Jeff-Sache

Von Jeff Bezos, dem Gründer und demnächst scheidenden CEO von Amazon, erzählt man, dass er beim Test des künstlich intelligenten Sprachassistenten Alexa bevorzugt im Internet kursierende Parodien auf den damaligen US-Präsidenten Donald Trump abgefragt habe. Die gegenseitige persönliche Abneigung ist legendär – beide dürften Entscheidungen wohl auch unter Berücksichtigung dieser Animositäten getroffen haben. Zum Beispiel, als Jeff Bezos die Washington Post übernahm, um ein bekanntes Sprachrohr der Anti-Trumpisten unter seine Fittiche zu nehmen. Und der Verdacht, der US-Präsident könnte das Verteidigungsministerium angewiesen haben, den Mega-Deal um die Joint Enterprise Defense Infrastructure – kurz: JEDI – zu Ungunsten von Amazon zu entscheiden, beschäftigt heute noch die Gerichte – und den Kontrahenten Microsoft.

Jeff Bezos kann nicht verlieren – das hat Amazon erfolgreich gemacht und innerhalb eines Vierteljahrhunderts von einem Gebrauchtbuchhändler zum weltweit horizontal wie vertikal Prozesse integrierenden Internet- und Logistik-Konzern wachsen lassen. Lange Zeit war auch Amazon Web Services die unangefochtene Nummer Eins im Cloud-Business – bis Satya Nadella mit der Amtsübernahme des Chefpostens bei Microsoft auch die Neuausrichtung des Konzerns von einem Windows-Lieferanten zu einem Azure-Spezialisten einleitete. Seitdem nagt Microsoft Quartal um Quartal an der Vormachtstellung von Amazon im Cloud-Business. Und der JEDI-Deal mit dem Pentagon hätte die Machtverhältnisse beim Cloud Service Providing nachhaltig verändert.

Das gilt es aus Sicht von Amazon unbedingt zu verhindern. Und dies ist Jeff Bezos gelungen: Inzwischen denkt das Pentagon darüber nach, das Projekt zu canceln und neu auszuschreiben, weil die anhängenden Prozesse um die JEDI-Vergabe noch über Monate und Jahre andauern könnten. „Wenn du nicht gewinnen kannst, sieh zu, dass du wenigstens nicht verlierst“ – nach diesem Grundsatz hat Jeff Bezos Hundertschaften von Rechtsanwälten auf den Fall angesetzt. Und Microsoft muss hilflos zuschauen, wie ein schon sicher geglaubtes Mega-Projekt in den Startlöchern steckenbleibt. Man sei in der Lage, alle Anforderungen des Projekts zu erfüllen, heißt es nur lapidar aus Redmond. Übrigens beide sind Nachbarn: Redmond und Seattle – wo Microsoft, respektive Amazon ihren jeweiligen Hauptsitz haben, liegen Tür an Tür im US-Staat Washington.

Das alles kann sich endlos hinziehen und muss nicht einmal nur auf das JEDI-Projekt beschränkt bleiben. In praktisch jeder Branche vollzieht sich derzeit der Wechsel auf eine Plattform-Ökonomie, in der ein Branchen-Primus seine Position dadurch auszubauen versucht, dass alle Services rund um die Branchenspezifika auf einer Plattform zusammengefasst werden. Das gilt für WalMart im Retail-Sektor, für mehrere Anbieter im Versicherungsmarkt und für die großen Prozessintegratoren im Bereich der Fabrikautomation. Es gilt für nationale Initiativen im Gesundheitssektor und bei dem Versuch, die Dienstleistungen der öffentlichen Hand zu entbürokratisieren und agiler zu gestalten. Und überall ist der Partner entweder Amazon oder Microsoft.

Jetzt versucht Boeing, für eine Milliarde Dollar diese Plattform-Ökonomie im eigenen Umfeld zu verwirklichen. Und wieder stehen Microsoft und Amazon Kopf an Kopf gegeneinander. Immer geht es um Milliarden und um die Vormachtstellung im vielleicht wichtigsten Wachstumsmarkt der Weltwirtschaft, dem Cloud Computing. Auch das Cloud-Projekt, mit dem der amerikanische Telekommunikationsriese AT&T seine Infrastruktur aus 5G, künstlicher Intelligenz und Cloud-Services ausstatten will, ging an Microsoft. Das Projekt auf der Basis der Cloud-Plattform Azure soll innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden und insgesamt zwei Milliarden Dollar schwer sein. Wieder ging Jeff Bezos mit AWS leer aus.

Dabei hat Amazon einen wichtigen Trumpf in der Hand: die Entwickler von Cloud-Anwendungen sind überwiegend glühende Anhänger der Amazon Web Services. Und auch unter den Startups wird AWS mehrheitlich präferiert, wenn es um die Entwicklung disruptiver Anwendungen in der Digitalwirtschaft geht. Doch was nützt das Geschäft von morgen, wenn die Riesen von heute zu Azure schwenken. Und mit Microsofts Open Source-Initiative wird auch die Bastion der Newcomer und Developer angegriffen. Deshalb war Microsoft die Übernahme der Entwickler-Plattform GitHub mehrere Milliarden Dollar wert.

Wie sehr zwischen Microsoft und Amazon mit harten Bandagen gekämpft wird, zeigt die aktuelle Entwicklung um das SAP-Projekt Embrace. Die Deutschen hatten mit Microsoft ein Partnerschaftsmodell entwickelt, das auf zwei Säulen ruht: erstens der erleichterte Migrationspfad von SAP 4/Hana in die Azure-Cloud und zweitens der gegenseitige Lösungsvertrieb. Die zweite Säule wird jetzt stillschweigend zurückgenommen, weil die Kunden eine Multi-Cloud-Strategie verfolgen wollen, in der sie je nach Anforderungsprofil mal auf Azure, mal auf AWS, mal auf Cloud-Services von Google, IBM oder SAP zurückgreifen wollen.

Es würde nicht verwundern, wenn Jeff Bezos auch hier in den letzten Wochen seiner Amtszeit noch einmal persönlich Druck ausgeübt hätte. Für ihn ist die Frage, wer im Cloud-Business die unangefochtene Nummer Eins ist und bleibt, eindeutig Jeff-Sache.

Die Digital-Strategien-Gecancelt-Verordnung

Hätten wir vor einem Jahr die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes der Europäischen Union übertragen, wären wir jetzt wahrscheinlich bei dem Punkt angelangt, wo sich EU-Kommission und EU-Parlament darüber streiten, wer das letzte Wort zum Gesetzesentwurf für ein gemeinsames Entwicklungsprojekt der 27 Mitgliedsländer haben soll – und im Hinterzimmer würde das Personalgeschacher toben, wer diesem Prestige-Projekt vorsitzen darf. Gottseidank haben wir aber noch die freie Wirtschaft und Unternehmer wie die Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin, die ihre Mitarbeiter von jetzt auf gleich auf das neue Ziel einschworen und dann – seltene Tugend – auch noch ein rettendes Ergebnis ablieferten.

