lage sein, aus großen Datenmengen neue Werte der Erkenntnis schöpfen zu können. Ohne KI-Expertise ist das nicht denkbar.

Und auch die Cloud-Anbieter wie Microsoft, Amazon, Google oder die Deutsche Telekom müssen sich neu ausrichten. In dem Maße, in dem ihre Cloud-Plattformen zu Trägerinnen der Weltwirtschaft werden, übernehmen sie Verantwortung für die Sicherstellung der ökonomischen Handlungsfähigkeit. Sicherheit und Zuverlässigkeit sind die harte Währung in diesem Geschäft. Die Diskussion um die europäische Daten-Cloud Gaia-X weist bereits in diese Richtung – auch wenn weiterhin unklar ist, wie diese Vision technisch umgesetzt werden kann. Aber auch die europäische Datenschutz-Grundverordnung ist ein Meilenstein auf diesem Weg. Da ist es interessant, dass Microsoft jetzt den gerade im Werden befindlichen California Consumer Privacy Act für die gesamten Vereinigten Staaten anerkennen will. Das ist freilich außerhalb Kaliforniens kein einklagbares Versprechen – aber es weitet die Prinzipien des europäischen Datenschutzrechts auf die USA aus.

Wir werden weder Cloud-Kunden, noch Softwarehäuser, noch Cloud-Provider in zehn Jahren wiedererkennen. Sie entwickeln sich sämtlich zu Betreibern von digitalen, cloud-basierten Ökosystemen. Das einzige, was uns auf diesem Weg aufhalten kann, sind die Menschen. Denn die neue Ökonomie braucht Fachkräfte, für die es noch kaum richtige Ausbildungskonzepte gibt. Wir müssen lernen und umlernen für die Plattform-Ökonomie.