Cloud First, Cloud Only

Es ist die Zeit der braven Elogen an den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Mann, der nur Sieg oder Niederlage zu kennen scheint, aber keinen Kompromiss, kompromittiert derzeit jeden Konzernlenker durch die Notwendigkeit, Ergebenheitsadressen an das Weiße Haus zu senden. Siemens-Chef Jo Kaeser verteidigte jetzt seine Eloge an Donald Trump und seine Steuerreform: „Amerika First“ sei gar nicht so schlecht, wenn es nicht als „Amerika Only“ verstanden werde.

Doch die US-Steuerreform verhagelte jetzt erst einmal die Quartalsberichte der großen amerikanischen Internet-Giganten. Sie mussten mit Sonderabschreibungen in Milliardenhöhe ihre Bilanzen korrigieren und einen zwischenzeitlichen Verlust vortragen. Das irritierte die Börse kurzfristig, bis eine genauere Analyse zeigte, dass Apple, Amazon, Google und Microsoft blitzsaubere Quartalsberichte präsentiert hatten. Die wichtigste Erkenntnis darin: Das Cloud-Geschäft ist inzwischen das wachstumsstärkste Segment und der eigentliche Profit-Treiber. Der Paradigmen-Wechsel von On-Premises zu On-Demand ist längst vollzogen. Längst gilt für die großen „Internauten“: „Cloud First“.

Kein Cloud-Anbieter legt dabei so ein rasantes Wachstum vor wie Microsoft. Die Umsätze in der Sparte „Intelligent Cloud“ mit Azure als zentralem Produkt haben sich nahezu verdoppelt und steuern inzwischen mit 7,8 Milliarden Dollar annähernd so viel zum Gesamterlös bei wie die Sparte „Productivity and Business“ mit 8,95 Milliarden Dollar, in der die ebenfalls Cloud-basierte Office-Suite angesiedelt ist. Allerdings verhagelte die US-Steuerreform den Quartalsgewinn: Wegen einer Sonderabschreibung von 13,8 Milliarden Dollar rutschte die Bilanz ordentlich in den Keller. Statt des operativen Gewinns von 7,5 Milliarden Dollar mussten so Verluste in Höhe von 6,3 Milliarden Dollar ausgewiesen werden.

Nicht anders erging es der Google-Mutter Alphabet, die Sonderabschreibungen von 10,6 Milliarden Dollar verbuchen musste. Statt eines operativen Quartalsgewinns von rund drei Milliarden Dollar entstand so ein Minus von 7,6 Milliarden Dollar. Doch 32,32 Milliarden Umsatz aus vornehmlich Werbeeinnahmen mit der Suchmaschine Google und Youtube sind beachtlich. Interessant aber ist, dass auch Google mit seinen Cloud-Angeboten stärker wächst als der Markt.

Ebenso wie die Amazon Web Services, die zwar um 45 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar anstiegen, aber damit nur halb so schnell wachsen wie Microsofts Cloud-Angebote. AWS trug damit zwar nur knapp zehn Prozent zum Konzernumsatz von 60,5 Milliarden Dollar bei, der aber für 64 Prozent des operativen Gewinns steht. Und dieser hat erneut Rekordhöhen erreicht: 1,9 Milliarden Dollar Gewinn erzielte Amazon im Weihnachtsquartal – trotz etwaiger Sonderabschreibungen durch die US-Steuerreform.

Mehr als zehnmal so viel konnte Apple im ersten Quartal des jungen Geschäftsjahres ausweisen: 20,1 Milliarden Dollar fließen in die Kassen in Cupertino, wo – Tim Cooks Versprechen gegenüber Donald Trump zufolge – inzwischen auch Gewinne eintreffen, die bei Auslandsgesellschaften geparkt worden waren. Apple nutzt seine vollen Kassen, um im großen Stil eigene Aktien zurückzukaufen. Alleine im vergangenen Jahr gab die Company dafür 35 Milliarden Dollar aus. Trotzdem sind die Analysten vom wertvollsten Unternehmen der Welt enttäuscht. Der Grund: Die Absatzprognosen fürs iPhone bleiben für das erste Quartal des Kalenderjahres hinter den Erwartungen zurück. Nach 77,3 Millionen Stück im Weihnachtsquartal sollen es nun nur noch 60 Millionen sein.

