Die Plattform-Company

Als IBM in den achtziger Jahren ankündigte, sich aus dem Geschäft mit Schreibmaschinen zurückzuziehen, war bei vielen Analysten die Sorge groß, dass sich Big Blue aus dem Gedächtnis der Kunden verabschieden würde. Doch die Plattform für das große Geschäft waren nicht die Schreibtische, sondern die Mainframes, die im Hochsicherheitstrakt der Firmen die ganze Last der Unternehmenslösungen trugen. Doch tatsächlich: heute kämpft sich IBM mit Mühe wieder in das Gedächtnis ihrer Kunden zurück.

Auf den Schreibtischen hatte sich längst Microsoft ausgebreitet: mit Windows und Office. Doch die Plattform für das ganz große Geschäft sind heute die Cloud-Angebote rund um Office365, Dynamics und vor allem Azure, die Cloud Infrastruktur, die weltweit ein Viertel des Gesamtmarktes für sich beanspruchen kann und dabei schneller wächst als der Marktführer Amazon mit seinen Web Services. Anders als IBM kündigt Microsoft seine Desktop-Angebote nicht ab, sondern hebt Windows, Office und Dynamics in die Cloud. Microsoft verschwindet zwar in den Wolken, bleibt aber weiterhin für jedermann sichtbar.

Sichtbarkeit macht den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg. Das muss Microsofts CEO Satya Nadella bedenken, wenn er das Unternehmen weiter und weiter als Plattform-Company positioniert, deren Services praktisch unbemerkt aus der Cloud bereitgestellt werden. Wie ihm das gelingt, werden wir auf dem Welttreffen des Microsoft-Ökosystems ab dem kommenden Sonntag erleben. Die Microsoft Inspire in Las Vegas ist für Partner und Kunden das Ereignis schlechthin, um zum Beginn des neuen Geschäftsjahres die Marschrichtung der Redmonder zu identifizieren.

Dabei ist die Richtung längst klar: Mit Milliardeninvestitionen baut Microsoft seine Cloud-Infrastruktur rund um den Globus aus. Auf dieser Plattform bietet Azure inzwischen Services für jede Lebenslage an – von Sprachassistenten im Smartphone und Productivity-Tools in jedem mobilen Device über HoloLens und Xbox bis zu ERP-Anwendungen und Firmennetzen für das Internet der Dinge. Die Cloud ist dabei nicht nur der Träger, über den die Lösungen zum Anwender gebracht werden. Sie ist inzwischen selbst das Ökosystem, auf dem Microsoft und seine Partner erfolgreich Geschäfte machen.

Doch das ist noch längst nicht alles: Die Inspire wird auch zeigen, dass künstliche Intelligenz zum wichtigsten Garant für zukünftiges Wachstum geworden ist. Denn wo Menschen weltweit Arbeit und Ideen teilen, wo Maschinen Billionen von Daten produzieren, Lieferketten immer engmaschiger werden und Geschäftsprozesse immer schneller werden, da wächst der Bedarf an Analyse, Automation und Agilität. Das ist nur mit KI-Lösungen zu erreichen, die für jedermann aus der Cloud bereitgestellt werden. Die „Demokratisierung von künstlicher Intelligenz“ nennt das Satya Nadella.

Deshalb wird sich auf der Inspire zeigen, dass Azure die Plattform für künftige KI-Angebote ist. Deshalb will und muss Microsoft hier weiterhin schneller wachsen als der Markt und die Konkurrenz. Das sind wahrhaft inspirierende Aussichten!

 

The Platform Company

Back in the eighties, when IBM announced to step out of the type writer business, many analysts feared that Big Blue would vanish from its customer´s mind set. But the desktop wasn´t IBM´s platform for big business. Mainframes at the customer´s strictly prohibited security section shouldering the heavy weight business applications were the real sweet spot. But indeed: today IBM is painfully clawing back into customer´s memories

Microsoft has spread all over the desktops instead: with Windows and Office. But today cloud offerings around Office 365, Dynamics and especially Azure are the platforms for the real big business. Microsoft´s cloud infrastructure claims already one quarter of the worldwide market and is growing faster than even market leader Amazon with its Web Services. But other than IBM Microsoft doesn´t refrain from the desktop, but moves everything – Windows Office, Dynamics – into the cloud. Though Microsoft is heading to the cloud, it will still be visible for everyone.

Visibility makes the difference between success and flop. Microsoft´s CEO Satya Nadella has to keep this in mind, while transforming the company further and further into a platform provider, which is selling all services through the cloud. We will watch him doing so at the worldwide signature event for the whole Microsoft ecosystem beginning this Sunday. Microsoft´s Inspire at the Las Vegas venue is a „must“ for partners and customers alike. They want to identify the new route of march for Microsoft at the very beginning of the new fiscal year.

