Nachhaltig und digital? Ja, vielleicht!

Dass man von Zeit zu Zeit nicht tut, was geraten wäre, hat der bayrische Wortakrobat Karl Valentin in seinem Stück „Oktoberfest“ prägnant zusammengefasst: „Mögen hätte ich schon wollen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut!“ Denn angesichts der unsicheren Zeiten, in denen wir uns durch Putins Gaskrieg befinden, zögern mittelständische Unternehmer ausweislich der aktuellen Commerzbank-Studie das zu tun, was sie selbst für notwendig und zielführend ansehen: nämlich Investitionen in Nachhaltigkeit und Digitalisierung voranzutreiben.

Denn die überwiegende Mehrheit der mittelständische Unternehmer sieht zwar Projekte für mehr Nachhaltigkeit und den Ausbau der Digitalisierung als entscheidende Zukunftsinvestitionen, aber nur 40 Prozent der von der Commerzbank Befragten verfolgen derzeit eine entsprechende Strategie. Und das war auch schon vor einem Jahr so. Aber mögen hätte man schon gewollt…

Immerhin 91 Prozent der mittelständischen Entscheider in Unternehmen mit mehr als 15 Millionen Euro Umsatz sehen den schonenden Umgang mit Ressourcen als wichtigsten Beweggrund für Investitionen ins nachhaltige Wirtschaften. Dabei schwingt nicht allein der Respekt vor diesem Planeten mit, sondern ebenso die Erkenntnis, dass Ressourcen nicht unendlich zur Verfügung stehen und vor allem nicht zum Nulltarif. Als wäre der Report an den Club of Rome über „die Grenzen des Wachstums“, der vor einem halben Jahrhundert veröffentlicht wurde, erst jetzt in den Köpfen der Entscheider angekommen.

Immerhin vier von fünf Entscheidern sehen nach der Commerzbank-Studie „Unternehmensperspektiven“ im nachhaltigen Wirtschaften auch eine Investition in das eigene Firmenimage und zugleich eine Herausforderung aus sozialer Verantwortung. Und drei Viertel der Entscheider sehen auch die Attraktivität als Arbeitgeber gestärkt, was gerade bei einer immer wählerischer werdenden jungen Generation von Bedeutung ist. Offensichtlich haben die Entscheider bei der Umfrage, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, die „weichen Faktoren“ der Sustainability ebenso hoch eingestuft wie die harten Fakten der Kostenersparnis.

Nun kann es nicht verwundern, dass den Absichten nur bedingt Taten folgen, angesichts von Energiekosten, die sich binnen weniger Wochen verzehntfacht haben. Es fällt schwer, sich mit Zukunftsinvestitionen zu beschäftigen, wenn nicht einmal klar ist, wie die Gegenwart finanziert werden soll. Deshalb sucht der Mittelstand derzeit verstärkt die Rückendeckung durch die Banken und Kreditinstitute, um nicht nur Finanzierungen neu aufzustellen, sondern auch inhaltlich über die Zukunftsinvestitionen zu diskutieren. Aber gerade bei den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung tun sich die Geschäftskundenberater der Geldinstitute selbst schwer.

Dabei verspricht gerade die Digitalisierung deutliche Effizienzgewinne und zusätzliche Wachstumspotenziale, die gerade in Krisenzeiten auch einen Hoffnungsschimmer darstellen könnten. Vor allem das Internet der Dinge ist für die mittelständischen Entscheider ein Weg, die eigenen Kapazitäten effektiver zu nutzen und dabei Ressourcen zu schonen. Additive Fertigung – also die Produktion mit 3D-Druckern – und autonome Systeme, die KI-gestützt eigene Entscheidungen treffen und über ihren Zustand rechtzeitig und zielorientiert Auskunft geben, sind die angesagten Zukunftsthemen aus Sicht der industriellen Mittelständler. Die Dienstleistungsunternehmen sehen dagegen in Online-Plattformen zur Verbesserung der Kundenkommunikation und in Augmented Reality zur Schaffung neuer Einkaufserlebnisse den wichtigsten Zukunftspfad. Aber auch hier gilt: eine Digitalstrategie verfolgt derzeit weniger als die Hälfte der Unternehmen.

