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Was kostet die Wolke?

Abgelegt unter Allgemein by hpbonn am 23. Januar 2012

Die Cloud weckt Phantasien – nicht unbedingt an der (Aktien)Börse, aber in den Einkaufsabteilungen der großen IT-Anbieter.  Dort werden die (Geld)Börsen weit geöffnet, um Vorsprung im Rennen um die beste Wachstumsposition einzukaufen. Egal, ob Marktanteile, Technologien oder Produkterweiterungen gesucht werden, immer geht es darum, Zeit zu sparen, die für Eigenentwicklungen und harmonisches Wachstum in einem schnelllebigen Markt nicht mehr zur Verfügung zu stehen scheint. Cloud-Übernahmen haben sich zu einem zuverlässigen Indikator für IT-Trends erwiesen. Nach Customer Relationship Management und Business Intelligence ist jetzt offensichtlich Human Capital der ganz große Cloud-Coup.

Wie heiß der Markt inzwischen gelaufen ist, zeigt das Ringen um SuccessFactors, für dessen Übernahme SAP nach der jetzt erfolgten Freigabe der Kartellbehörden rund 3,4 Milliarden Dollar hinlegen will. Der Kauf tut doppelt gut. Denn der Human Capital Spezialist soll nicht nur Business by Design aufhübschen, er soll auch nicht ins Oracle-Lager fallen. Mit einer Übernahme von SuccessFactors durch die Ellison-Company hatte die Branche eigentlich gerechnet. Doch SAP war offensichtlich schneller.

Jedenfalls dürfte der Kauf von RightNow durch Oracle (1,5 Milliarden Dollar)  im Oktober 2011 nur der Auftakt einer Einkaufstour im Wolkenland sein, mit dem der SAP-Rivale seine Präsenz im Cloud Computing weiter auszubauen beabsichtigt. Es würde nicht weiter überraschen, wenn sich in Redwood allmählich eine Due Dilligence-Abteilung mit den Büchern von Marc Benioffs Salesforce befassen würde. Der CRM-Spezialist wächst, was das Zeug hält – mit Sicherheit die beste Waffe gegen eine feindliche Übernahme. Im laufenden Geschäftsjahr, für das im Februar Zahlen erwartet werden, sollen gut 2,25 Milliarden Dollar zusammenkommen.

Für sein Ziel, 2013 einen Umsatz von 3 Milliarden Dollar nahezu ausschließlich aus SaaS-Gebühren und „App-Anagen“ zu erzielen, geht Benioff selbst auf Einkaufstour. Zum Jahresende übernahm Salesforce mit Rypple  einen direkten Konkurrenten von SuccessFactors. Für das Humankapital hat Salesforce gleich einen eigenen Produktbereich aufgemacht.  „SuccessForce“ klingt nicht nur wie ein Plagiat, sondern hält auch noch einen weiteren Nadelstich bereit: das Geschäft verantwortet kein geringerer als John Wookey, der bis August 2011 als Executive Vice President bei SAP ein Cloud-Dreamteam aufgebaut hat – unter anderem aus ehemaligen Oracle- und Salesforce-Mitarbeitern!

Wookey, der wie Marc Benioff seine Wurzeln bei Oracle hat, wo er zuletzt als Senior Vice President für Application Development zuständig war, dürfte sich bei Salesforce über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Denn die Benioff-Company ist derzeit der größte Ankäufer von Cloud-Anbietern: Vor der Rypple-Übernahme verleibte sich das Unternehmen aus San Francisco schon die Consulting-Company Model Metris, den Social Media-Spezialisten Assistly, die Verschlüsselungs-Experten von Navajo-Systems, den Medien-Monitor Radian6 und die auf Echtzeitkommunikation fokussierte DimDim ein – alles Schnäppchen, über deren Preis Salesforce möglichst Stillschweigen wahrt. Alle Salesforce-Akquisitionen gehen mehr oder weniger unmittelbar in die Arrondierung des CRM-Lösungsangebots. So wurde aus DimDim beispielsweise die Plauderplattform Chatter.