Nun: zumindest das lähmend-langsam vorankriechende EU-Projekt um die europäische Daten-Cloud-Gaia X – das in seinen Dimensionen auch nicht komplexer ist als die Entwicklung eines Impfstoffs auf der Basis von Messenger-RNA – bekräftigt dieses Urteil. Und auch die Definition eines EU-weit gültigen digitalen Impf-Ausweises kann eigentlich nicht so kompliziert sein wie ein hochinnovatives Pharmaprojekt. Und doch ist der Impfstoff lange vor dem Impf-Ausweis auf der Zielgeraden angekommen. Er wird produziert und verimpft, während der Impf-Ausweis lediglich als Konzept vorliegt, als Gesetzesvorlage. Vor seiner Einführung stehen aber noch immer etliche Hürden.

Da ist allen voran die Frage, wie die Millionen Einträge in den analogen Impf-Ausweisen nun ins Digitale überführt werden sollen. Und auch da wiehert der Amtsschimmel bereits laut: Denn während schon absehbar war, dass der digitale Impfpass kommen würde, wurden munter analoge Impfpässe ausgestellt und die personenbezogenen Daten auf Formularen in Papierform erhoben. Dass jetzt die Ärztevertretungen aufschreien, weil sie nicht noch mit der immensen Aufgabe betraut werden wollen, die analogen Daten zu erfassen, kann nicht verwundern. Und tatsächlich haben Arztpraxen auch wichtigere Pflichten als Verwaltungsaufgaben. Doch auch in der öffentlichen Verwaltung sieht man sich mit dieser eigentlich ureigenen Aufgabe überfordert.

Dass die personenbezogenen Daten nicht in digitaler Form, sondern höchstens verschlüsselt und anonymisiert vorliegen, liegt an der digitalen Fußfessel namens DSGVO, der EU-weit geltenden Datenschutz-Grundverordnung, die so manches Digitalprojekt verhindert oder zumindest behindert. Insofern ist es interessant, dass jetzt der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Petri gegenüber der Augsburger Allgemeinen einen Weg aus dem Dilemma weist, indem die DSGVO-konformen Datenschutzbestimmungen im Infektionsschutzgesetz geändert und auf Länderebene angepasst werden sollten: „In einem neuen Absatz 5 soll eine datenschutzrechtliche Grundlage für die Verarbeitung der für die Generierung des Covid-19-Impfzertifikats erforderlichen personenbezogenen Daten durch das Robert Koch-Institut und für die Übermittlung dieser Daten an das RKI geschaffen werden.“ Damit könnten die ursprünglich auf Landeseben für Notfälle wie Haftungsfragen gespeicherten Impfdaten entschlüsselt und zusammengeführt werden.

Wir machen also eine Gesetzesnovelle zur Umgehung der DSGVO – genialer Gedanke! Nur haben Unternehmen und privatrechtliche Organisation leider nicht die Möglichkeit, zur Durchsetzung ihrer Digitalprojekte einfach ein Gesetz zu novellieren. Sie müssen der DSGVO – der Digital-Strategien-Gecancelt-Verordnung – folgen und deren komplizierte Umsetzung teuer bezahlen, sonst drohen hohe Strafen. Oder – und das ist leider immer häufiger der Fall – sie streichen die digitalen Initiativen gleich ganz, weil die Auslegung der DSGVO allein in Deutschland von 18 Aufsichtsbehörden von Fall zu Fall unterschiedlich angegangen wird. Deshalb bindet die Umsetzung von Digitalprojekten unverhältnismäßig viele Ressourcen und birgt immer die Gefahr, dass am Ende doch existenzgefährdende Strafen drohen.

„Das hat Auswirkungen, die weit über das einzelne Unternehmen hinausgehen und auch Bestrebungen nach mehr Digitaler Souveränität behindern“, bilanziert der Präsident des Hightech-Verbands Bitkom, Achim Berg, nach drei Jahren DSGVO. „Insbesondere in der Corona-Pandemie konnte in der öffentlichen Verwaltung, in Schulen, im Gesundheitswesen und in Unternehmen beobachtet werden, wie der Datenschutz den sinnvollen Einsatz von Technologien gehemmt oder ganz verhindert hat. Hinzu kommt, dass die Unternehmen feststellen mussten, dass der hohe Umsetzungsaufwand bei der Einführung der DSGVO nicht einmalig war, sondern bei der Einführung jeder digitalen Lösung erneut entsteht.“

Berg fordert, dass viel stärker als bisher Umsetzungshilfen bereitgestellt werden, die von Projekt zu Projekt dupliziert werden können und bundesweit, wenn nicht EU-weit einheitlich gelten. „Es reicht nicht, Verbote und Strafen auszusprechen, sondern es muss auch gezeigt werden, wie die Vorgaben rechtskonform so umgesetzt werden können, dass auch deutsche Unternehmen und Organisationen die Möglichkeiten datengetriebener Plattformen umfassend nutzen und ihre Kunden international betreuen können“, sagt Berg. Die Politik ist gefordert, sonst bleibt die DSGVO eine digitale Fußfessel für die digitale Transformation – eben eine Digital-Strategien-Gecancelt-Verordnung.

PS: Die Bremer Datenschutzbeauftragte Imke Sommer hat jetzt argumentiert, dass das Fax, über das viele Gesundheitsämter mit dem RKI kommunizieren, nicht DSGVO-konform ist. Ein Telefax erreiche seinen Empfänger in vielen Fällen über eine unverschlüsselte Internet-Leitung. Es ist damit nicht sicherer als beispielsweise eine Postkarte. Man schlägt sich auf die Schenkel vor Lachen…

Konzerne wie Staaten

Als der Rubel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Estland nicht mehr rollen wollte, musste sich der Baltikumstaat, der mit 1,3 Millionen Einwohnern ungefähr so bevölkerungsreich ist wie Köln, völlig neu erfinden. Weil es praktisch kein Bankensystem mehr gab, wurden Computerüberweisungen das Mittel der Wahl. Der damalige Bildungsminister Jaak Aviksoo setzte es in einem Land durch, in dem bis zur Unabhängigkeit gerade einmal jeder zweite Haushalt über ein eigenes Telefon verfügte, dass alle Schulen vernetzt werden und alle Haushalte ein Recht auf einen Internet-Anschluss haben. Gleichzeitig wurden die Dienstleistungen der Öffentlichen Hand digitalisiert (und entschlackt), so dass heute 99 Prozent aller Behördengänge online erfolgen können.

„Tiigerihüpe“, zu Deutsch Tigersprung, nannten das die Esten. 2005 fand die erste Kommunalwahl mit der Möglichkeit statt, online zu wählen; inzwischen gilt das auch für die Wahlen ins Nationalparlament. Und die Gründung einer Firma erfolgt – natürlich online – in weniger als einer halben Stunde. Kein Wunder, dass Estland eines der Startup-Epizentren Europas ist. „Anders als Supertanker kann das Kajak Estland auf dem Punkt wenden“, sagte einst Lennart Meri, bis 2001 Ministerpräsident von Estland. Und die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid gab 2019 mit Blick auf die Digitalisierung in Deutschland dem Spiegel zu Protokoll: „Wir reden über einen Abstand von 20 Jahren. Wir hätten nicht gedacht, dass große Volkswirtschaften es sich erlauben können, bei der Digitalisierung so weit zurückzufallen.“

Auch wenn in diesem Zitat ein wenig der erhobene Mittelfinger des ehemaligen Underdogs zu hören ist – die Esten führen ihr Land wie ein Unternehmen. Das funktioniert – so mag man einwenden – in einem Land überschaubarer Größe mit vergleichsweise geringer Einwohnerzahl. Aber ein Staatsgebilde wie die Bundesrepublik funktioniert nach anderen Regeln. Aber tut sie das? Es ist faszinierend, dass umgekehrt immer mehr global operierende Konzerne, die über mehr Mitarbeiter verfügen als Estland Einwohner hat und zugleich rund um den Globus operieren, sich inzwischen verhalten, als würden sie den staatlichen Aufgaben der Fürsorge, Vorsorge, Nachhaltigkeit und dem Schutz der Bürger mit der gleichen Corporate Governance nachkommen, wie den Interessen ihrer Aktionäre.