Dabei gilt auch für Apple, dass das Geschäft mit der Cloud allmählich die Kerngeschäfte in ihrer Bedeutung ablöst. Mit der iCloud, iTunes und dem App Store erlöste Apple inzwischen 8,5 Milliarden Dollar. Damit liegen Apple, Amazon, Google und Microsoft beim Cloud-Geschäft nominal ungefähr gleich auf. Allerdings zeigen sich zwischen den Vieren erhebliche Unterschiede. Während Apple sein Cloud-Geschäft rund um das Smartphone errichtet, stützt Google sein On-Demand-Geschäft mit einer Vielzahl von Productivity-Tools – von Gmail über Docs bis Drive. Amazon liefert mit AWS eine komplette Cloud-Umgebung. Doch am weitesten fortgeschritten ist inzwischen das Microsoft-Angebot rund um Azure, Office 365 und Dynamics 365. Microsoft wächst mit der Kraft von 64.000 Partnern, die sich in der Cloud engagieren, und mit der Dynamik der Kunden, die Azure als Plattform für ihre eigenen Produktangebote nutzen.

Und nicht zuletzt: Microsofts Cloud-Services sind gespickt mit Mehrwertdiensten – allen voran dem Internet der Dinge und künstlicher Intelligenz. Es dürfte nicht überraschen, wenn Microsoft in den nächsten Monaten einen Börsenwert von jenseits einer Billion Dollar erreicht. „Cloud First“ zahlt sich aus.

New Deal

Der 32. Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin Delano Roosevelt, versprach seinen Landsleuten bei seinem Amtsantritt während der großen Depression 1933, „die Karten neu zu mischen“. Der „New Deal“ sorgte für einen unglaublichen Wirtschaftsaufschwung, zunächst in den USA, dann weltweit. Er war nicht nur unternehmerfreundlich, sondern zugleich arbeitnehmerfreundlich ausgelegt. Gesellschaftlich, wirtschaftlich und technologisch wurden in der Tat die Karten neu gemischt.

Letzte Woche wurde ein vergleichbarer New Deal auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos heraufbeschworen. Er war in der Abschlussrede des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenso zu hören, wie im Beitrag der Bundeskanzlerin. Der italienische Ministerpräsident beschwor diesen New Deal ebenso herauf, wie sein polnischer Amtskollege. Und einig waren sich alle auch in der Bedrohung, der mit einem neuen sozialwirtschaftlichen Auftrag begegnet werden muss: künstliche Intelligenz.

Sie war der eigentliche Star des Weltwirtschaftsgipfels. Immerhin, so formulierte es Sundar Pichai, der CEO von Google, werde künstliche Intelligenz noch wichtiger für die Zukunft unserer Gesellschaft als die Beherrschung des Feuers durch den Menschen. Denn früher, ergänzte der britische Schatzkanzler Phil Hammond, seien Computer dumm und schnell gewesen. Nun aber würden sie schlau und schnell. Für die Gesellschaft mache das einen großen Unterschied, warnte er.

Warner gab es freilich schon vor Davos: Mit Tesla-Chef Elon Musk und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak kommen sie sogar aus den eigenen Reihen. Tatsächlich sind mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Computer ein zweischneidiges Schwert. Wir können mit künstlicher Intelligenz einige der größten Bedrohungen wie zum Beispiel den Klimawandel angehen, urteilte Microsofts Chef-Justiziar Brad Smith, der mit seinem neuen Buch „The Future Computed“ nach Davos gereist war. Aber sie könnten auch einen dritten Weltkrieg auslösen, ergänzte Alibaba-Gründer Jack Ma.

So einig sich politische und wirtschaftliche Führer in der Beurteilung sind, dass künstliche Intelligenz langfristig die Welt fundamental verändern wird, so uneins sind sie sich über die kurzfristigen Prognosen. Während die eine Gruppe davon ausgeht, dass künstliche Intelligenz in den kommenden Monaten Zehntausende von Arbeitskräften kosten wird, weist eine jüngste McKinsey-Studie darauf hin, dass zunächst erst einmal zusätzliche Arbeitsplätze entstehen werden, ehe sich ein totaler Wandel am Arbeitsmarkt vollzieht.

Dabei zeichnet sich ein bislang nicht diskutierter Aspekt des Wandels von Arbeit, Verantwortung und Ethik ab: während bislang vor allem davor gewarnt wird, dass die Arbeitsplätze entfallen werden, die lediglich eine niedrige Qualifikation verlangen – und davon gibt es weltweit immer noch Millionen – , warnten die Wirtschaftsbosse in Davos davor, dass ihre eigene Zunft vom Aussterben bedroht sein könnte. Je besser es KI-Systemen gelingt, aus Daten Analysen zu ziehen und daraus wiederum Entscheidungen zu treffen, desto weniger bedarf es einer Managerriege. Dann gehe es vielmehr darum, den Entscheidungen Taten folgen zu lassen.

