SAP goes Greene

Was macht eigentlich SAP? Das wertvollste deutsche DAX-Unternehmen wächst und wächst. Aber wächst es auch an den richtigen Stellen?

1,4 Milliarden Euro wird SAP aus den Ergebnissen des zurückliegenden Geschäftsjahres an seine Aktionäre ausschütten. Das ist stattlich. Im Vergleich dazu nehmen sich die gut 45 Millionen Euro an Vorstandsgehältern, die letzten Donnerstag auf der Aktionärsversammlung durchgewunken wurden, geradezu marginal aus. Im internationalen Vergleich – und daran muss sich SAP genauso wie der FC Bayern messen – sind solche Gehälter keineswegs so exorbitant, wie die hiesige Debatte vermuten lässt.

Den weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe, die Internationalisierung des Managements und seiner Aufsichtsgremien meistert SAP mit aller Konsequenz. Mit Diane Greene wechselt jetzt die Hauptverantwortliche für das Cloud-Geschäft bei Google in den SAP-Aufsichtsrat. Das dürfte die Zusammenarbeit zwischen SAP und Google weiter beflügeln. Schon jetzt unterhält SAP eine strategische Partnerschaft mit der Cloud-Sparte von Google. Die Gründerin des Virtualisierungs-Spezialisten VMware, Diane Greene, die zusätzlich zu ihrer Management-Aufgabe bei Google auch im Aufsichtsrat der Google-Mutter Alphabet sitzt, dürfte dazu beitragen, dass SAP in dem derzeit am schnellsten wachsenden Marktsegment der Digitalisierung zumindest so schnell wachsen kann wie die Konkurrenz. Das ist aber auch dringend nötig.

Denn obwohl SAP vor gut zehn Jahren, als das Thema Cloud Computing noch kaum bei den Anwendern angekommen war, mit seiner Cloud-basierten Unternehmenssoftware Business by Design die Softwarewelt aufschreckte, ist das Geschäft aus der Wolke beim größten deutschen Softwarehaus nicht ganz einfach. Denn unverändert liegt der Schwerpunkt des Unternehmens bei der Business Logik, also beim Management der Geschäftsprozesse in beinahe allen Unternehmen der Fortune 500-Liste. Das ist die unangefochtene Domäne der Walldorfer. Hier steht SAP im direkten Vergleich mit den Konkurrenten Oracle und Microsoft gut da.

Die enormen Wachstumsraten der großen IT-Anbieter aber stammen aus dem Geschäft mit der Infrastruktur als Service – also mit Rechnerleistung, Netzwerk, Sicherheits-Features und Speicherkapazitäten. Das ist eigentlich ein ideales Betätigungsfeld für einen Total Seller wie SAP, der seinen Kunden Komplettlösungen aus einer Hand anbieten kann. Zwar gehört SAP zu den Top Ten der Cloud-Society, die rund 70 Prozent des Gesamtmarkts von 260 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr unter sich verteilen. Aber in dieser Zehnergruppe gibt es wiederum eine Drei-Klassen-Gesellschaft, wobei Amazon allein ein Drittel des Marktes für sich beanspruchen kann. Die Konkurrenten Amazon und Microsoft decken als Klasse für sich zusammen genommen die Hälfte des Marktes ab – und Microsoft wächst derzeit deutlich schneller.

Nach Einschätzung der Cloud-Analysten von Synergy Research hat die zweite Klasse der „Big Five“ – also der fünf größten Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft, Google, Apple und Facebook – im vergangenen Jahr zusammen 13 Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Cloud-Infrastruktur gesteckt. Dieses Jahr werden es kaum weniger sein. In der dritten Klasse – den Nachfolgern in der Zehnergruppe mit Alibaba, Oracle, IBM, SAP und Tencent dürften es vor allem die beiden chinesischen Anbieter sein, die dieses Investitionstempo mithalten können. Auch IBM wird alles daran setzen, diese letzte Chance auf Rückkehr ins große Geschäft nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Aber können auch die beiden Software-Riesen Oracle und SAP jedes Jahr eine Milliarde Dollar in die Cloud-Infrastruktur stecken?

