Das Metaversum schlägt zu

Seine Vision von einem Metaversum hat Mark Zuckerberg selbst so sehr überzeugt, dass er gleich sein ganzes Unternehmen umbenannt hat – aus Facebook wurde Meta, sonst ändert sich erstmal nichts. Oder doch? Seit die Vorstellung von einem alles und alle miteinander virtuell verknüpfenden kohärenten „Multiversum“ in der Welt ist, durch das wir in Gestalt unserer selbst geschaffenen Avatare streifen, kaufen, verkaufen, tauschen, chatten und – vor allem – spielen, dreht sich das Übernahme-Karussell immer schneller. Microsofts geplante Übernahme des Spieleherstellers Activision Blizzard für knapp 69 Milliarden Dollar in Cash ist nur der aktuelle Höhepunkt, aber sicher nicht das Ende dieses ganz realen Monopoly-Spiels um die Marktherrschaft im Metaverse.

Denn dies haben die Lenker der Tech-Giganten sofort begriffen, die im Kampf um die Weltherrschaft im Metaversum mitbieten. Erstens: das Metaversum wird kommen, koste es was es wolle. Zweitens: Das Metaversum wird ein Mega-Business. Und drittens: Wer an diesem Metaversum tatsächlich Geld verdienen will, braucht vor allem Content. Und Content steht in diesem Metaversum offensichtlich weniger für eine Wissens-Enzyklopädie wie Wikipedia, sondern vielmehr für zeitfressende Computerspiele, die bereits heute ihren zweifelhaften Charme dadurch entfalten, dass sie die Gamer in eine andere Welt entführen. Früher, als es nur eine Welt – und zwar die reale – gab, nannte man dieses Phänomen Eskapismus, vulgo; Weltflucht.

Dabei ist weder der Begriff „Metaversum“ eine Neuschöpfung des Silicon Valley, noch hat es bislang an Warnungen vor der Wirklichkeitsflucht durch virtuelle Welten gemangelt.

  • Das Metaversum wurde bereits vor genau drei Jahrzehnten Neal Stephenson in seinem Science Fiction-Roman „Snow Crash“ verwendet. Darin entwarf er eine Parallelwelt, in die die Menschen flüchten, um ihren harten Lebensbedingungen in der realen Welt zu entfliehen.
  • Auch Steven Spielberg schuf in seinem Film „Ready Player One“ eine virtuelle Realität, in die die Menschen mittels VR-Brillen fliehen. Die doppelbödige Ironie dabei: Um aus der dystopischen realen Welt zu entkommen, suchen sie Entspannung in einer virtuellen, aber ebenso dystopischen Welt.
  • Und schließlich weist auch die „Matrix“ auf ein Metaversum hin, in dem die Avatare so lebensecht sind, dass sie sich von ihren Originalen nicht mehr unterscheiden und Realität und Virtualität sich miteinander vermischen.
  • Und wer sich noch an die Neuromancer-Romane von William Gibson erinnert, weiß, dass man durch das Sprawl nicht nur der Realität entkommen kann, sondern in ihm auch überwacht wird.

Das alles sind Visionen, die so im Metaversum des Mark Zuckerberg nicht virtuelle Wirklichkeit werden müssen. Aber schon jetzt zeichnet sich ein Weg ab, in dem Computerspiele nicht länger nur ein Milliardengeschäft für sich sind, sondern der vielleicht entscheidende Content, ja sogar die Schlüsseltechnologie für die virtuelle Parallelwelt im Netz sein können. Wer wie jetzt Microsoft, mit Activision Blizzard einen Giganten der Game-Szene zu übernehmen versucht, kauft nicht nur einen Markterfolg wie „Call of Duty“, sondern zugleich eine Marke und nicht zuletzt die Technologie, um Avatare zum Leben zu erwecken.

Das Wettrennen ins Metaversum ist also längst eröffnet – und Facebook, pardon: Meta, ist keineswegs in der Pole-Position. Microsoft arbeitet schon länger ganz konkret an einem Leben im virtuellen Raum – nur dass bislang damit vor allem die Kommunikation in einer zeitlich und räumlich verteilten Arbeitswelt gemeint war. Und diese Aktivitäten haben durch die Corona-Shutdowns zusätzlich Auftrieb erhalten. Aber vor einem guten halben Jahrzehnt präsentierte Microsoft Konzepte und Lösungen wie Windows Holographic, ein virtuelles Computer-Interface, oder mit Holoportation eine Lösung, um Personen bei Videochats als Hologramm ins Büro zu bringen. Und mit der Plattform Microsoft Mesh zeigt Microsoft Pläne für ein Office im virtuellen Raum. Im Grunde sind dies schon Elemente des Metaversums, denn auf der Mesh-Plattform kann man als Hologramm auftreten und im dreidimensionalen virtuellen Raum interagieren.

