CESar´s Auto-Palace

Als ich im letzten August im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt eine hymnische Kolumne auf die Zukunftsperspektiven im Volkswagenwerk anstimmte, folgte darauf der Diesel-Abgastest-Manipulationsskandal. Jetzt, zum nächsten großen Autosalon, der Consumer Electronics Show (CES) im nevadischen Las Vegas, will ich es noch einmal versuchen. Immerhin stellte VW mit dem Budd-e eine Studie seines ersten elektrisch angetriebenen Family-Vans vor. Neben der Zukunftslegung war da auch eine Menge Vergangenheitsbewältigung dabei – frei nach Bob Marley: „No Diesel, no Trial“.

Die eigentliche Show in der Elektro-Auto-Show gehörte aber weder den deutschen VW, Daimler oder BMW, noch den Amerikanern Google oder Tesla. Mit einem enormen Werbeaufwand machte schon im Vorfeld der chinesische Internet-Milliardär Jia Yueting auf sich aufmerksam, der letzte Woche nicht mehr und nicht weniger versprach, als die gesamten durch das Automobil und die Mobilität herbeigeführten Probleme zu lösen: Parkplätze zu Partyzonen, weil die Fahrzeuge nach ihrer Fahrt schon wieder unterwegs zur nächsten Fahrt sind; Taxifahren ohne Taxi, sozusagen. Was dann tatsächlich unter der weißen Plane auftauchte, war mit „FFZERO1“ ein „realitätsferner Supersportwagen“, wie es die Deutsche Presse Agentur formulierte, und das Versprechen, in ein paar Jahren mit mehreren Modellen auf der Basis eines „One-Fits-All“-Chassis auf den Markt zu kommen – produziert von einer Eine-Milliarde-Dollar-Fabrik in den USA. Aber das wird eines fernen Tages sein, wie schon der Firmenname doppelt verspricht: Far-a-Day Future.

Wer´s noch futuristischer möchte, konnte auf der CES die erste Personen-Drohne besichtigen, die aber ebenso wenig wie der FFZERO1 oder der Budd-e in Bewegung gezeigt wurde. Videoanimationen gaben aber immerhin ein Gespür dafür, wie der künftig per Tablet ferngesteuerte Perso-Kopter EHang 184 sich über die Staus erheben soll. Aber auch in dieser chinesischen Präsentation steckt noch eine ganze Menge Morgen: Nicht nur ist unklar, wie das ferngesteuerte Dings Hindernisse erkennt, noch wie die Kommunikation mit den Luftverkehrskontrollsystemen funktionieren soll.

Ansonsten aber werden die Drohnen langsam erwachsen, können nicht nur Kameras, sondern auch Pakete transportieren und insgesamt länger in der Luft bleiben und mit Autopilot fliegen. Da sie in gesperrte Lufträume eindringen könnten, hat Airbus ein System entwickelt und auf der CES vorgestellt, das Drohnen (allerdings größeren Kalibers) aus bis zu zehn Kilometern Entfernung aufspürt und verscheucht, indem die Funkverbindung zur Steuerung gestört wird.

Gab´s auch was Neues bei Computern, Tablets, Smartphones oder in der Heimelektronik? Ja, wenn auch meist Detailverbesserung der Techniken, die schon letztes Jahr vorgestellt wurden. Hier ein kurzer Überblick.

Virtual Reality: Nach den unbezahlbaren Systemen und klobigen Second-Life-Darstellungen der Vergangenheit kommt mit der Oculus Rift Ende März nun die erste nutzbare VR-Brille auf den Markt – jedenfalls für Gameprofis. Allerdings ist dazu noch ein speziell ausgerüsteter Hochleistungs-PC nötig.

Objekterkennung: Nach zahllosen Fehlalarmen sollen Überwachungskameras nun Tiere von Menschen und beide von Fahrzeugen unterscheiden können und je nachdem unterschiedliche Aktionen auslösen. Der Anbieter der Netatmo Welcome verspricht sogar, dass sein Kameraauge einzelne Gesichter unterscheiden kann.

Flache Fernseher: Bereits im März soll die nächste Flachfernseher-Generation von LG verfügbar sein, bei denen die OLEDs direkt auf einer 2,5 Millimeter dünnen Glasplatte sitzen – die Technik ist in den Fuß gewandert.

XXL-Smartphones: Wem das iPhone 6plus mit 5,5 Zoll nicht genug ist, kann sich ab Februar das Mate 8 von Huawai mit sechs Zoll leisten.

Wareables: Fitness-Tracker sind das ganz große Ding unter den am Körper tragbaren Gadgets – und zugleich die stärkste Konkurrenz für die SmartWatches. Das kleinste Wareable soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen, nur sechs Gramm wiegen und wie ein Pflaster auf den Puls geklebt werden.

Alles nicht neu, aber besser. Aber auch die CES selbst hat sich weiterentwickelt. „A better Life, a better World“ versprachen immerhin 3800 Aussteller, darunter mehrere hundert Startups. Das Wachstum ergibt sich vor allem aus der großen Zahl der eigentlich branchenfremden Anbieter, die sich vor 170.000 Besuchern auf 200.000 Quadratmetern mit konkreten Anwendungen beim Fahren, Fliegen, Einkaufen, Fitness-Training oder im mobilen Alltag präsentierten. Das „C“ in CES steht ja auch folgerichtig nicht für „Computer“, sondern für „Consumer“ – eine Richtungsdiskussion, der auch die Deutsche Messe einst mit ihrer „CeBIT Home“ zu begegnen versucht hatte. Aber in Hannover steht ja das „C“ für „Centrum“. Und das soll es auch bleiben.

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