SAP hat sich da offensichtlich für einen dritten Weg entschieden. Der größte Teilmarkt im Cloud-Geschäft ist nun mal Software as a Service – und hier hat SAP mit seinen Anwendungs-Suiten und der In-Memory-Datenbank HANA alle Karten in der Hand. Neben den eigenen Cloud-Rechenzentren unterhalten die Walldorfer deshalb Partnerschaften mit den großen Drei – Amazon, Microsoft und Google. SAP will nicht durch die Cloud wachsen, sondern mit der Cloud. Dass dabei auch die großen Cloud-Infrastrukturanbieter mitverdienen, muss kein Nachteil sein. Man muss sie nur nahe genug an sich binden. Mit der Personalie Diana Greene ist dabei ein Zeichen gesetzt worden.

 

Mehr Demokratie wagen

Als Arthur C. Clarke sich vor 50 Jahren auf die „Space Odyssey“ begab, konnte sich niemand eine Welt vorstellen, die nicht von IBM dominiert würde. Deshalb nannte er seinen übermächtigen Computer „HAL“. Die Buchstaben sind im Alphabet jeweils eins vor „IBM“. Heute ist IBM nach zig Quartalen mit Umsatzrückgang – Entschuldigung – bedeutungslos.

Und als Bill Gates sich vor einem knappen Vierteljahrhundert auf den Weg zur „Road Ahead“ machte, vergaß er – zumindest in der Erstausgabe – das Internet. Niemand konnte sich vorstellen, dass es einmal eine Welt geben könnte, in der es keine von Microsoft beherrschte PC-Welt geben würde. Doch das missachtete Internet hat die Regeln des Marktes radikal verändert.

Und als Steve Jobs vor elf Jahren das iPhone ankündigte, konnte sich niemand vorstellen, dass die heruntergekommene Apple Corporation einmal das reichste Unternehmen der Welt sein würde und diesen Status auf ein Telefon stützen würde.

Und heute lesen wir von den mutmaßlich niemals endenden Vormachtstellungen der Internet-Giganten Google, Facebook, Alibaba, Tencent, Microsoft und Apple. Doch nichts, das lehrt uns die Vergangenheit, ist in Stein gemeißelt. Schon gar nicht wirtschaftliche Macht. Vor 20 Jahren hießen die größten Unternehmen in der „Fortune 500“-Liste Exxon, General Motors, IBM, British Petrol und Shell – und Microsoft. Heute ist nur noch Microsoft in dieser Liste.

Und das ist einem sensationellen Comeback zu verdanken, das einen Namen trägt: Satya Nadella. Da kann es nicht überraschen, dass das Wirtschaftsblatt Forbes dem dritten Microsoft-CEO inzwischen den Titel „CEO of the Year in Cloud Wars“ verliehen hat. Denn niemand hat wie er die Möglichkeiten erkannt, die sich aus der Bereitstellung von Cloud Services ergeben. Und niemand – weder Bill McDermott (SAP), Larry Ellison (Oracle), Jeff Bezos (Amazon), noch Larry Page und Sergey Brin (Google) – hat dabei die gesamte Entwickler-Kompetenz auf Services für die Enterprise-Kunden angesetzt.

Das zahlt sich jetzt aus. Bei der Ankündigung seiner Ernennung zum CEO hatte Microsoft eine Marktkapitalisierung von gut 300 Milliarden Dollar. Letzte Woche lag der Marktwert des Unternehmens auf mehr als dem doppelten Wert: 681 Milliarden Dollar. Einer der Gründe liegt darin, dass Microsoft das erste Unternehmen werden könnte, das mehr als 20 Milliarden Dollar mit Cloud Services umsetzen wird. In einer Zwölf-Monats-Prognose ist dieser Wert bereits überschritten worden. Aber was zählt, sind echte Umsätze aufs Jahr gerechnet. Und bis zum 30. Juni 2018 könnte es in der Tat klappen.

Natürlich haben SAP, Oracle, Amazon und Google ebenfalls sensationelle Erfolge in der Cloud. Aber keiner – nicht einmal SAP oder Oracle – hat in der Vergangenheit so stark auf Unternehmenssoftware aus der Cloud gesetzt wie Microsoft. Das liegt nicht allein daran, dass die historischen Zukäufe, die die Basis für die ERP-Suite Dynamics bilden, inzwischen in der Cloud verfügbar sind. Es liegt eher daran, dass sowohl Dynamics als auch die traditionelle Office-Suite inzwischen massiv durch künstliche Intelligenz aufgepeppt wurden. Wer Office oder Dynamics mit dem Zusatz „365“ nutzt, kann inzwischen auf Services zurückgreifen, die neben dem Sprachassistenten Cortana, Bilderkennung und Übersetzungsfunktionen auch smarte Features umfassen, die das Arbeitsleben leichter machen.