Was aber machen die Top-Executives in der Zukunft mit der vielen freien Zeit, die sie dank künstlicher Intelligenz haben, witzelte ein Davos-Beobachter: Sie werden vielleicht auf noch mehr Weltwirtschaftsmeetings wie dem in Davos gehen. Das wäre tatsächlich nicht die schlechteste Idee. Denn – so hat es den Anschein – nie war eine weltweite Abstimmung und Synchronisation der Maßnahmen wichtiger für Weltfrieden, Weltklima, Weltgesundheit, Weltwirtschaft und Weltgesellschaft als heute. Digitalisierung und künstliche Intelligenz werfen Fragen auf, die zur Zeit niemand beantworten zu können scheint. Auch dieser Blog nicht.

Denn es geht nicht nur darum, die Karten neu zu mischen, sondern sie auch gerecht zu verteilen. Wer dann die Asse und wer die Luschen in Händen hat, dürfte eine Frage von weltpolitischem Ausmaß werden. Dazu wurde in Davos das Wort von der Fortschrittsdividende geprägt, die sich aus dem Einsatz von künstlicher Intelligenz ergeben kann. Den sozialen Sprengstoff, der in der Verteilung dieser Fortschrittsdividende steckt, brachte Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni auf den Punkt: eine technisch-globale Elite auf der einen Seite und viele Gruppen von lokalen Frustrierten auf der anderen Seite seien die größte Sorge der Politik.

Es sei nicht genug, wenn sich nur 20 oder 30 Prozent der Bevölkerung für die Segnungen des Fortschritts begeisterten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deshalb wollen alle in die „Demokratisierung von KI“ (Microsoft-CEO Satya Nadella) investieren: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, dass er zehn Milliarden Euro in einen auf KI fokussierten Innovationsfonds stecken will. Großbritanniens Ministerpräsidentin Theresa May kündigte eine eigene Regierungsstelle für KI an. Und wir Deutschen? Wir warten erst einmal darauf, dass sich eine handlungsfähige Bundesregierung findet. Dann werden wohl auch hierzulande die Karten neu gemischt. Hoffentlich nicht zu spät.

 

Amicus Stay Home

Seit sechs Jahren geht der Absatz von Personal Computern und Laptops stetig zurück. Nach den Berechnungen der Gartner Group wurden im zurückliegenden Jahr noch 260 Millionen Rechner verkauft – vor vier Jahren waren es noch 320 Millionen Stück. Lange Zeit war der PC unser bester Freund. Fünf mobile Geräte entfallen inzwischen auf jeden auf der Welt installierten PC. Wenn wir das Haus verlassen, sind es die Tablets, Smartphones und Netbooks, die wir mitnehmen. Zu unserem langjährigen Freund, dem PC, aber sagen wir: „Amicus Stay Home“.

Von dieser Entwicklung profitieren diejenigen, die rechtzeitig auf den Technologiewandel gesetzt haben – allen voran Apple mit dem iPhone und die Anbieter von Android-Geräten wie zum Beispiel Samsung. Wer neben PCs auch Server in der Angebotspalette hat, muss – vorerst – nicht um sein Geschäft bangen, denn in die weltweiten Data Centers wird kräftig investiert. Denn erst die Cloud macht mobile Computing so richtig schön. Nach Einschätzung von McKinsey werden in diesem Jahr 80 Prozent aller bestellten Server in Rechenzentren aufgestellt. Doch auch hier droht ein langfristiger Marktschwenk. Immer mehr Server werden in Asien hergestellt oder als sogenannte „weiße Marken“ zum Selberbauen angeboten. IDC schätzt, dass im Jahr 2020 jeder zweite Server „Marke Eigenbau“ sein wird. Public Clouds werden zum Mainstream. Dem eigenen Rechenzentrum sagen wir „Amicus Ade“.