Microsoft zum Beispiel hat auf dem Höhepunkt der ersten Pandemie-Welle nicht nur die eigenen Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, sondern gleich die ganze Bay-Area rund um Seattle in die Lage versetzt, im Lockdown von zuhause zu arbeiten. Das Unternehmen hat massiv gespendet, um das öffentliche Leben am Puget-Sound aufrecht zu erhalten und Initiativen im Gesundheits- und Bildungswesen unterstützt. Inzwischen gibt es eine Online-Plattform, über die das Wohlbefinden der Mitarbeiter getrackt werden könnte, wenn die Betroffenen dieser „fürsorglichen Umarmung“ zustimmen.

Während Deutschland in einem heroischen Akt, durch Kurzarbeitergelder zwei Millionen Arbeitsplätze abgesichert hat (und das sogar bei Unternehmen, die daraufhin eine dicke Dividende an ihre Aktionäre auszahlen konnten), hat Amazon 75.000 Arbeitsplätze geschaffen. Während in Deutschland darüber diskutiert wird, das Minimalqualifizierte kaum noch Beschäftigung finden werden, gibt Amazon – bei aller zum Teil berechtigten Kritik an den dortigen Arbeitsbedingungen – gerade Angelernten und Ungelernten am oberen Ende der Mindestlohnregelung Arbeit.

Google, respektive deren Mutter Alphabet, würde als Renditekönig an der Börse gelten, würde der Konzern nicht mehr in Forschung und Entwicklung investieren als manche Staaten in ihren Verteidigungshaushalt. Die Umsätze dieser Internetkonzerne überragen inzwischen das Bruttoinlandsprodukt von sogenannten Schwellenländern. Und deren Gewinnprognosen haben eine ähnliche Bedeutung wie die Steuerschätzungen der führenden Volkswirtschaften.

Sie operieren als vertikal integrierte Unternehmen, die nicht nur ganze Lebensströme von der Quelle bis zur Mündung organisieren und dominieren. Amazon zum Beispiel beherrscht inzwischen den gesamten Mediaprozess von der Bucherstellung über Kindle bis zum Vertrieb gebrauchter Lektüre, von der Serienproduktion bis zu Streamingdiensten. Mit seiner Cloud Plattform AWS unterstützt Amazon nicht nur Startups bei der Entwicklung ihrer Digitalprodukte, sondern profitiert auch gleich von deren Wachstum. Das ganze funktioniert wie klassische Wirtschaftsförderung – nur erfolgreicher.

Amazonien, Googlestan, Microsoftanien sind die Industrienationen der Moderne. Dagegen sind die deutschen Pendants – wie SAPLand, Siemensurinam oder die Volksrepublik Wagen – nur Kleinstaaten. Und Staaten zahlen auch keine Steuern an Dritte: Im Selbstverständnis von Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg gibt es keine Verantwortung mehr gegenüber Staatengebilden – sie sind nur noch ihrer Community, ihren Einwohnern gegenüber verantwortlich.

Konzerne wie Staaten – und erfolgreiche Staaten, die wie Konzerne handeln. Das ist womöglich schon jetzt die am weitesten greifende Entwicklung der zwanziger Jahre im einundzwanzigsten Jahrhundert. Schon jetzt sind auch die Commitments dieser Unternehmen bezüglich Klimaneutralität oder sogar negativer CO2-Bilanz anspruchsvoller als die mancher Nationalstaaten. Wir müssen uns dabei eines fragen: wie können wir diese Staaten-Konzerne unter Kontrolle halten? Oder entgleiten sie der Weltgemeinschaft, wie das bei so manchem oligarchischen oder autokratischen Staat heute schon der Fall ist. Oder die Staaten folgen dem Beispiel Estlands und entwickeln sich wie Konzerne – schneller, schlanker, agiler.

Bonns BonBons – frisch gepickt

Update vom 13. Oktober 2021 – 19:00 Uhr:
Mehr als sechs Milliarden Euro für IT-Sicherheit

Nach einer Schätzung der Marktforscher von IDC werden deutsche Anwenderunternehmen im laufenden Jahr rund 6,2 Milliarden Euro für IT-Sicherheitsprodukte ausgebe. 2020 lagen die Ausgaben noch bei 5,6 Milliarden Euro. Das berichtet der Hightech-Verband Bitkom, der die Studie in Auftrag gegeben hatte. Rund die Hälfte, also 3,1 Milliarden Euro geht auf das Konto der Services, die zweite Hälfte teilen sich Hardware und Software. Auch künftig werden die Umsätze für IT-Sicherheit weiter steigen. So sollen sie 2025 bereits bei 9,5 Milliarden Euro liegen. Der Bitkom sieht beim Thema IT-Sicherheit auch die Politik in der Pflicht und mahnt Maßnahmen in der neuen Legislaturperiode an.

Update vom 13. Oktober 2021 – 16:00 Uhr:
Hacker-Angriffe auf Lieferketten sind der neue Trend

Der zur Allianz gehörende Industrieversicherer AGCS warnt vor Hacker-Angriffen auf Lieferketten. Gerade Lösegeld-Erpresser, die mit sogenannter Ransomware IT-Systeme lahmlegen und erst nach der Zahlung hoher Beträge wieder freigeben, zielten inzwischen auf Lieferanten von kritischen Vor- und Zwischenprodukten in der Wertschöpfungskette. Ihr Ausfall könnte ganze Wirtschaftszweige lahmlegen und deshalb den Druck auf rasche Lösegeldzahlung erhöhen. Auch IT-Dienstleister gehören nach Ansicht der Allianz-Tochter zu den bevorzugten Angriffszielen. Sowohl die dabei verursachten Schäden als auch die geforderten Lösegelder steigen. Während 2020 bereits Forderungen bis zu 30 Millionen Dollar gestellt wurden, steigen die erpressten Summen nun schön auf 50 Millionen Dollar.

Update vom 7. Oktober 2021 – 18:00 Uhr:
Sichere Cloud-Prinzipien etabliert

Zahlreiche große Internet-Anbieter, darunter Amazon, Cisco, Google, IBM, Microsoft, Salesforce und SAP, haben sich jetzt auf grundlegende Prinzipien in der Cloud geeinigt, die vor allem die Rechte der Kunden wahren sollen und deren Einhaltung gleichzeitig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber jenen, die dies nicht tun, schaffen soll. Die sogenannten Trusted Cloud Principles sind vorerst kaum mehr als Absichtserklärungen, haben aber die Chance, nach und nach in die Standardvertragsklauseln der großen Cloud Provider übernommen zu werden. Einige Punkte berühren mehr oder weniger direkt das Schrems II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Dazu gehört das Grundprinzip, dass sich Behörden bei den Kunden um den Zugang zu Daten bemühen sollen und nicht bei den Providern. Außerdem sollen Kunden unmittelbar informiert werden, wenn Behörden bei den Providern nach Kundendaten fragen.