Satya Nadellas Leistung besteht nicht allein darin, die Cloud zur zentralen Plattform zu erheben und damit gewissermaßen den PC vom Thron zu stoßen. Seine wirkliche Leistung besteht darin, dass er unterschiedlichste Entwicklerteams vor die Aufgabe gestellt hat, KI-Funktionen in die klassischen IT-Angebote einzubauen. „Demokratisierung von künstlicher Intelligenz“ hat Satya Nadella das genannt. Und in der Tat hat die Devise, mehr Demokratie zu wagen, jetzt Erfolg.

Der „Cloud War“ ist noch lange nicht entschieden. Aber mit Webservices für das Internet der Dinge und künstlicher Intelligenz hat Microsoft zwei Wachstumsmärkte erobert. Das kommt einer Vorentscheidung nahe. Anders als IBM, die mit Watson vor allem exquisite, aber eben auch exklusive Lösungsangebote unterbreitet, hat Microsoft das Internet der Dinge und Systeme der künstlichen Intelligenz demokratisiert. Teilhabe nennt man das im Soziologendeutsch.

Satya Nadellas Aufstieg – und der von Microsoft in der Cloud – sind ein Mutmacher. Es zeigt, dass man sich unter neuen Geschäftsmodellen neu erfinden, neu aufstellen kann. Denn eigentlich war die Cloud der Sargnagel für den PC-Spezialisten Microsoft. Dass sie im Gegenteil für eine Lebensverlängerung gesorgt hat, liegt einzig und allein an der visionären Kraft des dritten Microsoft-CEO.

Neues Jobprofil: Der IT-Erklärbär

Die Aussichten könnten besser kaum sein: mehr als die Hälfte der deutschen Anwenderunternehmen plant, das Budget im kommenden Jahr mit Blick auf den digitalen Wandel aufzustocken. Und immerhin jeder dritte will die Ausgaben wenigstens auf der bisherigen Höhe belassen. Das klingt schon deshalb ermutigend, weil die meisten Unternehmen in Investitionen in das Cloud Computing immer noch und vor allem Kostensenkungsmaßnahmen erkennen. Dass Cloud Computing sich aber inzwischen vom reinen Outsourcing-Modell zur hybriden Architektur für Mehrwert-Dienste wie Big Data, Künstliche Intelligenz oder mobile Computing entwickelt, bricht sich erst allmählich in den Köpfen der Anwender Bahn.

Dort herrschen vielmehr „beängstigende Verständnislücken“, wie sie jetzt der internationale Lösungsanbieter Epicor in einer groß angelegten Studie beobachtet hat. Immerhin eine von drei Führungskräften in Deutschland hat nach eigenem Bekunden zwar schon etwas von „Big Data“ oder „Cloud“ beziehungsweise „Software as a Service“ gehört, verbindet mit den Begriffen aber keine konkrete Vorstellung. Darüber hinaus gaben 36 Prozent zu, dass sie nicht mit dem „Internet of Things“ vertraut sind, für „3D-Druck“ liegt dieser Wert bei 44 Prozent, bei „Machine Learning“ bei 40 Prozent.

Der Wettlauf in die Digitalisierung scheint tatsächlich viele Anwender zu überfordern. Es geht nicht allein darum, auf der Höhe der technischen Entwicklung zu bleiben. Ebenso wichtig – wenn nicht wichtiger – ist es, die Möglichkeiten, die diese Technologien bieten, auch intern zu kommunizieren. Denn schließlich geht es darum, mit Hilfe von Big Data, KI, IoT, 3D-Druck oder Machine Learning die eigene Strategie so auszugestalten, dass man als Anwender einen größtmöglichen Nutzen daraus ziehen kann. Tatsächlich aber, so hat die Unternehmensberatung Kienbaum jetzt in einer groß angelegten Studie erfahren, hat eine von vier Führungskräften in Deutschland keine Klarheit über die aktuellen und zukünftigen Unternehmensziele. Ja, sogar jeder fünfte Manager mit Personalverantwortung tappt diesbezüglich im Dunkeln.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge ändern, war vielleicht noch nie so hoch wie heute. Und die Veränderungen sind wohl auch noch nie so weitreichend gewesen – sieht man vielleicht von der Beherrschbarkeit des Feuers ab.