Wir leben in schwierigen Zeiten, in denen einerseits die Handlungsoptionen so deutlich vor uns liegen, während andererseits die Handlungsmöglichkeiten so stark durch äußere (Kriegs)Umstände begrenzt sind wie vielleicht nicht mehr seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Beherztheit ist jetzt gefragt – und wohl nicht zu hoch gegriffen wäre jetzt die Erinnerung an das Wirtschaftswunder in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Oder in einer Paraphase auf Karl Valentins berühmten Satz: „Wollen haben wir nicht gekonnt, aber machen haben wir uns getraut.“

Eine Bazooka für den Mittelstand

Als der Europapark Rust im vergangenen Lockdown zwangsweise für ein halbes Jahr schließen musste, war er weder insolvent oder vulgo: pleite, sondern hat ganz einfach, wenn auch nicht freiwillig, die Produktion von Freizeitvergnügen eingestellt. Es war auch keine Geschäftsaufgabe, denn längst hat er seine Pforten wieder geöffnet und liefert Zehntausenden täglich ein unvergessliches Erlebnis. Dass er aber die Zeiten des Lockdowns überstehen konnte, lag an der Möglichkeit rund 3500 Menschen in Kurzarbeit zu schicken. Die Bazooka, wie der damalige Bundesfinanzminister Olaf Scholz es nannte, hatte diese Option für Unternehmen, die aus nicht selbst verschuldeten Gründen ihren Betrieb nicht aufrechterhalten konnten oder durften, bereitgestellt: das Kurzarbeitergeld.

Deshalb, liebe Frau Maischberger, ist die Unterscheidung, die Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck als Gast bei Maischberger traf, alles andere als wirtschaftsphilosophischer Mumpitz oder Rechthaberei. Es ist wohl eher ein Hinweis darauf, an welche Maßnahmen die jetzige Bundesregierung zu denken scheint, wenn es angesichts von explodierenden Energiekosten um Hilfemaßnahmen für den industriellen und dienstleistenden Mittelstand geht. Denn ein Kurzarbeiterprogramm für den Fall, dass Strom und Gas ausfallen oder umverteilt werden müssen, wäre in der Tat ein Mittel der Wahl. Wer seine Produktion für einen bestimmten Zeitraum einstellen muss, weil sich der Betrieb gegenwärtig nicht rentiert, sollte seine Mitarbeitenden in Kurzarbeit schicken können. Kann man schon jetzt – ist aber ohne Kurzarbeitergeld teuer. Zur Finanzierung bräuchte es erneut eine Bazooka  für den Mittelstand.

Ob sie kommt, ist ungewiss, aber der von Habeck im Bundestag versprochene Schutzschirm für den Mittelstand ist praktisch unausweichlich. Nach einer Blitzumfrage des Bundesverbands der Deutschen Industrie wird es eng für mittelständische Unternehmen. Das „Lagebild im industriellen Mittelstand“ ist laut BDI in der Tat düster:

Mehr als 90 Prozent der Unternehmen sehen in den gestiegenen Preisen für Energie und Rohstoffe eine starke (58 Prozent) oder existenzielle (34 Prozent) Herausforderung. Noch im Februar 2022 bewerteten „nur“ 23 Prozent die Herausforderung als existenziell.

Lieferschwierigkeiten und -verzögerungen sind für rund drei Viertel der Unternehmen eine starke (71 Prozent) oder existenzielle (sechs Prozent) Herausforderung.

Die Preisentwicklung zwingt rund 40 Prozent der Unternehmen, Investitionen in die ökologische und digitale Transformation zurückzustellen.

Mehr als ein Drittel der Unternehmen (37 Prozent) kann derzeit keinen Brennstoffträgerwechsel vornehmen, sie bleiben (vorerst) auf Erdgas angewiesen. Jedes zehnte Unternehmen sieht sich aktuell gezwungen, die Energieversorgung von Gas auf Öl umzustellen.

Fast jedes zehnte Unternehmen hat die Produktion in Deutschland derzeit gedrosselt oder unterbrochen. Weiterhin denkt fast jedes vierte Unternehmen darüber nach oder ist bereits dabei, Unternehmensteile und Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.

