Gesundheit frei Haus

Was haben die Logistik und das Gesundheitswesen gemeinsam? Beide beeinflussen unser Leben Tag für Tag: durch die Belieferung mit den Dingen unseres (täglichen) Bedarfs und durch die Sicherung unseres (täglichen) Wohlbefindens. Dabei ist der Erfolg der Versandapotheken ohne die Leistungsfähigkeit der Logistik – vor allem auf der letzten Meile – nicht denkbar. Und ebenso wie die Logistik wird auch das Gesundheitswesen gerade durch die Digitalisierung der Welt aus den Angeln gehoben und neu wieder zusammengesetzt.

Wie stark beispielsweise das Geschäft mit der Gesundheit ins Internet abwandert, zeigt sich schon daran, dass jede siebte Apotheke in Deutschland inzwischen eine Versandhandelserlaubnis hat. Zwar setzt dabei nur ein Prozent (weniger als 200 Apotheken) überwiegend auf den eCommerce, dennoch haben im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller Internetbenutzer – das sind nach Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken immerhin 31 Millionen Kunden – schon Arzneimittel über das Internet bestellt und sich nach Hause liefern lassen. Zwei Jahre zuvor waren es erst 16 Millionen Kunden oder jeder dritte Internetbenutzer. Dabei können nur rezeptfreie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel online bestellt werden, nicht jedoch die verschreibungspflichtigen Arzneien. Die OTC-Produkte (over the counter – also frei gehandelt) machen zwar nur 15 Prozent des gesamten Pharmaumsatzes in Deutschland aus, stellen aber mehr als die Hälfte aller Packungseinheiten. Ihre Logistik ist kleinteilig, spontan und verzweigt – aus Sicht der Lieferdienste also eigentlich unwirtschaftlich und uninteressant. Aber sie sind der eigentliche Wachstumsmarkt – sowohl aus der Sicht des Gesundheitswesens als auch in der Perspektive der Logistiker.

Deshalb wird sich der Trend laut Hightech-Verband Bitkom weiter beschleunigen: schon heute hat ein Drittel der Deutschen schon mal Gesundheitsdaten über das Internet weitergeleitet, noch mehr würden ihre Befunde gerne digital erhalten. Die Recherche und der Meinungsaustausch zu Gesundheitsthemen sind im Internet das große Ding, Fitness-Apps würde schon die Hälfte der Bevölkerung gerne nutzen, um eigene Daten beim Workout aufzuzeichnen und weiterzuleiten. Und natürlich sind die Kunden auch offen gegenüber neuen Liefermethoden für ihre Gesundheits- und Fitnessprodukte. Wer will schon für eine Packung Aspirin zu Hause warten müssen?

Das sehen die Logistiker kaum anders. Mehr als die Hälfte der Transportdienste kann sich vorstellen, dass sie künftig autonome Fahrzeuge für die letzte Meile einsetzen. Leicht weniger – nach einer Bitkom-Studie sind es vier von zehn Befragten – stellen sich vor, dass künftig Drohnen und Lieferroboter die Aufgabe übernehmen, kleine und kleinste Pakete an den Konsumenten zu liefern. Praktisch alle befragten Logistiker sehen in der Digitalisierung die große Umwälzung ihrer Geschäftsmodelle.

Dabei werden allerdings Drohnen nicht ausschließlich im Lieferservice zum Einsatz kommen, sondern bei der Optimierung der Intralogistik Hilfe leisten. Bereits in zehn Jahren sollen demnach kleine Copter dafür sorgen, dass die Inventur im Lager ständig auf dem neuesten Stand ist. Außerdem können Datenbrillen die Logistiker mit zusätzlichen Informationen versorgen: aus Pick by Voice wird dann Pick by Augmented Reality. Dann – so die Bitkom-Studie – sind es auch schon selbstlernende Systeme, die das Kommissionieren im Lager ebenso optimieren wie die Routenplanung oder das Auslösen von Bestellvorgängen.

Während aber im Gesundheitswesen die Akteure wie Ärzte, Krankenkassen, Krankenhäuser und Apotheken noch weit hinter den Möglichkeiten der Digitalisierung hinterherhinken, sind die Logistiker branchenübergreifend ganz vorne bei der Transformation dabei. 84 Prozent nutzen bereits heute spezielle Lösungen zur Optimierung ihrer logistischen Prozesse. Besonders häufig kommen fahrerlose Staplersysteme zum Einsatz (19 Prozent) oder sind in Planung (26 Prozent). Smarte Container,  Lagerroboter, Datenbrillen und intelligente Handschuhe sind demnach die Werkzeuge, mit denen der Logistiker in naher Zukunft tagtäglich zu tun haben wird.