Und während viele Anwender diese Entwicklung damit abzutun scheinen, dass es sich bei der digitalen Transformation um eine Nebenwirkung der digitalen Giganten wie Google, Apple und Amazon handelt, die mit der eigenen Zukunft nur wenig zu tun hat, sind es in Wahrheit doch die Betreiber der Unternehmens-Architekturen – also Microsoft, IBM, Oracle oder SAP – die auf dem Weg ins Cloud Computing mit Hochgeschwindigkeit voranschreiten und gestern Big Data, heute IoT und morgen künstliche Intelligenz promoten. Da kann es nicht verwundern, dass manch mittelständischer Anwender angesichts technologischer Höchstgeschwindigkeit, mangelnder interner Kommunikation und dem Fehlen einer verlässlichen Vision auf der Strecke bleibt.

Da kann nur ein professioneller Erklärbär des Vertrauens helfen – und der ist im Grunde auch schnell bei der Hand. Die wenigsten mittelständischen Anwender kaufen direkt bei einem der großen Architektur-Anbieter. Sie arbeiten eher mit dem Systemhaus um die Ecke zusammen, das in etwa die gleichen Strukturen aufweist, den gleichen Menschenschlag herangebildet hat und offen zugibt, ebenfalls nur mit hängender Zunge mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. 82 Prozent der ITK-Anbieter blicken hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie erkennen allmählich, dass Cloud Computing und die damit verbundenen Technologien einen Riesenmarkt für sie darstellen.

Microsoft zum Beispiel rechnet vor, dass 90 Prozent des eigenen Umsatzes durch Partner stimuliert ist. Und umgekehrt bedeutet jeder Euro Umsatz bei Microsoft ein Vielfaches an Einnahmen bei den Partnern. Das gilt ganz analog bei IBM, Oracle und SAP, die diese Zahlen nicht so dezidiert offenlegen, aber im Prinzip die gleiche Channel-Strategie fahren.

Und dieser Vertriebskanal befindet sich selbst im Umbruch. Es geht nicht mehr darum, goldene DVDs in den Firmenrechner zu stecken, um das nächste Update zu „deployen“. Es geht darum, aus den vielen Technologie-Optionen die richtigen für das Anwenderunternehmen auszuwählen, bei der Formulierung einer langfristigen Digitalstrategie zu helfen und diese Maßnahmen dann Schritt für Schritt umzusetzen. Dazu muss man die Zukunft erklären können. Und Voraussetzung dafür wiederum ist es, die technologische Zukunft auch zu verstehen.

Hier steckt wiederum die große Herausforderung für die Architektur-Anbieter. Sie müssen ihre Partner „enablen“, diese neue Rolle des Erklärbärs auch richtig auszuspielen. Ihre Aufgabe muss es sein, die „beängstigenden Verständnislücken“ zu schließen – ehe morgen neue aufbrechen.