Mit Microsoft Teams hat das Unternehmen sozusagen eine Einstiegsversion in die hybride Arbeitswelt geschaffen, die Dank Corona von Millionen Angestellten genutzt wird. Mesh setzt darauf auf, um das Office vollends zu virtualisieren. Aber die hybriden Arbeitswelten sind möglicherweise nur ein Nebenschauplatz im Metaversum. Der Homo Ludens, der spielende Mensch, will vor allem seiner Welt entfliehen und sich Ersatzbefriedigungen im Spiel holen. Deshalb will Microsoft knapp 69 Milliarden Dollar in Activision Blizzard investieren.

Auf diesem Weg liegt für Microsoft ein nicht ganz überraschender Stolperstein aus der realen Unternehmenswelt. Die jetzt zu übernehmende Company entspricht – vorsichtig ausgedrückt – in keiner Weise den Compliance- und Etiquette-Guidelines von Microsoft. Schon begehren Mitarbeiter auf, die in Activision Blizzard Sodom und Gomorrha erkennen. Sensibilisiert durch eigene Untersuchungen möglicher sexueller Übergriffe zu Zeiten von Bill Gates, warnen die Mitarbeiter vor der Übernahme dieses Ungeists.

Und auch die US-amerikanische Regierung hat plötzlich Bedenken – wenn auch aus ganz anderen Gründen. Sie will das Übernahme-Karussell wieder verlangsamen und Mega-Deals wie diesen künftig eindämmen. Dann würde das Metaversum nicht zuschlagen, sondern zurückschrecken. Es bleibt spannend – und vielleicht bleibt auch alles Science Fiction, egal ob damit eine Utopie oder eine Dystopie verbunden sein wird.

Deutschlands ITK-Szene: So gut, so schlecht

Deutschlands Anbieter für Informations- und Telekommunikationstechnik sind schlechter Dinge: Das im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom erhobene Stimmungsbarometer der Branche weist dies aus. Nach einem Stimmungshoch Mitte des vergangenen Jahres mit 40,5 Punkten sank der ifo-Digitalindex des Bitkom mit aktuell 24 Punkten wieder auf ein solides Mittelmaß. Ein Jahr wie 2021, als Unternehmen wie Privatpersonen intensiv in die Aufrechterhaltung ihrer Handlungsfähigkeit investierten, gibt es – so scheint die Branche zu fürchten – so schnell nicht wieder.

Aber so schlecht geht es der ITK-Industrie in Deutschland nun auch wieder nicht: 2021 wuchs der kombinierte Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf 178,4 Milliarden Euro. Und für das neue Jahr rechnet der Bitkom mit einem Branchenumsatz von 184,9 Milliarden Euro. Neben den bereits in diesem Industriezweig beschäftigten 1,25 Millionen Menschen sollen weitere 39.000 Jobs geschaffen werden. Das wäre ein Wachstum um knapp drei Prozent.

Aber so gut ist das nun auch wieder nicht: Schon jetzt fehlen über alle Industriezweige hinweg rund 96.000 IT-Fachkräfte. Der Expertenmangel bremst nicht nur die Wachstumspotentiale der digitalen Transformation in Deutschland aus, er bringt uns auch im Innovationswettbewerb mit anderen Ländern weiter ins Hintertreffen. Deutschlands Anteil an den weltweiten ITK-Ausgaben geht Jahr für Jahr zurück und wird 2022 voraussichtlich noch bei 3,9 Prozent liegen.

Aber so schlecht ist das nun auch wieder nicht: Zwar sind Indien (plus 9,1 Prozent) und China (plus 5,3 Prozent) derzeit die unangefochtenen Wachstumsspitzenreiter, doch ihr Nachholbedarf ist ungleich größer als in den industrialisierten Ländern des Westens. Und wenn auch mehr als ein Drittel des ITK-Weltmarkts auf die USA (36 Prozent) entfallen und China mit deutlichem Abstand mit gut einem Neuntel (11,6 Prozent) dahinter folgt – diese Märkte sind allein wegen der deutlich größeren Bevölkerungszahl nicht unbedingt eins zu eins mit Deutschland zu vergleichen. Im Europa der nach wie vor gut abgeschotteten ITK-Märkte ist Deutschland unverändert der mit Abstand größte Einzelmarkt.