Although the direction is already obvious: Microsoft is pouring billions of dollars into its cloud infrastructure to strengthen its foothold in the market. This is the platform where Azure can offer services for nearly every circumstance of life – starting with voice recognition in your smartphone and productivity tools for almost every device to HoloLens und Xbox up to ERP solutions and company networks for the industrial internet of things. The cloud is not only the platform, where customers get access to their solutions. The cloud has become the ecosystem itself, where Microsoft and partners do business.

But there is even more: The Inspire will show, that artificial intelligence has become the main cause for future growth. When people share their work and ideas, machines produce trillions of data, supply chains become closely meshed and business processes get faster and faster, there will be the need for analysis, automation and agility. This can only achieved by AI-solutions, which are deployed for everyone through the cloud. That is, what Satya Nadella calls „democratising artificial intelligence“.

Thus the Inspire event will prove, that Azure is the right platform for future AI-solutions. Thus Microsoft has to grow faster than the market and the competition. This is a truly inspiring prospect.

 

Ferrari ohne Fahrer

Es ist kaum zu glauben. Nicht einmal ein Drittel der mittelständischen Unternehmen in Deutschland managt nach den Zahlen von Eurostat seine Lieferkette mit Hilfe von Unternehmenslösungen für das Enterprise Resource Planning, Customer Relationship Management oder Supply Chain Management. Sie sind damit besser ausgestattet als der Durchschnitt der EU-Firmen, wo lediglich 17 Prozent der Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern Unternehmenslösungen einsetzen.

Dabei gilt dieser Markt unter Softwareanbietern eigentlich als gesättigt – also als Markt, in dem Marktanteile nur noch durch Verdrängung und Ablösung bestehender Lösungen gewonnen werden können. Dies dürfte allerdings immer noch für das Marktsegment aus Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern gelten, wo allein die stark arbeitsteilige Organisation dazu zwingt, Unternehmenslösungen einzusetzen.

Dabei ist die Zahl der mittelständischen Unternehmen, die nicht einmal über eigene ITK-Fachleute verfügen, geradezu erschreckend gering, besagt die gleiche Zahlenquelle: nur 17 Prozent der deutschen Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern haben demnach eigene ITK-Kompetenz im Haus. Das entspricht dem EU-Durchschnitt, liegt aber deutlich unter der Zahl der Firmen, die Unternehmenslösungen einsetzen. Das bedeutet, dass praktisch jeder dritte Mittelständler seine IT-Ausstattung von Dienstleistern betreuen lässt – zum Beispiel von der Datev.

Man könnte also vermuten, dass die Steuerberater-Genossenschaft mit ihren Softwarelösungen in Deutschland spürbar zur besseren IT-Infrastruktur beiträgt. Gleichzeitig kann man unterstellen, dass die Rechenzentrums- und Cloud-Services der Nürnberger auch eine Ursache dafür sein könnten, dass der Bedarf an eigenen IT-Fachleuten so gering ist. Die kleinen und kleinsten Mittelständler haben folglich schon immer outgesourct – und müssen für das Modell des Cloud Computings gar nicht erst gewonnen werden. Sie haben es nur jahrzehntelang anders genannt.

Doch auch die größeren Unternehmen gehen jetzt mit Verve in die Wolke. Zwei Drittel der von Bitkom Research und KPMG befragten Unternehmen mit Mitarbeiterzahlen zwischen 100 und 2000 haben erklärt, inzwischen ganz oder teilweise Cloud-Lösungen einzusetzen. Dabei sind Hybrid-Lösungen aus On-Premises und Public Cloud inzwischen durchaus gang und gäbe. Bei den Großunternehmen ist die Verbreitung sogar noch größer: acht von zehn Konzerne setzen auf die Cloud.

Interessanterweise sind es inzwischen vor allem Sicherheitsüberlegungen, die die Firmen in die Cloud treiben. Vor einem Jahrzehnt waren es noch dieselben Aspekte, mit denen die Unternehmen in Deutschland ihre Zurückhaltung gegenüber der Cloud begründeten. Jetzt gilt gerade die Zuversicht, mit Cloud-Anwendungen die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung einhalten zu können, als Einstiegsmotiv.

Cloud Computing hat sich tatsächlich über alle Unternehmensgrößen hinweg von der cleveren Alternative zur einzig zuverlässigen Infrastruktur entwickelt. Alexander Wallner, Vice President beim Cloud-Anbieter NetApp, hat es jüngst auf einen treffenden Nenner gebracht: „Ohne Cloud ist wie ein Ferrari ohne Räder!“

Allerdings: Ohne ITK-Experten ist eine IT-Strategie auch wie ein Ferrari ohne Fahrer. Deshalb könnte die mangelhafte Ausstattung des unteren Mittelstands ein Grund dafür sein, warum Digitalstrategien hier noch nicht so richtig angekommen sind. Doch Hilfe naht. Denn je stärker sich die großen Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google, gefolgt von Telekom, IBM und eben auch Datev als Konfektionsausstatter in der Cloud erweisen, die von Enterprise Resource Planning über Big Data Analytics bis zu KI-Anwendungen alles aus einer Hand anbieten, könnte auch der Mittelstand ohne ITK-Expertise in einen – wenn auch gemieteten – Ferrari steigen.