Kein Wunder: die Cloud-Betreiber bieten ein Sicherheitsniveau, das zu wirtschaftlichen Bedingungen im eigenen Rechenzentrum nur erreicht werden kann, wenn man es konsequent vom Internet abschottet. Aber wo bliebe dann der Mehrwert, der sich aus der Digitalisierung und dem Internet der Dinge ergibt? Cloud Services sind inzwischen unsere liebgewordenen Freunde, zu denen wir sagen: „Amici Stay with Us!“

Aber wir begegnen auch völlig neuen Gefahren in dieser cloudifizierten Welt – und selbst unsere besten Freunde könnten da zu unseren Gegnern werden. Davor warnen jetzt der Hightech-Verband Bitkom, der Bundesverband der Deutschen Industrie und die Deutsche Industrie- und Handelskammer mit Blick auf eine anstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in den USA. Darin geht es um den seit Jahren anhängigen Rechtsstreit der US-Bundesregierung mit Microsoft, wonach der Cloud-Anbieter auch dann personenbezogene Daten herausgeben muss, wenn diese außerhalb der USA, also zum Beispiel in Europa, gespeichert sind. Die Begründung im so genannten „New York Search Warrant Case“ ist einfach: US-Unternehmen unterliegen auch dann US-amerikanischem (Zugriffs-)Recht, wenn es sich um Aktivitäten außerhalb der USA handelt.

Microsoft hat die Zeit der Verhandlungen genutzt, um sich zumindest in Deutschland vor dem drohenden Zugriff zu schützen. Zwei Rechenzentren hierzulande wurden in die treuhänderische Verantwortung der Deutschen Telekom gegeben, die nun wirklich kein US-Unternehmen ist und damit per se nicht den Zugriffsrechten der US-Behörden unterliegen kann. Hier gilt: „Ami Stay Out“.

Doch sollte der Oberste Gerichtshof – was zu befürchten ist – eine Entscheidung zugunsten der US-Behörden treffen, dann wäre dies ein tiefgreifender Eingriff in deutsches Datenschutzrecht. Denn wenn sie sich im Falle eines Falles einem Auslieferungsbegehren für personenbezogene Daten aus den USA gegenübersehen, verstoßen sie im Verweigerungsfall gegen US-Recht. Und wenn sie dem Begehren nachgeben, wäre deutsches Recht gebrochen. Dann wäre also der Freund des Freundes Wolf. Oder im schönsten Juristenlatein: „Amicus amicum lupus“.

Dabei haben die Deutschen kaum Rechtsmittel an der Hand, um hier auf den Obersten Gerichtshof in den USA einzuwirken. In einem sogenannten „Amicus-Schreiben“, das in Rule 37 Abs. 1 der Verfahrensordnung des US Supreme Court dritten, nicht direkt am Rechtsstreit beteiligten Personen oder Personengruppen erlaubt, Stellung zu beziehen und zusätzliche Rechtsfragen aufzuwerfen, hat der Bitkom jetzt das Dilemma beschrieben. Zur Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden gebe es bestehende Rechtshilfeabkommen, die nicht dadurch umgangen werden dürften, dass US-Behörden unmittelbaren Zugriff auf Daten in Europa verlangen.

Waren das noch Zeiten, als wir unsere Daten auf dem PC gespeichert hatten. Da sind sie zwar den pausenlosen Hackerangriffen aus dem Internet ausgesetzt, vor denen wir uns in der Regel nur notdürftig schützen. Aber wir mussten wenigstens nicht mit der Herausgabe an US-Regierungsbehörden rechnen. Denn „Amicus Stay Home“ bedeutet eben auch: „Ami Stay Out“.

Mehr Demokratie wagen

Als Arthur C. Clarke sich vor 50 Jahren auf die „Space Odyssey“ begab, konnte sich niemand eine Welt vorstellen, die nicht von IBM dominiert würde. Deshalb nannte er seinen übermächtigen Computer „HAL“. Die Buchstaben sind im Alphabet jeweils eins vor „IBM“. Heute ist IBM nach zig Quartalen mit Umsatzrückgang – Entschuldigung – bedeutungslos.

Und als Bill Gates sich vor einem knappen Vierteljahrhundert auf den Weg zur „Road Ahead“ machte, vergaß er – zumindest in der Erstausgabe – das Internet. Niemand konnte sich vorstellen, dass es einmal eine Welt geben könnte, in der es keine von Microsoft beherrschte PC-Welt geben würde. Doch das missachtete Internet hat die Regeln des Marktes radikal verändert.

Und als Steve Jobs vor elf Jahren das iPhone ankündigte, konnte sich niemand vorstellen, dass die heruntergekommene Apple Corporation einmal das reichste Unternehmen der Welt sein würde und diesen Status auf ein Telefon stützen würde.