Aber so gut ist das nun auch wieder nicht: Seit Jahrzehnten ist SAP der alleinige Vertreter der IT-Branche auf Weltniveau, mit Abstand gefolgt vom ewigen Zweiten Software AG. Im Telekommunikationsmarkt darf man getrost die Deutsche Telekom zu den globalen Playern zählen. Doch der Rest rangiert unter „ferner liefen“. Keines der deutschen Startups hat es zu einer Weltgeltung gebracht, die auch nur annähernd mit der Marktposition von Google oder Facebook vergleichbar wäre. Und trotz einer erneut einsetzenden Konsolidierungsphase im Markt für Unternehmenssoftware ist kein weiterer Großanbieter für ERP, Cloud und eCommerce in Sicht.

Aber so schlecht ist das nun auch wieder nicht: Immerhin hat SAP ausweislich der jüngsten Geschäftszahlen nach einer Phase des Strauchelns wieder Kurs aufgenommen und wächst nunmehr im Cloud-Business mit 26 Prozent schneller als der Markt. Dass SAP vor mehr als einem Jahrzehnt den Markt für Cloud-basierte Anwendungen mit seinem innovativen Angebot namens Business by Design überhaupt erst geschaffen, dann aber nicht besetzt hat, ist einer alten deutschen Krankheit geschuldet: im Erfinden sind sie fix, doch mit Produkten wird es nix.

Aber unterhalb der Produktebene tut sich einiges. Immerhin sind mehr IT-Fachkräfte außerhalb der IT-Branche in Lohn und Brot als innerhalb des Industriesegments selbst. Der Durchdringungsgrad mit Spezialisten für Informationstechnologie und Telekommunikationstechnik ist in den anderen Leitbranchen – allen voran der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, dem Chemie- und Energiesektor – besonders hoch. Sie entwickeln Lösungen für Elektromobilität, smart Factories, smart Cities sowie moderne Materialien, die die Produkte von morgen beeinflussen und damit Umsatzpotentiale der Zukunft bieten. Daran ändert übrigens auch der anhaltende Trend ins Cloud Computing nichts, der gerade von mittelständischen deutschen Unternehmen nicht dazu genutzt wird, IT-Personal einzusparen, sondern intelligent umzuwidmen.

Es gibt angesichts von Klimawandel, digitaler Transformation und Innovationswettbewerb wahrlich genug Wichtiges zu tun, wofür es IT-Skills im eigenen Haus bedarf. Vermutlich besteht ja das größere Wertschöpfungspotential nicht in den ITK- Produkten und -Services selbst, sondern vielmehr darin, was man damit macht. Das wäre eine zweite Chance, die man nicht auslassen sollte.

Nachhaltige Nachzügler

Der Mittelstand in Deutschland gleicht einer Katze mit neun Leben – so oft ist ihm schon erfolglos der bevorstehende Tod vorhergesagt worden. Zugegeben, kleine und mittlere Unternehmen waren die letzten, die den klassischen Büroboten aufgegeben haben, jenen liebenswerten, leicht verschrobenen Mitmenschen, der das gesamte Dokumentenmanagement in seinem Aktenwagen vor sich her schob. Noch in den neunziger Jahren hat man sie vereinzelt durch die Verwaltung der Betriebe schlürfen sehen. Aber wer so lange gezögert hat, hat immerhin eine Reihe von Innovationen in der Büroautomatisierung einfach übersprungen, die jeweils als das Non-Plus-Ultra galten: Rohrpost, Microfiche, Datex P und – ja sogar ISDN. Nur das Fax überlebt – sozusagen als Bürobote 2.0.

Anders lief es beim Management der Fertigungsprozesse, weil dort der unmittelbare Nutzen sofort zu erkennen war – vor allem in den Bilanzen: von der Material-Bedarfsplanung über Produktionsplanung und –steuerung und Enterprise Resource Planning bis zu Electronic Data Interchange und Global Marketplaces zogen die Mittelständler getreulich mit, was ihre globalen Geschäftspartner ihnen vorgaben. Das hatte auch seinen Grund darin, dass mittelständische Unternehmen nur so ihren Platz in den globalen Lieferketten behalten konnten. Insofern war der Mittelstand auch hier eher Getriebener als Treiber.