Beide Bitkom-Studien bestätigen dabei, dass die Digitalisierung vor allem durch das Konsumverhalten immer weiter angefeuert wird. Es sind die Endverbraucher, die immer einfachere Geschäftsprozesse erwarten und mehr Convenience bezahlen wollen. Dass es gleichzeitig auch die privaten Internetnutzer sind, die mit der Herausgabe ihrer Daten die ganze Maschinerie am Laufen halten, ist dabei den wenigsten wirklich bewusst. Aber mit der Digitalisierung wird die Informationswirtschaft – also die Analyse großer Datenmengen und die Ableitung weiterer Geschäftsschritte daraus – über die letzte Meile hinaus bis in die Privatsphäre voranschreiten. Nicht nur in der Logistik, sondern auch im Gesundheitswesen, nicht nur im privaten Verbrauch, sondern auch im individuellen Fitness-Check. So gibt es nicht nur die Gesundheit frei Haus – sondern auch die Gesundheitsdaten.

Heinz-Paul Bonn 2.0

On Thursday, October 22, I was born again. At the baggage carousel in Toronto Airport I suffered a cardiac arrest and was dead – as good as. An air hostess who was standing next to me took a defibrillator from the wall and brought me back to life. I regained consciousness in the ambulance and there I found out about my miraculous rescue. Or maybe it wasn’t so miraculous after all?

In Germany around one in three of an estimated 100,000 people a year who have a cardiac arrest are brought back to life. They, like me, are lucky to have somebody nearby who is willing and able to apply cardiac massage swiftly and correctly. Sudden cardiac death is otherwise the third most frequent cause of death in the Western world. Fifty percent of cases occur in the domestic environment, 50 percent in public.

Compared with the rest of Europe, Germany is something of an also-ran. In Norway, where cardiopulmonary resuscitation is taught at school, the success rate is over 70 percent. In Canada, with around 40,000 cases of sudden cardiac arrest a year, the chance of success naturally depends on the region. In Germany, rescue services must be on the spot in between seven and 12 minutes. In the vast expanses of Canada’s provinces that is not a feasible target. And that makes it all the more important for people to intervene resolutely.

That was what happened to me. I was lucky that my heart stopped beating in an industrialized country – and that it happened at Toronto Airport. I was lucky that a well-trained air hostess was standing next to me and responded correctly and immediately: check, call, act. I was also lucky that my friend Mark Miller, with whom I had an appointment that October 22, rushed over to me in hospital and arranged so much for me. Probably more than I realize. For that I owe him a debt of eternal gratitude. I am also grateful to my loved ones, who flew over straight away from Germany and the U.S. I must also thank Elke Ritschel and Stephan Michels, who from Germany initiated everything that was required to enable me to recover and to expedite my recovery.

But I also experienced the inadequacies of Western healthcare in the arbitrary example of its provision in Toronto. On the way to hospital I had to give the driver his directions from my smartphone because his navigation device was not working or he had entered the wrong address. The list of my medications was useless in Canada because hospital personnel there were not familiar with the product name and I didn’t know the name of the active ingredient off by heart. My insurance company’s consent to bear the costs was not recognized; real money first had to flow before bypass surgery could take place.

That is not a Canadian problem; it is a global problem. In our wonderfully connected world we allow ourselves the luxury of a large number of uncoordinated national healthcare initiatives. Partly for reasons of data security we dispense with a swift and interruption-free flow of information between healthcare institutions. And we are unable to define uniform global name codes for vital medications.

We are working on the Internet of Things, yet we neglect progress on the Internet of Lives. When machines can communicate better with each other, that helps save human lives. But we must take even greater care to ensure that people cooperate when human lives are at stake.

I would like to thank everybody who has helped me over the past few days with friendly, encouraging words. All of them have wavered between two sensations: the feeling of shock at how fast “fate” can strike and the feeling of relief that “luck” stayed on my side. Let those of us who are in a position to change things work to help ensure that luck stands a chance in healthcare and in life in general. You don’t first need to suffer a cardiac arrest…

ERP für die Arbeitswelt 4.0

Wenn ein Softwareanbieter bei seiner Releaseplanung die Ziffer vor dem Punkt weiterzählt, dann weiß der geneigte Anwender: Aha, etwas Großes steht zum Download bereit. Dann sind wichtige architektonische Änderungen zu vermelden.