Ob das reicht? Die Taschen der Cloudianer sind gut gefüllt – und die Panik, im Cloud-Gewitter abgehängt zu werden, ist groß. Die Übernahme des Video-Telefonieservices Skype durch Microsoft im vergangenen Jahr war Steve Ballmer immerhin 8,5 Milliarden Dollar wert. Und Léo Apotheker war bei HP bereit, für Autonomy zehn Milliarden Dollar hinzulegen. Was kostet die Welt?

Was macht eigentlich Larry Ellison?

Abgelegt unter Allgemein by hpbonn am 16. Januar 2012

Oracles sieggewohnter CEO, Larry Ellison, scheint seine bekannt markante Rhetorik in letzter Zeit eher nach innen als nach außen gerichtet zu haben: Während noch bis zum Herbst 2011 kaum ein Event in der Branche ohne einen markigen Kommentar des passionierten Firmenaufkäufers verstrich, hat sich winterliche Stille über den Großmogul der amerikanischen Software-Szene gelegt.

Freilich ist alles relativ: Hier noch eine kleine Ohrfeige für den ehemaligen Kollegen Marc Benioff von Salesforce und dort das Gerücht, das die jüngsten schwachen Zahlen des deutschen Software-Vize Software AG möglicherweise Ellisons Kaufgelüste befeuern würden. Aber sonst: Seit kurz vor Weihnachten die mit einem Wachstum von zwei Prozent für Analysten enttäuschen Quartalszahlen von Oracle gemeldet wurden, herrscht weihnachtliches Elysium.

Im Unterschied dazu meldet Erzrivale SAP jetzt sensationell gute Zahlen – das muss der Neid den Walldorfern einfach lassen. Und zu diesen Zahlen hat Oracle paradoxerweise auch noch beigetragen…

Es ist schon anerkennenswert, wenn man in schwierigen konjunkturellen Zeiten und angesichts eines Paradigmenwechsels von „Ground“ zu „Cloud“ für das zurückliegende Geschäftsjahr vorläufige Umsatzzahlen von 14,23 Milliarden Euro ausweisen kann. Auf knapp vier Milliarden Euro  belaufen sich dabei die reinen Softwareerlöse. Die Marge von 39,6 Prozent wird unter anderem auch deshalb erreicht, weil dreistellige Millionen-Rücklagen frei wurden. Nachdem zu erwarten ist, dass die Strafzahlungen an Oracle nicht mehr die Größenordnung erreichen, die noch vor einem Jahr auf dem Richtertisch lagen, sieht die Lage wieder rosig aus. Damals war SAP zum Übernahmekandidaten Nummer Eins – auch für Oracle – ernannt worden. Jetzt wird SAP wieder eher zum Käufer.

Zum Beispiel für den Anbieter von Schulungssoftware, datango AG. Gleichzeitig wird der Kauf des US-Unternehmens Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar abgeschlossen. Und schließlich bleiben Gerüchte bestehen, wonach die mit enttäuschenden Zahlen aufwartende Software AG auf der Watchlist der Walldorfer stehen soll. Gerüchte vom Zusammengehen der Nummer Eins und Zwei in Deutschland hat schon seit Jahrzehnten die Träume von einer Großsoftwareschmiede aus Deutschland beflügelt. Sie werden mit jedem wackeligen Quartalsbericht neu beflügelt.

Doch SAPs Berichtsinhalte sind derzeit alles andere als wackelig. Sowohl das Mobilgeschäft als auch die neue InMemorsy-Datenbank (160 Millionen Euro Umsatz) und natürlich die Cloud-Computing-Aktivitäten lassen die Analysten hoffen. Während Oracle 2011 und vor allem im Gefolge des Rechtsstreits um TomorrowNow große Sprüche markierte, hat die Doppelspitze bei SAP offensichtlich einfach nur Fakten geschaffen.

Dabei fragte man sich die ganze Zeit: Was machen eigentlich Bill McDermott und Jim Hagemann-Snabe? Jetzt wissen wir es: ihre Arbeit.