Update vom 6. Oktober 2021 – 17:30 Uhr:
Betrugsversuch: „Ihr Album wurde geleakt!“

Mit einem neuen Betrugsversuch melden sich Lösegelderpresser per SMS bei ihren Opfern. Sie behaupten: „Jemand hat Ihre Bilder hochgeladen. Ein ganzes Album ist hier hochgeladen.“ Dazu wird zunächst ein Link angeboten, der zu einer Internetseite mit dem Hinweis „Ihr Gerät ist mit dem Schadprogramm FluBot infiziert“, gefolgt von einem weiteren Link für ein angebliches Sicherheitsupdate, hinter dem sich dann aber eine Installationsdatei für die tatsächliche Malware verbirgt, die schließlich nach Passwörtern Ausschau hält. Wer darauf reingefallen ist, sollte das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen und sämtliche Passwörter ändern. Am erstaunlichsten dabei ist, wie einfach es offenbar ist, anderen Schaden zuzufügen. Und weiterhin gilt: gegen Gutgläubigkeit und Fahrlässigkeit helfen die besten Security-Features nichts.

Update vom 5. Oktober 2021 – 19:00 Uhr:
Ohne Open Source geht fast nichts mehr

Es ist schon ein knappes halbes Jahrhundert her, da hieß es: „Wer zu allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Es war der Kernpunkt einer heftigen Debatte zwischen den Anhängern sogenannter proprietärer Systeme und offener Umgebungen wie zum Beispiel Unix. Heute geht fast nichts mehr ohne gemeinfreie Software, deren Quellcode offen liegt und von einer Entwicklergemeinde weiterentwickelt wird. Nach einer aktuellen Befragung des Hightech-Verbands Bitkom nutzen inzwischen sieben von zehn Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, freie Software – Tendenz steigend. Und nur sieben Prozent der Befragten geben an, Open Source grundsätzlich kritisch oder ablehnend gegenüber zu stehen. Immerhin zwei Drittel (67 Prozent) bezeichnen sich als interessiert und aufgeschlossen. Allerdings ist ein weiteres Viertel (25 Prozent) noch unentschieden.

Update vom 4. Oktober 2021 – 15:00 Uhr:
Drei Milliarden Euro für Apps

Nachdem sich der Umsatz in zwei Jahren nahezu verdoppelt hatte, haben die Ausgaben der Deutschen für Smartphone-Apps im laufenden Jahr knapp drei Milliarden Euro erreicht, ermittelte der Hightech-Verband Bitkom. Dabei wurde das meiste Geld für sogenannte In-App-Käufe ausgegeben – als für zusätzliche Feature oder Leistungen sowie Werbefreiheit in bestehenden Apps. Damit hat sich das Smartphone oder das Tablet als vollwertiger „ultrapersonal“ Computer etabliert, mit dem Nutzer genau so viel – oder unter Umständen sogar mehr – Aktivitäten verbinden als mit einem Desktop oder Laptop. Im vergangenen Jahr lagen die Umsätze bereits bei 2,3 Milliarden Euro umgesetzt worden, 2019 gaben die Deutschen für Smartphone-Apps rund 1,6 Milliarden Euro aus.

Update vom 1. Oktober 2021 – 18:00 Uhr:
Eine Ampel für Smartphones

Nach dem Willen der Europäischen Kommission sollen Verbraucher künftig vor dem Kauf anhand einer Skala von A bis G (oder Dunkelrot bis Dunkelgrün) erkennen können, wie gut sich Smartphones reparieren lassen. Das Ganze wirkt aber noch ein wenig unausgegoren, weil Ersatzteilpreise nicht eingepreist werden. Berücksichtigt werden soll dagegen die Zahl der Arbeitsschritte, um Akku oder Displays zu reparieren, oder die Frage, ob Standardwerkzeuge ausreichen. Ob Bauelemente verschraubt oder verklebt werden, soll ebenfalls berücksichtigt werden.

Update vom 24. September 2021 – 20:00 Uhr:
IT-Fachkräfte verzweifelt gesucht

Im Durchschnitt suchen die Unternehmen in Deutschland 7,7 IT-Fachkräfte, besagt eine Studie der Jobplattform Honeypot. Dabei plant das obere Drittel der IT-hungrigen Unternehmen sogar eine zweistellige Zahl von Neueinstellungen – von diesen knapp die Hälfte sogar mehr als 20. Weil das Bildungssystem hierzulande diesen Bedarf nicht einmal annähernd decken kann, wenden sich mehr und mehr Unternehmen Alternativen zu und suchen IT-Fachkräfte im Ausland oder Quereinsteiger (nicht zu verwechseln mit Querdenkern). Wer kein Deutsch spricht, dafür aber Englisch, ist in mehr als der Hälfte der Unternehmen willkommen – obwohl nur in jedem fünften IT-Team tatsächlich Englisch die Geschäftssprache ist. Und fast drei Viertel der Unternehmen akzeptieren Autodidakten als Quereinsteiger.

Update vom 23. September 2021 – 21:00 Uhr:
US-Regierung zoomt auf Zoom

Zoom will die US-Firma Five9, einen Spezialisten für in der Cloud betriebene Call-Center, kaufen. Damit könnte das Unternehmen sein Geschäft über Videokonferenzen hinaus ausbauen. Zoom will mit eigenen Aktien den Kaufpreis von 14,7 Milliarden Dollar zahlen. Da aber Five9 Entwicklungsressourcen in Russland hat und Zoom wiederum in China entwickelt, hat die US-Regierung jetzt eine Untersuchung der möglichen Akquise gestartet. Nach einem Umsatzsprung um 300 Prozent will Zoom nun seine Collaboration-Lösung um weitere Funktionen ausbauen.

Update vom 21. September 2021 – 20:30 Uhr:
Evergrande: Too Big to Fail

Der drohende Kollaps des Immobilienkonzerns Evergrande erinnert an die Lehman-Pleite vor 13 Jahren. Die Angst, dass ein Aus eine weltweite Kettenreaktion auslösen könnte, hat schon die Börsen erreicht – mit der Folge, dass weltweit Börsenkurse einbrechen. Evergrande ist durchaus systemrelevant: Experten schätzen, dass die Immobilienbranche rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung in China ausmacht. Eine Pleite des Großkonzerns Evergrande würde die gesamte Branche in eine Krise stürzen – mit der Folge, dass wohl auch unzählige Zulieferer und Baufirmen Insolvenz anmelden müssten. So ähnlich hat tatsächlich auch die Finanzkrise 2008 begonnen. Chinas Staats- und Parteiführung kann Evergrande fallen lassen – oder auch nicht: too big to fail.