Es wird noch enger, als es schon zu Corona-Zeiten war. Und hier dürfen wir noch nicht einmal sicher sein, ob die nächste Corona-Welle nicht schon angerollt kommt und uns neben einem kalten auch einen einsamen Winter bescheren wird. Aber es dürfte auch ein Winter werden, in dem die Wirtschaft in den Abwärtssog einer Rezession gerät: Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle prognostizierte, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um 1,4 Prozent schrumpfen wird. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet in seiner aktualisierten Konjunkturprognose einen Rückgang um 0,7 Prozent.

Es geht also nicht allein darum, den kommenden Winter zu überstehen. Wir werden in ein Jahr 2023 hineinlaufen, das von Inflation und Rezession gleichermaßen geprägt sein wird. Das bedeutet einen Realverlust an Wohlstand für jedermann. Es wird Zeit für die Bazooka für den Mittelstand. Denn nichts tun wäre noch teurer.

Der Geist von Meseberg weht analog

Es gab den Geist von Spiez und den Geist von Malente, den Geist von Flug 401, den Geist des Weines, den Geist von Canterbury – und jetzt gibt es den Geist von Meseberg. Der weht – wie alle seine Vorgänger – eher analog. Und bei der jetzt vorgestellten Digitalstrategie, die der Autobahn-Minister Volker Wissing letzte Woche präsentierte, scheint die Ampel-Koalition sogar von allen guten Geistern verlassen zu sein. So wenig Digitales in einer Digitalstrategie war nie.

Dabei ist die Liste der Anekdoten, in denen der Amtsschimmel analog wiehert ellenlang: Zum Beispiel beim Online-Rezept, das in vielen Arztpraxen erst einmal ausgedruckt und abgeheftet werden muss, bevor es verarbeitet werden kann. Zum Beispiel beim Bau von Windkraftwerken, wo 15 Aktenordner mit zusammengenommen mehreren Zehntausend Seiten die  Voraussetzung für ihre Bewilligung darstellen. Zum Beispiel bei der Datenerhebung zur neuen Grundsteuer, bei der eigentlich im Bund alle Daten vorliegen, nur eben nicht digital, weshalb jetzt die Grundbesitzer alles zusammensuchen und erfassen sollen. Und wer stürzt dabei ab – natürlich der Elster-Server.

Wir sind auf dem Weg ins Digital noch lange nicht über den Berg. Aber wir sind angesichts der Krisen-Anhäufung in diesen Tagen bei praktisch nichts wirklich überm Berg. Weder bei Corona, noch beim Gas, bei der Inflation oder bei der wachsenden Kriegsangst. Um der Fairness halber sei gesagt: Niemand beneidet die Ampel-Koalitionäre derzeit um ihre Ministerposten. Viele der Herausforderungen kamen völlig unerwartet und ebenso viele Herausforderungen wurden von der Vorgänger-Regierung geerbt. Wir haben uns vieles – wie die Abhängigkeit der Wirtschaft vom billigen russischen Gas zeigt – selbst eingebrockt.

Deshalb müssen die nächsten Schritte nicht nur in die richtige Richtung gehen, sondern zugleich wuchtig sein, wie es Bundesfinanzminister Christian Lindner – beflügelt vom Geist von Meseberg – nach der Klausurtagung der Bundesregierung formulierte. Und schon am Wochenende –  in der Nacht von Samstag auf Sonntag – einigte man sich auf die Eckpfeiler des 65 Milliarden Euro schweren dritten Entlastungspakets. Was ist für uns drin?

 

  • Für einen Basisverbrauchan Strom soll ein vergünstigter Preis gelten. Darüber wäre der Preis nicht begrenzt. Zudem soll die anstehende Erhöhung des CO2-Preises bei Energie auf 2024 verschoben werden.
  • Das Kindergeldsoll zum Jahresbeginn um 18 Euro monatlich für das erste und zweite Kind steigen.
  • Studierende und Auszubildende sollen zum 1. Dezember eine einmalige Energiepreispauschale von 200 Euro erhalten. Pensionierte bekommen einmalig 300 Euro – einkommenssteuerpflichtig.
  • Ab 2023 soll die Besteuerung von Rentenbeiträgen wegfallen.
  • Das geplante Bürgergeld soll für Bedürftige von 449 auf 500 Euro angehoben werden.
  • Sozialleistungen sollen der tatsächlichen Inflationsrate angepasst werden.
  • Das Wohngeld wird auf einen weiteren Kreis ausgedehnt. Zusätzlich sollen Bezieher von Wohngeld einmalig einen Heizkostenzuschuss erhalten.
  • Und für die Wirtschaft gilt: Das Gespenst von der „Übergewinnsteuer“ ist verscheucht, dafür kommt eine „Erlösobergrenze“ für Energieerzeuger.