Äwwer Kaffee koche künne kann se jot

Abgelegt unter Allgemein by hpbonn am 13. Januar 2012

Die Produktpräsentationen auf der CES in Las Vegas gehen dieses Jahr praktisch nahtlos über in die Prunksitzungen beim Carneval in Köln. Deshalb schnell zurück aus dem Spielparadies in die Spaßhochburg.

Mit im Gepäck sind die neuesten Schimären aus den Werkstätten der Produktentwickler, die sich immer weiter auf dem großen Konvergenz-Tripp zwischen E- und U-Elektronik voran wagen. Dass Telefonieren inzwischen so ziemlich die unspannendste Funktion von SmartPhones ist, fällt ja schon kaum noch auf. Und dass der Fernseher zum universellen Medienzentrum für Videos aller Kanäle – Sender, YouTube, Eigenproduktion – sein werden, wird uns auch nicht unbedingt erst seit dieser CES eingetrichtert. Auch der scheinbar paradoxe Trend, das SmartTVs gleichzeitig flacher werden können und 3D-Funktionen bieten, ist uns schon gut geläufig. Bleibt dem Chronisten allenfalls die Ankunft der OLED-Technologie (Organische Leuchtdioden), die mit dem 55-Zoll-Bildschirm von LG auch gleich den „Best of CES“-Award absahnte. Kleiner Hausfrauentipp: Wer größere Präsentationsflächen will, muss die OLEDs einfach nur gießen!

Bemerkenswert ist es schon, dass inzwischen auch die Autobauer ihre Karossen zwischen die Racks der Computerbauer schieben – und man weiß nicht mehr auf den ersten Blick, in welchem Teil eigentlich mehr Rechenpower, mehr Webfähigkeit und mehr Systemsteuerung steckt.

Audi stellte sein neues A3-Cockpit aus, in dem ein kleiner Touchscreen die Steuerung des Multimedia- und Navigationssystems erleichtern soll. Das ganze Auto wird ab März durch einen 1,2 Gigahertz Dual-Core-Prozessor gesteuert. Daimler experimentiert nicht nur mit einem umfassend kommunizierenden Fahrzeug, das nicht nur den Fahrer, sondern auch sonstige Verkehrsteilnehmer in seinen Chat einbezieht. Auch die neue Display-Technik, mit der Informationen direkt auf die Windschutzscheibe projiziert werden, zeigt Daimler-Vorstand Dieter Zetsche.

Und KIA, nicht unbedingt für die Luxusklasse bekannt, hat zusammen mit Microsoft einen totalen App-Overkill bereitgestellt: Das Auto meldet per SMS seine Position, wenn es aus dem zuvor definierten Gebiet herausgesteuert wird. Der Fluchtversuch mit der lapidaren Erklärung, „Ich geh mal eben Zigaretten holen“, klappt also auch nicht mehr so reibungslos.

Auf die Macht der sozialen Medien setzt Don Rich, der ein landesweites Radarfallenwarnsystem aufbauen will. Ford hingegen werkelt an einem Pollenflugwarnsystem, das seine Informationen ebenfalls über Social Networks sammelt und verbreitet. Eine Kombination beider Planungen würde vielleicht die Renaissance des wunderbaren Ford Escort ermöglichen – natürlich im Retro-Look.

Auch die weiße Ware ist hier auf der CES vertreten: Kühlschränke mit integriertem Einkaufszettel sind ja schon genau so ein alter Hut wie Backautomaten, die sich die günstigsten Stromtarife aussuchen. Aber was wir nach wie vor schmerzlich vermissen, ist das ultimative Smart-Social-Touch-App-Phone-Audio-Navi-Home-Video-Sky-Fridge-Espresso-Latte-Mobile – mit dem wir Lotti Krekel bei der nächsten Kölner Prunksitzung beeindrucken können: Äwwer Kaffee koche künne kann se jot!