Update vom 21. September 2021 – 14:15 Uhr:
Videocalls: zu oft, zu lang, zu wenig effizient

40 Prozent der Büroangestellten in Deutschland sitzen bis zu fünf Stunden pro Woche in Videocalls. Bei 23 Prozent dehnt sich dies sogar auf bis zu zehn Stunden aus. Das ergab eine Studie des auf Collaboration spezialisierten Software-Anbieters Atlassian. Dabei zeigte sich auch: 60 Prozent der Befragten halten Videocalls zwar für notwendig, empfinden aber virtuelle Meetings als langwierig (16 Prozent), zu lang (20 Prozent) und viel zu häufig (15 Prozent). Allerdings: Auch vor der Pandemie und der Flucht ins Home Office gab es bereits Studien, in denen Mitarbeiter die (physischen) Meetings für zu langatmig und zu wenig effizient bewerteten. Das beweist: die Technologien ändern sich, der Mensch nicht…

Update vom 16. September 2021 – 16:15 Uhr:
Digitale Dekade

Im Frühjahr hat die EU-Kommission ehrgeizige Ziele formuliert, die die digitale Dekade bis zum Jahr 2030 einläuten sollen. Zu den Errungenschaften sollen bis dann gehören: alle Haushalte erhalten Internet in Gigabitgeschwindigkeit, 5G-Abdeckung soll flächendeckend erreicht sein, wichtige Behördengänge sollen online erledigt werden können, 20 Millionen IT-Fachleute sollen in der EU arbeiten und mindestens 20 Prozent der weltweiten Produktion von Halbleitern sollen in der EU stattfinden. Bisher ist das viel Soll und wenig Haben. Das soll sich ändern, weil künftig auch mehrere EU-Länder in einem Gemeinschaftsprojekt zusammenarbeiten sollen – wie etwa bei der europäischen Daten-Cloud Gaia-X. Außerdem sollen die erreichten Fortschritte stärker kontrolliert und in einem jährlichen Bericht zu Lage der digitale Dekade veröffentlicht werden. Wenns hilft…

Update vom 16. September 2021 – 15:45 Uhr:
Charles Bell wechselt von AWS zu Microsoft

Microsoft baut derzeit eine eigene Unternehmens-Einheit für IT-Sicherheit auf und will nach eigenem Bekunden bis zu 20 Milliarden Dollar für die Entwicklung von Security-Features investieren. So weit so gut. Doch als künftigen Chef dieser Abteilung hat Microsoft den langjährigen Entwicklungschef bei Amazon Web Services (AWS), Charles Bell, abgeworben. Und das könnte Ärger geben. Denn auch wenn der langjährige Amazon-Manager, der durch den Verkauf seines Startups zum Logistik- und Cloud-Riesen kam, keine Interna ausplaudern wird – allein der Verdacht, Bell könnte bei einem Pausengespräch Einblicke in bisherige AWS-Geheimnisse wiedergeben, dürfte den streitsüchtigen Amazon-Gründer Jeff Bezos nicht ruhen lassen. Die Zahl der Rechtsstreitigkeiten zwischen Microsoft und Amazon ist ohnehin schon groß genug, nachdem sich beide gegenseitig Milliardenaufträge aus dem US-Verteidigungsministerium und der National Security Agency streitig gemacht haben. Doch unabhängig von der Personalie: Das Engagement von Microsoft bei IT-Sicherheit kann angesichts der aktuellen Bedrohungslage durch Cybercrime nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Update vom 14. September 2021 – 21:30 Uhr:
Finanzsoftware als Kern

Komplexe Unternehmenslösungen werden oft um den Kern einer Finanzsoftware herum ausgebaut – so entstand zum Beispiel das heutige SAP-Lösungsangebot. Das Prinzip scheint sich jetzt für die Zielgruppe kleiner und mittlerer Unternehmen zu wiederholen: Der Softwarekonzern Intuit erwirbt für zwölf Milliarden Dollar das E-Mail-Marketing-Unternehmen Mailchimp, das zusätzlich auch Lösungen für das Customer Relationship Management anbietet. Es ist die größte Übernahme in der Geschichte von Intuit. Der US-Konzern ist bekannt für das Steuerprogramm Turbotax, die Finanz-App Mint und das Buchhaltungsprogramm Quickbooks für kleine Unternehmen. Im Jahr 2020 kaufte das Unternehmen die Finanzplattform Credit Karma für 7,1 Milliarden Dollar.

Update vom 13. September 2021 – 23:00 Uhr:
Open Source ist Common Sense

Nahezu drei Viertel der Unternehmen in Deutschland nutzen Open-Source-Software, hat der Hightech-Verband Bitkom in einer repräsentativen Studie herausgefunden. Nur sieben Prozent der befragten IT-Entscheider lehnen gemeinfreier Software kritisch oder ablehnend ab. Dabei ist der Einsatz bei Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern sogar noch beliebter: 87 Prozent nutzen dort Open Source. Während knapp ein Viertel vor allem Kosteneinsparungen sehen, nutzt jedes siebte Unternehmen Open Source, weil sie Zugriff auf den Quellcode haben, den sie zum Beispiel weiterentwickeln oder individualisieren können. Bei den Nachteilen dominieren die Klassiker: Fachkräftemangel und hoher Schulungsbedarf.

Update vom 10. September 2021 – 13:00 Uhr:
Pflichtfach Digitalisierung: Drei minus!

Das Thema Digitalisierung findet in der aktuellen Wahlkampf-Debatte kaum seinen Niederschlag. Allenfalls bei der vagen Formulierung, Klimaschutz müsse durch Innovationen erreicht werden, kann man die digitale Transformation erahnen. Mit Blick auf die digitalen Versäumnisse der vergangenen vier Jahre geben die Deutschen den im Bundestagsparteien denn auch nur eine Drei minus im „Pflichtfach Digitalisierung“. In einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom sprachen sich 99 Prozent für eine Digitalisierung der Schulen aus. 97 Prozent forderten die Bekämpfung der Internetkriminalität. 96 Prozent machten sich für den Schutz der persönlichen Daten stark. Die Digitalisierung der Verwaltung fordern 87 Prozent. Interessant auch: 59 Prozent würden sich gerne online an der politischen Willensbildung beteiligen, 61 Prozent befürworten eine Online-Wahl als dritte Alternative zur Briefwahl und zum physischen Wahlgang.

Update vom 9. September 2021 – 21:00 Uhr:
Cybersicherheitsstrategie verabschiedet

2011 hatte die damalige Bundesregierung eine erste Cybersicherheitsstrategie verabschiedet, die 2016 fortgeschrieben wurde. Am vergangenen Mittwoch hat die noch amtierende Bundesregierung mit der ressortübergreifenden Cybersicherheitsstrategie den Rahmen für die kommenden fünf Jahre gesetzt: Um Daten der Bundesbehörden zu schützen, soll demnach künftig sichergestellt werden, „dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) frühzeitig in Digitalisierungsvorhaben des Bundes eingebunden wird“. Zudem sei „unter anderem zu prüfen, ob Ermittlungsmaßnahmen, wie Telekommunikationsüberwachung und Online-Durchsuchung, auch für die Ermittlung von Computerdelikten zur Verfügung stehen sollten“. Außerdem sollen durch klar benannte Meldewege rechtliche Unsicherheiten bei der Aufdeckung von IT-Schwachstellen bei Unternehmen ausgeräumt werden.