Ach ja – und das Neun-Euro-Ticket soll in veränderter Form wiederkommen, wenn Länder und Kommunen mitmachen. Erste Erfahrungen zeigen allerdings, dass das Ticket in den bisherigen drei Monaten unerwartete bis unerwünschte Nebenwirkungen zeigte: Zugpendler stiegen aufs Auto um, weil die Züge überfüllt waren, Punks punkteten auf Sylt und die Omnibusbetreiber registrierten einen Umsatzeinbruch um zwei Drittel, weil niemand mehr Busreisen buchte, ein Teufelskreis.

War sonst noch was? Ach ja, das Digitalpapier aus dem Verkehrsministerium, mit dem die digitale Agenda der Bundesregierung für die kommenden Jahre festgeschrieben werden soll. Darin liegt bereits der mögliche erste Designfehler: Denn in diesen stürmischen  Tagen, in denen Innovationen und Inventionen nur einen Mausklick weit weg zu liegen scheinen, ist eine langfristige Festlegung kaum möglich. Und wissen wir denn, ob wir in der nächsten Zeit eher in Effizienz oder Wachstum, eher in Insourcing statt in Outsorcing, mehr in Automation als in Qualifikation investieren sollten? Aber, wie der zuständige Minister Volker Wissing formulierte: „Wir verlieren uns nicht in Zukunftsvisionen“. Schade eigentlich.

Denn von diesen Fragestellungen ist die Bundesagenda fürs Digitale völlig unbeleckt. Hier geht es – fast wie im Bundeswehrbeschaffungsamt – eher  darum, eigene Standards wie Gaia-X zu definieren als die Dinge zu übernehmen, die bereits auf der Stange hängen. Das Fazit des Hightech-Verbands Bitkom ist denn auch ernüchternd: „Insgesamt fehlt es der Digitalstrategie in zu vielen Bereichen an Ambitionen.“

Das zeigt sich auch am Beispiel der drei zentralen Hebelprojekte, die die Bundesregierung voranbringen möchte, um damit ganz Deutschland digital voranzubringen: der Ausbau von Gigabitnetzen und Datenräumen, international einheitliche Normen und Standards sowie sichere digitale Identitäten – so genannte eIDs – und moderne Register. Leider fehlen hier konkrete zeitliche und inhaltliche Zielsetzungen, so dass nicht viel mehr bleibt als eine Absichtserklärung.

Die Digitalstrategie der Bundesregierung ist leider alles andere als wuchtig. In ihr weht doch noch viel Analoges. Und auch der Geist von Meseberg ist noch lange nicht digital.

Wissen wäre Macht

In einer aktuellen – und als repräsentativ eingestuften – Umfrage des Meinungs-Portals Civey sollten am vergangenen Wochenende C-Level-Entscheider eines Unternehmens – also Manager in der Position mit irgendwas mit „Chief“ – auswählen, welche der vorgegebenen Digitaltechnologien für ihr Unternehmen in naher Zukunft richtungsweisend sein würden. Zur Auswahl standen Blockchain, Kryptowährung, NFTs, Virtual Reality, Augmented Reality – und natürlich „Keine der Genannten“ und „Weiß nicht“.  Und wenig überraschend sagten 64 Prozent der befragten Chiefs, dass keine der genannten Technologien künftig einen Einfluss aufs Geschäft haben werde. Weitere 5,5 Prozent zuckten mit den Schultern: „Weiß nicht“!