Nur einen Fahrer bräuchte er dann schon.

Das Stück vom größeren Kuchen

Die Identität von Firmennamen und Produktnamen ist ein bewährtes Mittel, um ein Angebot im Mindset der Kunden zu verankern. Man fährt einen Daimler und entscheidet sich erst in zweiter Linie für die Klasse. Microsoft hat diesen Versuch nie unternommen. Der Firmenname tritt hinter dem Flaggschiff-Produkt zurück. Microsoft ist in seinen Anfängen die „Gates-Company“ und seit den späten achtziger Jahren die „Windows-Company“. Diese Beinamen haben die Redmonder nie mehr verloren. Niemand käme auf die Idee, das Unternehmen die „Nadella-Company“ zu nennen oder die „Azure-Company“, obwohl genau diese beiden Bezeichnungen heute zutreffender wären als alles andere.

Dabei hat der CEO Satya Nadella in den wenigen Jahren, in denen er bislang das Ruder in Händen hält, der Company eine so vollständige Metamorphose verordnet, dass eigentlich nur noch das Firmenlogo an alte Windows-Zeiten erinnert. Das Unternehmen ist agiler als je zuvor, technologisch auf höchstem Niveau – und in allen wichtigen Wachstumsfeldern der Informationstechnologie gehört Microsoft mit zu den Marktführern. Der Aktienkurs ist längst zu den Höchstwerten aus jener Zeit zurückgekehrt, als Microsoft im PC-Markt ein Quasi-Monopolist war. Die Company ruht auf den Fundamenten von Bill Gates und Steve Ballmer, aber die Architektur des Hauses zeigt die Handschrift des dritten CEOs in der Unternehmensgeschichte.

Denn inzwischen zentriert Microsoft seine Kräfte, an denen allein 64.000 Partner für das Cloud-Angebot rund um die Azure Plattform Anteil haben, auf die entscheidende Infrastruktur der Zukunft: Intelligent Cloud und Intelligent Edge. Unter dieser Strategie, die CEO Satya Nadella im Sommer 2017 verkündet hat, werden nicht nur die Cloud-Aktivitäten für Azure, Office und Dynamics zusammengefasst, sondern – wichtiger noch – auch die Aktivitäten rund um Lösungen der künstlichen Intelligenz. Die jüngsten Reorganisationen zeigen, dass Microsoft mit allen verfügbaren Mitteln auf diesen Multi-Billionen-Markt zielt.

Damit verfolgt Satya Nadella einen weiteren wichtigen Marketing-Grundsatz: Achte nicht nur darauf, dass dein Stück vom Kuchen möglichst groß ist, sondern sorge auch dafür, dass der Kuchen selbst immer größer wird. In der Tat ergattert Microsoft nicht nur einen ordentlichen Anteil am Cloud-Geschäft, am mobile Business, am Gaming-Markt, an Unternehmenslösungen und Industrie 4.0, bei Produktivitätstools und in den sozialen Medien. Es sind auch zugleich die Märkte mit den höchsten Wachstumsraten. Und die Prognosen für das Geschäft mit künstlicher Intelligenz stoßen durch die Decke: Gartner schätzt, dass allein im laufenden Jahr 1,2 Billionen Dollar in künstliche Intelligenz investiert werden. Und auch in den Ländern wächst Microsoft mit dem Markt und im Markt. Denn durch die Cloud entsteht nicht nur mehr Reichweite , die auch die entlegensten Regionen dieser Erde berührt, sondern auch in gesättigten Märkten generiert Microsoft zusätzlichen Umsatz durch seine breite Produktpalette. Deutschland beispielsweise ist einer der am schnellsten wachsenden Cloud-Standorte. Und die Debatte um den digitalen Wirtschaftsstandort Deutschland wird den Kuchen weiter vergrößern.

Mag sein, dass das auch daran liegt, dass der Nutzen der Cloud-Lösungen, der Digitalisierung und von künstlicher Intelligenz für Partner und Kollegen nirgendwo so transparent rübergebracht wird, wie in meinem gegenwärtigen Lieblingsblog im Internet. „Olivers Reisen“ (Link) zeigt Woche für Woche, wo im Cloud-basierten Business die Musik spielt. Oliver Gürtler verantwortet die Positionierung und den Vertrieb aller Dienste der Cloud- und Data-Plattform Microsoft Azure sowie der Server- und Entwicklertools, wie SQL Server, Windows Server und Visual Studio, im deutschen Markt. Mit dem Blog schafft er es, diesen schwierigen Auftrag bei den Lesern  in Akzeptanz und Sympathie umzusetzen. Ich jedenfalls fühle mich durch diesen Blog „inspired“ und „refreshed“ und freue mich auf die Inspire im Juli in Las Vegas. Mal sehen, wie groß der Kuchen dann geworden ist.