Update vom 8. September 2021 – 12:00 Uhr:
Digitales Wahlprogramm mit Lücken

Am Montagabend hat die CDU ihre Strategie für die digitale Modernisierung Deutschlands vorgelegt. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg: Bislang hat die Digitalisierung im Wahlkampf noch keine zentrale Rolle gespielt, obwohl sie für unser Land eine fundamentale Bedeutung hat. Sei es für das Erreichen der Klimaziele, für einen wirkungsvollen Kampf gegen Corona oder den Erhalt einer international wettbewerbsfähigen Wirtschaft.“ … „Die Vorschläge bleiben allerdings teils vage und kommen beispielsweise bei den Themen Digitale Souveränität und Gaming über die Formulierung von Zielen nicht hinaus und bleiben einschlägige Maßnahmen dort weitgehend schuldig. Auch erschließt sich manche Zielsetzung nicht, z.B. Deutschland zum weltweiten Leitmarkt und Standort Nr. 1 für Games zu machen, andererseits aber so wichtige Zukunftsfelder wie 6G, Technologien für das autonome Fahren oder KI in der Medizin vollständig unerwähnt zu lassen. Bemerkenswert ist, dass die Union eines ihrer Kernthemen – die Sicherheit – mit Blick auf den Cyberraum und die digitale Welt mit keinem Wort berührt. Auch das Urheberrecht und die Bekämpfung von Hasskriminalität im Netz bleiben außen vor.“

Update vom 7. September 2021 – 13:30 Uhr:
Deutsche Telekom will Mehrheit an T-Mobile US

Um rund 5,3 Prozentpunkte auf zunächst 48,4 Prozent steigt die Beteiligung der Deutschen Telekom an der US-Tochter T-Mobile nach einem komplexen Aktiengeschäft. Die Aufstockung sei Teil des Ziels, mehr als die Hälfte der Anteile zu erreichen, teilte der Dax-Konzern heute mit. Dazu wird erstens gegen Sacheinlage das Kapital erhöht, um 45 Millionen Aktien von T-Mobile US, die bisher im Besitz des japanischen Investors Softbank waren, zu erwerben. Zweitens erhält Softbank 225 Millionen neue Telekom-Aktien und wird mit 4,7 Prozent Anteil der zweitgrößte Aktionär. Die Telekom-Aktien werden dabei mit 20 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kurs bewertet. Und drittens solle T-Mobile Netherlands an ein Konsortium verkauft werden. Dabei erwarten die Bonner einen Zahlungseingang von 3,8 Milliarden Euro.

Update vom 3. September 2021 – 21:15 Uhr:
Alexa, mach den Fernseher an!

Dass man Filme und Videostreams bei Amazon Prime laden kann, ist für viele, die sich nicht von den Sendern vorschreiben lassen wollen, was und wann sie gucken, eine willkommene Alternative. Dass immer mehr Streamingdienste – und inzwischen auch Amazon – eigene Produktionen launchen, ist ebenfalls ein längst etablierter Trend. Aber dass diese Streamingdienste nun hingehen und eigene TV-Geräte produzieren, das bereitet nur Amazon vor. In Indien gibt es bereits einen BasicTV und von Amazon inspirierte und initiierte Geräte gibt es auch von anderen Herstellern, zum Beispiel von Toshiba. Doch schon im Oktober will Amazon dem Vernehmen nach mit eigenen TV-Angeboten in den USA aufschlagen. Erweiterte Menüfunktionen sollen dann mehr Komfort für den Zuschauer und mehr Daten über Sehgewohnheiten für Amazon bringen.

Update vom 2. September 2021 – 20:30 Uhr:
WhatsApp auf dem falschen Fuß erwischt

77,5 Millionen Euro hatte die Facebook-Tochter WhatsApp in Irland als Rücklagen in die Bilanz gestellt in Erwartung möglicher Strafzahlungen. Doch die jetzt von der Irischen Datenschutzbehörde – dem Data Protection Commission (DPC) – erhobene Geldstrafe in Höhe von 225 Millionen Euro übersteigt das Erwartete um das Doppelte. Nach Einschätzung der DPC und anderen europäischen Datenschutzbehörden hat WhatsApp gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen, indem es Personendaten an den Mutterkonzern Facebook weitergegeben haben soll. Tatsächlich ist aber die irische Behörde wohl eher zu dieser hohen Summe gedrängt worden. Irland hat durch attraktive Steuergesetze eine Reihe von Internet-Firmen angelockt, die dort ihren europäischen Hauptsitz haben – neben Facebook zum Beispiel auch Apple. Amazon, das seinen Hauptsitz in Luxemburg hat, musste im Sommer die höchste in der EU vergebene Strafe verkraften: 746 Millionen Euro.

Update vom 1. September 2021 – 12:30 Uhr:
Mehr Geld für Sicherheit

85 Prozent der Unternehmen gaben im Corona-Lockdown mehr für Sicherheit aus als vor der Pandemie. Und 72 Prozent der von Micro Focus befragten IT-Manager haben ihr Team erweitert. Und 79 Prozent der Unternehmen gaben an, vor allem zukunftsorientierte Sicherheitstechnologien wie Machine Learning und künstliche Intelligenz einzusetzen. Der aktuelle State of Security Operations Report zeigt interessante Trends: Fast die Hälfte der deutschen Unternehmen haben Probleme bei der präventiven Bedrohungserkennung, doch immerhin nutzt ein Drittel die Erkenntnisse aus früheren Bedrohungen zur Optimierung ihrer Abwehr. Und – wie eigentlich immer bei IT-Themen – suchen die Unternehmen händeringend nach qualifiziertem Personal.

Update vom 31. August 2021 – 15:30 Uhr:
Ein „großer Schuss“ für Deutschland

„In Deutschland bestimmt sehr oft der Langsamste das Tempo. Und wenn die Bremser die Geschwindigkeit bestimmen, dann kommen wir nicht voran.“ Das sagte Bitkom-Präsident gegenüber dem Handelsblatt und erwartet einen „großen Schuss“ an Innovationsbereitschaft in der nächsten Bundesregierung. In ihr solle vor allem ein Digitalministerium aufgebaut werden, das „die Federführung bei digitalen Kernprojekten und Koordinierungsrechte gegenüber anderen Ressorts haben“ muss, fordert er. In dem Ministerium sollten insbesondere der Breitbandausbau und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung angesiedelt sein. „Innovative Technologieprojekte und die Leitung des Digitalkabinetts sollten ebenfalls in der Hand des Digitalministeriums liegen.“

Update vom 30. August 2021 – 17:00 Uhr:
Analoges Triell

Die Blitzumfrage von Forsa unter 2500 Fernsehzuschauern nach dem „Triell“ der Kanzlerkandidaten am Sonntagabend ist ziemlich eindeutig. 36 Prozent fanden, dass Olaf Scholz „alles in allem gewonnen“ habe. 30 Prozent sahen Annalena Baerbock und 25 Prozent Armin Laschet vorn. Auf die Frage, „wem trauen Sie am ehesten zu, das Land zu führen?“, votierten sogar 47 Prozent für Scholz, 24 Prozent für Laschet und 20 Prozent für Baerbock. Doch es gibt auch einen klaren Verlierer in der Debatte der Kanzlerkandidaten: die Digitalisierung. Während der gesamten Befragung erwähnte keiner der Kandidaten auch nur einmal die Notwendigkeit, Deutschland weiter digital aufzurüsten. Weder das Thema Breitbandausbau, noch die notwendige Entbürokratisierung der öffentlichen Hand oder die digitale Transformation der Wirtschaft wurden auch nur erwähnt. Wenn überhaupt, konnte man den digitalen Wandel im Zusammenhang mit der Klimadebatte erahnen: der Klimawandel solle durch Innovation und nicht durch Verbote gestoppt werden. Alle drei Kandidaten stecken noch fest im analogen Weltbild. Der Rest ist Neuland.