Bleiben noch 30 Prozent, die irgendwie die genannten Technologien mit ihrer eigenen Zukunft verbinden konnten. Immerhin zwölf Prozent der Befragten sahen in Augmented Reality einen nennenswerten Einfluss auf die künftige Geschäftsentwicklung, der Rest verlief im marginalen Bereich. Ausgenommen NFTs, die von den Managern ausnahmslos – also mit 0,0 Prozent – als irrelevant eingestuft wurden. Nun soll dies kein Pro-Seminar zu Digitaltechnologien werden, in dem der feine Unterschied zwischen Virtual und Augmented Reality herausgearbeitet wird oder erklärt wird, warum Blockchain-Technologie nicht zwangsläufig etwas mit Kryptowährungen zu tun haben muss.

Aber NFTs wollen wir angesichts der Tatsache, dass 100 Prozent der Befragten sie für sich als unwichtig identifizierten, nun doch kurz deuten:  NFT steht nämlich für Non-Fungible Tokens und ist ebenfalls eine Blockchain-Technologie, mit der auf digitale Objekte wie 3D-Dateien, Audios, Videos etc. verwiesen wird. Wer also beispielsweise im  Vertrieb oder im Handel originale oder einmalige digitale Objekte an Kunden, Interessenten oder in weltweiten Teams an Mitarbeiter verschicken will, kommt an NFTs eigentlich nicht vorbei. Das Auktionshaus Christie´ s hat unlängst ein originales digitales Objekt (Bild), also ein NFT, versteigert. Man kann damit also tatsächlich Geschäft machen.

Aber wenn NFTs in der Geschäftswelt keiner kennt, dann will sie dort auch keiner. Darin zeigt sich ein massives Qualifikationsproblem. Es wird – wie sich zeigt – höchste Zeit für ein deutsches Blockchain-Kompetenzzentrum. Aber Blockchains sind nicht die einzige Technologie, bei denen mittelständische Top-Manager unwissend die Schultern zucken. Es gilt bedauerlicherweise für praktisch alle Digitaltechnologien – angefangen beim Internet der Dinge und nicht enden wollend beim Homeoffice.

Das haben mittelständische Unternehmer längst als ihr massivstes Problem erkannt. Vier von fünf Unternehmern sehen im Mangel an qualifiziertem Personal den Haupt-Hinderungsgrund für die Umsetzung von Digitalprojekten, wie eine jetzt veröffentlichte Studie über das Innovations- und Investitionsgeschehen in mittelständischen Unternehmen deutlich macht. Und dieser Fachkräftemangel ist der wesentliche Grund, warum mittelständische Unternehmen keine Visionen für die digitale Transformation entwickeln, geschweige denn verwirklichen. Für sie gilt: Wissen wäre Macht.

Aber sie wollen doch, signalisiert eine jetzt von der DZ-Bank herausgegebene Sonderbefragung zu digitalen Innovationen im Mittelstand. Auf den Punkt gebracht lautet die Erkenntnis aus der Studie: Mehr als jeder zweite Mittelständler will in den nächsten Monaten mehr in Digitalisierung, neue Technologien und Künstliche Intelligenz investieren. Doch mehr als jedem Fünften fehlt das Personal, um Innovationen stärker voranzutreiben. Daher steckt jedes dritte Unternehmen Geld in die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter, um bei Innovationen am Ball zu bleiben. Denn Wissen ist doch Macht!

Die Studie klingt gut, hat aber einen wichtigen Designfehler. Zwar wurde sie jetzt erst veröffentlicht, doch die Befragung erfolgte vom 23. Februar (sic!) bis Mitte März. Das ist die Vor- und Frühphase des russischen Überfalls auf die Ukraine, in der wir erstens noch nichts über die deutsche Beteiligung an der Militärausstattung der ukrainischen Armee und zweitens noch nichts vom Energiekrieg, den Putin inzwischen gegen Europa losgetreten hatte, wussten. Wir wussten auch nichts von galoppierender Inflation und wegbrechenden Märkten in China. Wir waren doch noch so naiv.

Heute sind wir es nicht mehr – und halten unser Kapital in diesen unsicheren Zeiten beisammen. Das zu untersuchen wäre eine zweite Studie im Auftrag der DZ-Bank wert. Oder ganz schnell und repräsentativ bei Civey, denn Wissen ist und bleibt nun mal: Macht!