Das scheint heute in Sachen Digitalisierung nicht anders zu verlaufen. Die von der Akademie der Wissenschaften ausgerufene „Vierte Industrielle Revolution“ – oder „Industrie 4.0“ – fand lange Zeit im Mittelstand keinen großen Widerhall. Erst hatte man wegen der vollen Auftragsbücher keine Zeit für sowas, dann kein Geld. Dann kam Corona und die digitale Revolution kam durch die Haustür ins Homeoffice. Und mit Lösungen zur Zusammenarbeit auch über räumliche Trennung hinweg wurden nicht nur Leben gerettet, sondern das Überleben ganzer Branchen gesichert.

Es ist bemerkenswert, wie schnell mittelständische Unternehmen reagieren können, wenn sie müssen. Darin schlagen sie ihre globalen Partner und erst recht die Öffentliche Verwaltung um Längen. Das zeigt sich jetzt – im dritten Pandemie-Jahr – auch mit Blick auf die vulnerablen Lieferketten. Neue Bezugsquellen, alternative Lieferwege, Online-Bestellungen und intensivierte Kundenkommunikation – all das steht inzwischen bei mittelständischen Managern ganz oben auf der Agenda. 60 Prozent der befragten mittelständischen Manager sagen dies. Oder sollte man sagen: doch nur 60 Prozent?

Denn die Corona-Wellen schlagen immer schneller zu. Es wäre gegen alle Wahrscheinlichkeit, dass nach der fünften, der Omikron-Welle, nicht doch noch eine sechste auftaucht. Mittelstandsforscher sehen eine Corona-Entlastung für den Mittelstand ab Sommer 2022. Doch ist zu befürchten, dass nicht alle kleinen und mittleren Unternehmen dieses Licht am Ende des Tunnels noch sehen werden. Die Bundesregierung hat im Dezember zügig die Mittelstandsbeihilfen erneuert, so dass die größte Not gemildert scheint.

Und schon kommt die nächste Herausforderung: der innovationsgetriebene Kampf gegen den Klimawandel. Er wird nicht nur die Lieferketten beeinflussen, in denen die Partner ihren Nachhaltigkeits-Nachweis erbringen müssen. Er  wird unmittelbar die bestehenden Geschäftsprozesse verändern – schon allein durch die CO2-Bepreisung, die künftig auch an EU-Grenzen für Importe erhoben werden soll. Da rechnet es sich womöglich künftig, Produktionsprozesse wieder in die Europäische Union, wenn nicht nach Deutschland zurückzuholen.

Und ein zweiter Punkt wird die Innovationskraft im Mittelstand fordern: der Mittelstand, besonders die Familienunternehmen, sind stark in  ihrer Region verbunden. Schon jetzt haben vor allem die im Familienbesitz befindlichen Unternehmen Nachhaltigkeits-Projekte angestoßen. Es könnte – bei aller Globalisierung – eine Klima-Innovation aus der Region heraus nach sich ziehen. Das wäre dann eine wahrhaft fünfte industrielle Revolution – ausgerechnet eingeleitet von den nachhaltigen Nachzüglern im Mittelstand.

Der Priol pfeifts vom Dach

Zum Jahreswechsel ist eine neue Merkel-Variante aufgetaucht. Sie verbreitete sich am letzten Tag im Jahr 2021 besonders schnell über die traditionellen Medien während der Neujahrsansprache. Sie verbreitete sich darin vor allem über die Herausforderungen und Chancen im neuen Jahr. Die neue Merkel-Variante wurde vom Willy-Brandt-Haus mit dem griechischen Buchstaben Sigma gekennzeichnet – in Erinnerung an eine der Vorgänger-Varianten, die es zwar zum Parteivorsitzenden gebracht hat, nicht aber ins Kanzleramt. Die jetzige Merkel-Variante geht genau umgekehrt vor, was sie besonders ansteckend macht. Allerdings hoffen Experten auf einen eher milden Verlauf in den kommenden vier Jahren.

Besonders überraschend war allerdings, dass die zentrale Neujahrsbotschaft nicht von der Merkel-Variante verkündet wurde, sondern vom Kanzler der Herzen namens Lauterbach, was ja übersetzt „sprudelndes Wasser“ im Unterschied zum „stillen Wasser“ heißt. Der Gesundheitsminister hat wieder Mal mit seinen Harvard-Freunden telefoniert – O-Ton: „Das sind alles ganz ausgezeichnete Experten, ich kenne sie alle.“ Und die sagen jetzt, dass die Omikron-Variante zwar ansteckender ist als Delta. Dafür fallen aber die Krankheitsverläufe in der Regel weniger dramatisch aus. Und die Kranken fallen weniger lange beim Wirtschaftsaufschwung aus. Denn da brauchen wir jeden Mann und Männin und natürlich auch die diversen Diversen.