Update vom 27. August 2021 – 19:30 Uhr:
Fachkräftemangel verschärft sich

Rund zwölf Millionen Facharbeiter und Akademiker arbeiten hierzulande in sogenannten MINT-Berufen – also mit Hintergrund in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Das sind schon jetzt zu wenig, doch der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden zehn Jahren deutlich verschärfen: Ab dem Jahr 2030, so schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in einem Gutachten, werden jährlich mehr als 330.000 MINT-Angestellte in Rente gehen. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass dieser Verlust nicht durch die jetzigen MINT-Absolventen in Studium und Lehrberufen ausgeglichen werden kann. Da gleichzeitig immer mehr Unternehmen für die Digitalisierung ihrer Produkte und Prozesse qualifiziertes Fachpersonal suchen, wird sich die Lage noch zusätzlich verschärfen.

Update vom 27. August 2021 – 17:15 Uhr:
Heimarbeitsplatz richtig gestalten

Mittelständische Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand müssen sich mehr und mehr darauf einstellen, dass Homeoffice-Arbeitsplätze zum neuen Normal gehören. Doch die Beschaffung der entsprechenden Ausrüstung ist mit dem Erwerb eines Laptops und einer sicheren Internetverbindung nicht getan. Deshalb hat der Hightech-Verband Bitkom den Leitfaden „Arbeiten im Homeoffice. Empfehlungen für die Arbeitsplatzgestaltung“ verfasst, der verschiedene Arbeitsplatzsituationen beschreibt herstellerneutrale Empfehlungen ausspricht. Neben Fragen zur technischen Infrastruktur geht es auch im IT-Sicherheit und Barrierefreiheit.

Update vom 26. August 2021 – 18:15 Uhr:
Macht Corona unfrei?

65 Prozent der Deutschen finden die soziale Marktwirtschaft, wie sie hierzulande praktiziert wird, okay. Nur 15 Prozent der in einer repräsentativen Allensbach-Umfrage Befragten finden dieses Wirtschaftssystem nicht gut. Besonders wichtig sind vier von fünf Deutschen faire Löhne und sieben von zehn Befragten sichere Arbeitsplätze. Damit hat die Corona-Krise die Einstellung zum aktuellen Wirtschaftsleben deutlich gebessert. Gleichzeitig aber – das ergab eine weitere Allensbach-Umfrage – fühlen sich nur noch 36 Prozent der Deutschen frei. Nur 45 Prozent bejahten die Frage: „Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann?“. Die Umfragen wurden von der Redaktion des Compact-Magazins für ein Wahlkampf-Special in Auftrag gegeben.

Update vom 25. August 2021 – 17:15 Uhr:
Was macht eigentlich… Gavriella Schuster?

Nach 25 Jahren bei Microsoft, in denen sie nicht nur vielversprechende Produktentwicklungen leitete, sondern zuletzt auch das äußerst erfolgreiche Microsoft-Ökosystem in der One Channel Partner Community zusammenfasste, hat Gavriella Schuster Microsoft verlassen, um – was schon im letzten Quartal geschah – die Verantwortung für das internationale Partner-Management an Rodney Clark, mit 23 Jahren Betriebszugehörigkeit ebenfalls ein Microsoft-Veteran, übergeben. Jetzt hat Schuster Microsoft offiziell verlassen, um sich ganz einem Thema zu widmen, dessen Bedeutung ihr nach eigenem Bekunden in den letzten Jahren mit aller Deutlichkeit klar geworden sei: Diversity und Gender Equality. Deshalb ist sie inzwischen den Beiräten einer ganzen Reihe von diesem Thema gewidmeten Non-Profit-Organisationen beigetreten Women in CloudWomen in Technology Network (WIT), International Association of Microsoft Channel Partners (IAMCP), SHE community und Women’s Business Collaborative. Darüber hinaus sitzt sie im Aufsichtsrat des Softwareanbieters Corent Technologies und sitzt dem Advisory Board von Artificial Solutions vor. Und nicht zuletzt ist sie Strategieberaterin im Aufsichtsrat von Berkshire Partners – nicht zu verwechseln mit Warren Buffets Investmentfirma Berkshire Hathaway. Dort wird sie sich um mehr Diversität in der Tech-Industrie bemühen.

Update vom 24. August 2021 – 19:15 Uhr:
Vorsicht vor falschen Microsoft-Mitarbeitern

Der Anruf kommt unaufgefordert – und das wäre eigentlich schon verdächtig genug. Die Polizei warnt nach mehreren Vorfällen in Hessen und Nordrhein-Westfalen, dass angebliche Microsoft-Mitarbeiter in den letzten Wochen versuchen, PC-Benutzer am Telefon dazu zu drängen, Schadsoftware auf ihren Computer gegen Gebühr aufzuspielen, mit deren Hilfe dann Kontoüberweisungen getätigt werden können. Alternativ werden gefälschte Warnhinweise im Browser angezeigt. Die Verbraucherzentrale hat ein paar Hinweise und Schutzmaßnahmen zusammengestellt, um den Tricksern die Übergriffe zumindest schwieriger zu machen. Microsoft betont, dass Mitarbeiter niemals unangemeldete Telefonate führen und ohnehin praktisch alle Fixes am PC über Emails erfolgen.

Update vom 13. August 2021 – 21:15 Uhr:
Angriff auf das Rückgrat der Wirtschaft

Bisher gingen Sicherheitsexperten davon aus, dass vor allem die kaufmännische Seite der Unternehmens-IT von Cybercrime bedroht sind – also Anwendungen, die die unmittelbare Handlungsfähigkeit eines Unternehmens sicherstellen. Doch mehr und mehr richten sich die Angriffe von Hackern auf die industrielle Infrastruktur – also Gas- und Öl-Pipelines, Stromnetze, Telekommunikationsleitungen und nicht zuletzt Produktionsanlagen. Doch wie der Ransomware-Angriff auf eine US-amerikanische Benzinleitung im Frühjahr zeigte, erweisen sich gerade solche Ziele es besonders lohnend für Cyberkriminelle, die mit der Stilllegung von Infrastrukturen besonders hohe Summen einfordern können. Ihnen wird es nicht selten auch durchaus leicht gemacht, weil die technischen Systeme dieser industriellen Infrastrukturen oft veraltet und softwaretechnisch nicht auf dem neuesten Release-Stand sind. Das hat in den USA jetzt dazu geführt, dass Präsident Biden die Cybersecurity and Infrastructure Agency (CISA) sowie das National Institute of Standards and Technology (NIST) angewiesen hat, neue Sicherheitsstandards für kritische Infrastrukturen zu entwickeln.