 

CES an MS: Ne me quitte pas

Abgelegt unter Allgemein by hpbonn am 09. Januar 2012

Im Cesar´s Pallace singt Celine Dion ihre wunderbare Interpretation von Jacque Brels « Ne me quitte pas » und draußen, gut eine Meile vom Colloseum entfernt, bereitet Microsoft seinen letzten großen Auftritt auf der Computer Electronics Show in Las Vegas vor. Das fetzt noch mal richtig, denn mit Windows 8 harmonisiert Redmond nicht nur seine Systemsparten Desktop, Smartphone und Tablet-PCs unter einer einheitlichen Oberfläche, sondern vereint mehr oder weniger alle Produkte in einem.

Überall herrschen Wischen und Winken einerseits oder schon Sprechen und Kommandieren andererseits. 3M beispielsweise zeigt einen Multiuser Touchscreen in 46 Zoll Größe, der bis zu 20 Fingerzeige gleichzeitig versteht und verarbeiten kann. Kollaboration am gemeinsamen Arbeitstisch soll so die Planungsaktivitäten der Zukunft beflügeln. Wer beim Touch-Screening allerdings für sich bleiben will, findet unzählige neue Tablet-PCs, die flach und flacher werden. Das Gerücht, dass Microsoft seine Office-Anwendungen nicht nur auf dem eigenen Tablett präsentieren wird, sondern künftig auch auf dem iPad verfügbar macht, verdichtet sich hier in Las Vegas zur Tatsache. Ansonsten gibt es bei Tablets drei Schwerpunkttrends: Android, Android, Android.

Während Windows 8 mit Kinect-Features für alle Windows 8-Systeme die Gestensteuerung feiert, legen Apple und andere mit ihrer Sprachsteuerung schon die (Sprach-)Teppiche für die nächste Mensch-Maschinen-Schnittstelle aus. Die legendäre Frage an Apple 4S, „Soll ich heute Abend einen Regenschirm mitnehmen?“ und die noch legendärere Antwort – „Für heute Abend ist kein Regen angesagt.“ – trifft auf Las Vegas im lauen Januar auf jeden Fall zu.

Zwei neue Besuchergruppen kann man hier auf der Consumer Electronics Show ausmachen. Unternehmer, die zwar eine Firma haben, aber noch lange kein Produkt, sollen nicht nur zeigen, dass das endlos gewundene Band der Innovation auch in einer Post-Microsoft-Ära fortbestehen wird. In einer waghalsigen Vorwegnahme der eigenen Zukunft, präsentieren sich hier rund einhundert Firmen, die erst in einigen Jahren auf der CES etwas zum Ausstellen haben werden.

Aber wahrscheinlich verfügen sie bereits über eine der wichtigsten Waffen, die es derzeit im Kampf der Innovatoren gibt: Patente. Dafür interessiert sich die zweite Gruppe der CES-Neulinge – die Patentanwälte. Denn inzwischen wird nicht nur nach Patentrechtsverletzungen, Fälschungen und Plagiaten gefahndet. Im Wettstreit um die Vormachtstellung im mobilen, ubiquitären Internet zählt der Patenteinkauf en gros. Google kaufte jüngst IBM einige Hundert Patente ab, will mit der Motorola-Übernahme das gesamte Patent-Portfolio an sich reißen und mausert sich allmählich zum Patent-Paten der ganzen  Branche.

Da rückt dann auch Deutschland (und die CeBIT) in den Fokus der CESaren. Denn hier wird 2012 nahezu wöchentlich über Patentstreitigkeiten – meistens zwischen Apple und Samsung – entschieden. Das interessiert auch hier. Doch wie auch immer das ausgeht, wie auch immer Microsoft seine Zukunft ohne CES, die CES seine Zukunft ohne Microsoft gestalten wird – ein Trend ist auch für 2013 sicher: Celine Dions Herz wird auch 2013 weiterhin im Cesar´s Pallace schlagen. Und wir Tech-Addicts werden dich schon nicht verlassen, liebe Celine, äh CES.

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