Also: die fünfte Welle kommt, aber es wird keine Sturmflut. Mit dieser frohen Botschaft hat der Karl dem Olaf glatt die Neujahrsschau gestohlen. Aber der Olaf regiert ja sowieso von hinten heraus und lässt die Minister machen. Und das läuft, als wäre alles mit Oil of Olaf geschmiert. Da wird angekündigt, was das Zeug hält. Der Christian legt bei den Finanzen nach, der Cem bei den Agrarpreisen, der Robert bei Technologie-Innovationen, mit denen wir unser Klima retten und gleichzeitig den Mittelstand voran bringen. Und Nordstream Zwo ist geopolitisch noch nicht richtig eingeordnet, meint die Annalena.

Da klatschen nicht alle Beifall – vor allem die Unionisten holen sich derzeit Schwielen auf der Oppositionsbank, die dann auch noch nach rechts gerückt ist – physisch im Bundestag und psychisch, wenn der Merz kommt. Sein Zukunftsteam steht schon bereit, wenngleich die Altersstruktur der Kandidaten nicht so wirkt, als könnten sie alle die Zukunft noch erleben. Da wird man mit 76 noch ganz demütig.

Doch vor der Zukunft kommt ja noch das neue Jahr 2022, in dem wir unsere Freiheiten wiedergewinnen sollen werden, vielleicht. Die Freiheit ohne Masken und Moneten. Denn kaum werden wir wieder in die Läden strömen wie in alten Zeiten, wird auch alles teurer. So funktioniert Marktwirtschaft.

Seit dem Neujahrstag gibt es einige Neuerungen, die sich vor allem als Teuerungen erweisen. Energie wird ganz allgemein teurer – nicht nur die aus der Steckdose, sondern auch die aus den Energy-Drinks. Denn auf Dosen wird ab sofort ein Pfand erhoben – allerdings sind Impfdosen von dieser Regelung ausgenommen. Beim Benzin werden noch einmal eineinhalb Cent zugelegt, weil dort die CO2-Abgabe aufgeschlagen wird. Dafür wird die Ökostrom-Umlage gesenkt, mit der umweltfreundliche Anlagen für die Stromgewinnung aus Wind, Sonne und Wasser gefördert werden. Klingt unlogisch? Ist es auch.

Plastiktüten dürfen nicht mehr verkauft werden – aber wegwerfen darf man sie noch. Klingt komisch, ist aber so. Umgekehrt wäre es ökologisch sinnvoller. Überhaupt: erst aus der Kohle aussteigen, dann aus dem Atom. Dann müssten wir auch auf europäischer Ebene nicht klein beigeben und den Kleinmeiler-Befürwortern ihren Sonderweg überlassen. Ist ja nur ein Vorschlag der EU-Kommission, heißt es beschwichtigend. Aber aus Sicht der Öko-Bewegung ist es eher ein Vorschlag-Hammer. Dafür haben sie sich beim Verbot von medizinisch bedenklichen Farben fürs Tätowieren durchgesetzt. Es heißt, BioNtec arbeitet schon an einem neuen Impfstoff für farbige Tattoos.

Und natürlich wird der Mindestlohn erhöht – von 9,60 Euro auf 9,82 Euro. Das soll im Juli auf 10,45 Euro angehoben werden – oder doch gleich auf zwölf Euro, wie es die neue Bundesregierung im Koalitionspapier vereinbart hat. Bis dahin soll auch der Mindestlohn für Künstler – als der Applaus – erhöht werden. Es hilft ja nichts, wenn man vor dem Fernseher Beifall klatscht oder stehende Ovulationen produziert, die niemand bemerkt. Deshalb ist dieser humoristische bis kabarettistische Bonnblog eine kleine Anerkennung für Urban Priol, dessen Jahresrückblick mir aus der Seele gesprochen hat. Man kann in der Mediathek nachholen, wenn man verpasst hat, was der Priol von den Dächern pfeift. Sonst bleibt uns ja nur Nuhr.

Ach ja: Ihnen allen von Herzen noch ein gutes Neues Jahr!