Update vom 12. August 2021 – 20:45 Uhr:
Ohne Drohne

DHL hat jetzt das mit viel Brimborium vorgestellte Projekt, einen Lieferdienst mit Drohnen für schwer zugängliche Regionen aufzubauen, eingestellt. Der Grund: zu komplex und damit zu teuer. Auch Amazon hat offensichtlich seine Aktivitäten rund um die Liefer-Drohne eingestellt oder zumindest eingeschränkt. Ist das das Ende der Lieferung aus der Luft? Google oder UPS weiterhin daran, Pakete per Drohne zuzustellen.

Update vom 11. August 2021 – 18:15 Uhr:
Jeder achte Erdenbürger nutzt Tiktok

Mehr als eine Milliarde Nutzer hat das vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebte soziale Netzwerk Tiktok des chinesischen Anbieters Bytedance. Tiktok war unter anderem Hauptsponsor der Fußball-Europameisterschaft – und das hat sich offensichtlich ausgezahlt. Tiktok überflügelt damit Facebook und dessen Angebote Messenger, Whatsapp und Instagram. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hatte versucht, den Chinesen den Zugang zum US-Markt zu versperren, wenn Bytedance Tiktok nicht an amerikanische Investoren verkauft. Der amtierende US-Präsident Joe Biden hat diesen Ukas zwar zurückgenommen, gleichzeitig aber eine weitergehende Untersuchung zum Einfluss von sozialen Netzwerken angestoßen. Facebook nutzt jetzt die aktuellen Tiktok-Zahlen, um seine eigene Marktposition herunterzuspielen.

Update vom 9. August 2021 – 18:15 Uhr:
Nicht im Büro – aber doch ganz nah dran

Im Juli verbrachte nur noch jeder vierte Mitarbeiter die Arbeitszeit zumindest zeitweise zu Hause. Das schätzt das Münchner Ifo-Institut und sieht die Ursache nicht allein im Wegfall der Homeoffice-Pflicht für Unternehmen zurück. Vielmehr suchten die Menschen suchen wieder häufiger den persönlichen Kontakt. Das gilt sowohl für das Büro des eigenen Arbeitgebers, als auch für die Räumlichkeiten von Geschäftspartnern. Denn auch die Zahl der Dienstreisen ist wieder deutlich angestiegen. Doch vor allem in der IT-Wirtschaft ist die Wahl des individuellen Standorts oft frei, wenn die Aufgabenstellung nicht eine persönliche Anwesenheit verlangt. Das zeigt eine Studie des Mannheimer Forschungszentrums ZEW.

Update vom 6. August 2021 – 22:15 Uhr:
Frustriert im Job? Willkommen im Club!

47 Prozent der Büroangestellten sind nach einer repräsentativen Umfrage im Job frustriert – Hauptgrund: mangelnde Wertschätzung. Dies manifestiert sich in dem Gefühl fehlender Unterstützung durch das eigene Management, aber auch der Kunden und Klienten. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens Censuswide in Kooperation mit dem Online-Job-Vermittlungsportal fiverr. Besonders überraschen: IT-Fachleute, die immerhin angesichts des grassierenden Fachkräftemangels den Arbeitgeber und die Jobbeschreibung aussuchen können, sind im gleichen Trend – sie sind ähnlich frustriert, fühlen sich ähnlich missachtet und sind gleichermaßen ausgenutzt. Besonders spannend: fast die Hälfte erwartet flexible Arbeitszeitmodelle, um auch künftig nach Wahl im Home Office arbeiten zu können. Wenn nicht: Jobwechsel.

Update vom 5. August 2021 – 20:15 Uhr:
Das „Tal der Ahnungslosen“ ist überall

Zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik galt der sarkastische Begriff „Tal der Ahnungslosen“ vor allem den Bezirken Greifswald und Dresden, in denen Westfernsehen nicht oder nur schwer zu empfangen war. Heute ist dieses Tal nahezu überall im vereinigten Deutschland verteilt – nämlich überall dort, wo Menschen nach wie vor zwangsweise offline sind. Das sind immer noch mehr als acht Millionen Menschen oder rund elf Prozent der Bevölkerung. Die leben insbesondere in ländlichen Gebieten Deutschland. Das ermittelte der Hightech-Verband Bitkom. Am 6. August 1991 veröffentlichte der Wissenschaftler Tim Berners-Lee seinen Vorschlag für ein World Wide Web – also genau vor 30 Jahren.

Update vom 4. August 2021 – 17:45 Uhr:
CDU und CCC – zwei Welten kollidieren

Große IT-Unternehmen zahlen Millionen an Belohnung für Hacker, die ihnen Sicherheitslücken nennen. Die CDU, der das Mitglied des Chaos Computer Clubs, Lilith Wittmann, einen Hinweis auf ein offenes Scheunentor in der App „CDUconnect“ für christlich-demokratische Hausbesuche im Wahlkampf meldete, reagiert dagegen mit einem Strafantrag. Dabei hatte sich die Hackerin unter dem Responsible Disclosure Verfahren bei der CDU gemeldet, weil – wie schon der Spiegel im Mai berichtete – die Daten von 17.000 registrierten Wahlkämpfern sowie die Adressdaten von rund 1300 Fragestellern einsehbar waren. Der Chaos Computer Club nannte die Laschet-Partei jetzt „undankbar“ und sprach ihr ein Verständnis der digitalen Gesellschaft ab. Die CDU hat den Strafantrag inzwischen zurückgezogen und sich entschuldigt.

Update vom 3. August 2021 – 13:45 Uhr:
US Army will mit KI Siegen lernen

Mit Hilfe von Machine Learning wollen die US-amerikanischen Streitkräfte aus aktuellen Informationen belastbare Prognosen für die Zukunft generieren – das soll zumindest für ein paar Tage im Voraus auch schon klappen. Grund für die neuerliche KI-Initiative sind die Erfahrungen mit dem neuen Strategie-Simulation „Gide 3“ (Global Information Dominance Experiments), das  einen neuen Strategieansatz favorisiert. Bei bisherigen Simulationen habe das US-Militär stets „signifikante Verluste“ erlitten. Mit der Prognosefähigkeit durch KI will man mehr Spielraum für eigene Entscheidungen gewinnen, erklärte General Glen VanHerck, Kommandant der US-Militärabteilungen Nothcom und Norad gegenüber Pressevertretern.

Update vom 2. August 2021 – 21:30 Uhr:
Amazon: Dreiviertel Milliarde Euro Strafe

Amazons Europa-Tochter hat ihren Sitz in Luxemburg. Das war lange Zeit durchaus gemütlich. Doch jetzt hat die Luxemburgische Datenschutzbehörde eine Strafe von 746 Millionen Euro ausgesprochen, weil der weltgrößte Onlinehändler gegen die Europäische Datenschutzgrundverordnung DSGVO verstoßen habe. So steht es im jetzt von Amazon veröffentlichten Geschäftsbericht. Amazon kündigte unterdessen eine Berufung an. „Es wurden keine Kundendaten an Dritte preisgegeben“, sagte ein Sprecher.