Old School but Gold School

In Zeiten zunehmender Digitalisierung gelten ERP-Lösungen als Old School. Enterprise Resource Planning – das war einmal revolutionär, als es darum ging, den Abteilungen das Silodenken auszutreiben und den Fluss der Werte im Unternehmen mit dem Fluss der Waren entlang der Supply Chain zu verknüpfen. Seitdem aber haben sich ERP-Systeme zumindest evolutionär weiterentwickelt: sie binden das Kundebeziehungsmanagement (CRM) mit ein, haben Financials und Controlling integriert und sind inzwischen sogar in der Lage, Office-Funktionen einschließlich eMail und Telefonie in den Geschäftsprozess zu übernehmen. Selbst wer den Begriff „Unternehmensressourcen“ weiter fasst als den klassischen Dreiklang von Maschinen, Material und Menschen (pardon! Falsche Reihenfolge, aber irgendwie doch richtig), wird mit ERP-Systemen glücklich. Sie managen Dienstleistungen und Projekte ebenso wie Verträge und Produktlebenszyklen.
Und doch hängt dem ERP-System als Genre etwas Altertümliches an. Hipp sind Webshops oder Big Data Analytics, hopp sind das Internet der Dinge und Social Media. Doch wenn man genau hinschaut, ist auch das nichts anderes als das Management von Unternehmensressourcen – wenn man den Begriff „Ressource“ eben nur weit genug fasst.
Aber genau darum geht es bei der Digitalisierung. Alles ist Ressource und am besten ist es, wenn diese Ressourcen in digitalisierter Form vorliegen. Dann nämlich können sie jederzeit und ohne Medienbrüche weiterverwertet werden. Das nennt man Fungibilität: Daten sind austauschbar – zwischen Funktionen, Geschäftsprozessen, Kooperationen, Märkten. Und sie lassen sich aggregieren und zu neuem Wissen zusammenfassen. Und genau das war und ist die Kernkompetenz von ERP-Systemen, So gesehen waren ERP-Systeme noch nie so modern wie heute.
Wenn sie nicht so alt wären! Das Hauptproblem lange tradierter ERP-Systeme ist ja gerade, dass sie mehrere Technologieschübe hinter sich haben und nach und nach zusätzliche Aufgaben übertragen bekommen haben. Man kann es kaum glauben: aber Software kann altern und verwittern. Viele monolithische ERP-Systeme, die heute den digitalen Fortschritt eher behindern als fördern, beweisen dies.
Das kann sich ändern, wenn man die Funktionen von ERP-Systemen aufbricht und als Services aus der Cloud bezieht. Nach einer jüngsten Marktuntersuchung von Forrester Research findet genau das statt. Dabei sind nicht unbedingt Lösungen gemeint, wie SAP sie vor einem Jahrzehnt mit Business by Design in den Markt gebracht hat. Damals hat SAP einfach ein weiteres monolithisches Software-Gebilde entwickelt, das sich von seinen Altvorderen nur dadurch unterschied, dass es auf einem Server irgendwo auf dem Globus residierte und nicht im firmeneigenen Hochsicherheitskeller.
Gemeint sind vielmehr hybride Software-Architekturen, in denen On-Premises-Lösungen mit zusätzlichen Funktionen – eben den Services – aus der Cloud integriert und zu neuen Lösungseinheiten zusammengefasst werden. Und es gibt eine Reihe von Kandidaten für diese Services, die ERP-Systeme zum nächsten Level der unternehmensweiten Ressourcenverwaltung und -verplanung bringen:
Office-Integration mit ERP ist heute noch keinesfalls selbstverständlich – wie sie beispielsweise bei Microsoft Dynamics365 und Office365 nahtlos funktioniert. Wer aber sein gut funktionierendes ERP-System nicht für eine Büro-Integration opfern möchte, kann heute Cloud-basierte Lösungen komfortabel einbinden.
Eine solche Two-Tier-Architektur bietet sich auch bei der Einbindung von Predictive Analytics auf der Basis von Big-Data-Tools an. Ebenso stehen heute bereits APIs für die Integration von KI-Anwendungen aus der Cloud bereit.
Interessant ist auch, dass Cloud-Ökosysteme nicht nur um die großen ERP-Lösungen von SAP, Microsoft und Oracle entstehen, sondern auch für den CRM-Spezialisten Salesforce zusätzliche Anwendungen auf der Basis der bereitgestellten Toolbox entstehen. FinancialForce und Kenandy sind beispielsweise Anbieter, die nach und nach auch in Europa bekannt werden.
Vor allem aber ergeben sich wesentliche Erweiterungen rund um das Internet der Dinge, mit denen ERP-Systeme weiter ausgebaut werden. Gerade die Zusammenfassung von Daten aus dem Fertigungsgeschehen in einem Manufacturing Execution System kann nur sinnvoll über die Cloud erfolgen. Das MES agiert dann wie ein Vorschalt-System, das die Daten erst einmal bündelt, da die ERP-Systeme nicht unbedingt für die schnelle Verarbeitung von Massendaten bekannt sind.
Digitalisierung ist eben auch die Digitalisierung der Unternehmensressourcen – oder zumindest der Information über die Ressourcen. Das ist die wesentliche Leistung der ERP-Systeme, seit es Materialbedarfsplanungen gibt.
Das ist zwar Old School, ist aber in Zeiten der Digitalisierung durchaus auch Gold School.