Und heute lesen wir von den mutmaßlich niemals endenden Vormachtstellungen der Internet-Giganten Google, Facebook, Alibaba, Tencent, Microsoft und Apple. Doch nichts, das lehrt uns die Vergangenheit, ist in Stein gemeißelt. Schon gar nicht wirtschaftliche Macht. Vor 20 Jahren hießen die größten Unternehmen in der „Fortune 500“-Liste Exxon, General Motors, IBM, British Petrol und Shell – und Microsoft. Heute ist nur noch Microsoft in dieser Liste.

Und das ist einem sensationellen Comeback zu verdanken, das einen Namen trägt: Satya Nadella. Da kann es nicht überraschen, dass das Wirtschaftsblatt Forbes dem dritten Microsoft-CEO inzwischen den Titel „CEO of the Year in Cloud Wars“ verliehen hat. Denn niemand hat wie er die Möglichkeiten erkannt, die sich aus der Bereitstellung von Cloud Services ergeben. Und niemand – weder Bill McDermott (SAP), Larry Ellison (Oracle), Jeff Bezos (Amazon), noch Larry Page und Sergey Brin (Google) – hat dabei die gesamte Entwickler-Kompetenz auf Services für die Enterprise-Kunden angesetzt.

Das zahlt sich jetzt aus. Bei der Ankündigung seiner Ernennung zum CEO hatte Microsoft eine Marktkapitalisierung von gut 300 Milliarden Dollar. Letzte Woche lag der Marktwert des Unternehmens auf mehr als dem doppelten Wert: 681 Milliarden Dollar. Einer der Gründe liegt darin, dass Microsoft das erste Unternehmen werden könnte, das mehr als 20 Milliarden Dollar mit Cloud Services umsetzen wird. In einer Zwölf-Monats-Prognose ist dieser Wert bereits überschritten worden. Aber was zählt, sind echte Umsätze aufs Jahr gerechnet. Und bis zum 30. Juni 2018 könnte es in der Tat klappen.

Natürlich haben SAP, Oracle, Amazon und Google ebenfalls sensationelle Erfolge in der Cloud. Aber keiner – nicht einmal SAP oder Oracle – hat in der Vergangenheit so stark auf Unternehmenssoftware aus der Cloud gesetzt wie Microsoft. Das liegt nicht allein daran, dass die historischen Zukäufe, die die Basis für die ERP-Suite Dynamics bilden, inzwischen in der Cloud verfügbar sind. Es liegt eher daran, dass sowohl Dynamics als auch die traditionelle Office-Suite inzwischen massiv durch künstliche Intelligenz aufgepeppt wurden. Wer Office oder Dynamics mit dem Zusatz „365“ nutzt, kann inzwischen auf Services zurückgreifen, die neben dem Sprachassistenten Cortana, Bilderkennung und Übersetzungsfunktionen auch smarte Features umfassen, die das Arbeitsleben leichter machen.

Satya Nadellas Leistung besteht nicht allein darin, die Cloud zur zentralen Plattform zu erheben und damit gewissermaßen den PC vom Thron zu stoßen. Seine wirkliche Leistung besteht darin, dass er unterschiedlichste Entwicklerteams vor die Aufgabe gestellt hat, KI-Funktionen in die klassischen IT-Angebote einzubauen. „Demokratisierung von künstlicher Intelligenz“ hat Satya Nadella das genannt. Und in der Tat hat die Devise, mehr Demokratie zu wagen, jetzt Erfolg.

Der „Cloud War“ ist noch lange nicht entschieden. Aber mit Webservices für das Internet der Dinge und künstlicher Intelligenz hat Microsoft zwei Wachstumsmärkte erobert. Das kommt einer Vorentscheidung nahe. Anders als IBM, die mit Watson vor allem exquisite, aber eben auch exklusive Lösungsangebote unterbreitet, hat Microsoft das Internet der Dinge und Systeme der künstlichen Intelligenz demokratisiert. Teilhabe nennt man das im Soziologendeutsch.

Satya Nadellas Aufstieg – und der von Microsoft in der Cloud – sind ein Mutmacher. Es zeigt, dass man sich unter neuen Geschäftsmodellen neu erfinden, neu aufstellen kann. Denn eigentlich war die Cloud der Sargnagel für den PC-Spezialisten Microsoft. Dass sie im Gegenteil für eine Lebensverlängerung gesorgt hat, liegt einzig und allein an der visionären Kraft des dritten Microsoft-CEO.