Dabei sind wichtige Neuerungen in der Architektur meist von langer Hand vorbereitet. Sie bündeln erhebliche Investitionen in Manpower und Innovationen. Und gleichzeitig muss so gearbeitet werden, dass der Migrationspfad für Anwender so sanft wie möglich beschritten werden kann. Es ist – zumindest bei Großanwendungen mit gut und gerne Tausend Personenjahren Entwicklungsleistung wie zum Beispiel Enterprise Resource Planning – ein historisches Ereignis.

Ich will es durchaus historisch nennen, wenn mein Unternehmen – die GUS Group als führender Anbieter von Unternehmenslösungen für die Prozessindustrie und Logistik – mit dem aktuellen Release 6.0 der GUS-OS Suite neue Portale in Richtung Industrie 4.0, Mobile Computing, Social Media, Big Data und einer verbesserten, weil individualisierten Usability aufstößt. „Mit dieser Technologie und dem Upgrade auf GUS-OS Suite 6.0 hat die GUS den Wettbewerb technisch überholt“, sagte der IT-Leiter eines Kunden, der sich im Vorfeld der Ankündigung intensiv mit unseren Plänen auseinander gesetzt hatte. Und was mich besonders freut: Er tat dies auf der Bühne des diesjährigen GUS Kundentreffs nach der Ankündigung des neuen Systems vor seiner Peer-Group, den GUS Kunden.“

Die GUS-OS Suite bedient bereits heute die gewandelten Anforderungen, die in der Arbeitswelt 4.0 an eine Unternehmenslösung gestellt werden. Die Vernetzung von Menschen und Maschinen, der Trend zum mobilen Arbeiten und die Verarbeitung immer größerer Datenmengen stellen die Prozessindustrie und die Logistik vor enorme Herausforderungen und verlangen nach einer Neuausrichtung der ERP-Systeme. Laut einer aktuellen Studie des Marktanalysten Trovarit ist die Usability das mit Abstand wichtigste Nutzungskriterium für Unternehmenslösungen: Bessere Auskunftsfähigkeit, Analysen in Echtzeit, die Einbindung von großen Datenmengen aus Maschinen, Netzwerken und Kommunikationswegen sowie selbstverständlich die Freiheit bei der Wahl der Arbeitsumgebung waren die Designziele für den nächsten ganz großen Wurf.

Das alles sind Elemente der Arbeitswelt 4.0, in der ein „hochgradig individualisierter Standard“ gefordert wird: Nutzer wollen rollen- oder aufgabenbasierte Sichten erstellen, individuelle Layouts für Smartphones oder PCs generieren sowie einzelne Felder ein- und ausblenden, einfärben, sortieren und editieren. Damit kann sich der Anwender auf die entscheidungsrelevanten Informationen konzentrieren.

Doch ein Softwarepaket ist nichts ohne eine Organisation, die diese Anwendung „ans Laufen“ bringt. Wer auf dem Kundentreff den Anwendern zuhörte, die auf der Bühne im Plenum über ihre Projekterfahrungen berichteten, konnte eine wesentliche Message mitnehmen. Die Projektteams der GUS Group sind kompetent, wenn es um die branchenspezifischen Herausforderungen in der Prozessindustrie und Logistik geht. Und sie sind flexibel, wenn es um Methoden zur Einführung der Lösungen, zur Erarbeitung von Designzielen und zur Umsetzung von Unternehmenszielen geht. Die Arbeitswelt 4.0 verändert auch die Art und Weise, wie heute Software in Unternehmen präsentiert und individualisiert eingeführt wird.

Eine wichtige Nachricht dabei: die GUS Group kann Mittelstand. Er ist der Träger unseres Wirtschaftsstandortes Deutschland. Mittelstand ist komplexer als so manches Großunternehmen, weil Entscheidungswege kurz, Nutzenbetrachtungen zielorientiert sind und Ausgaben möglichst effizient genutzt werden. Auch das ist Arbeitswelt 4.0.

Wer sich darauf einlässt, profitiert von seinen Kunden. Das erkenne ich gerne an. Deshalb überreiche ich seit einigen Jahren als Dank und Anerkennung ausgewählten Kunden, die die GUS Group gefordert und dadurch gefördert haben, einen symbolischen, mit einer Benefiz-Spende ausgestatteten Preis: die Goldene Wabe. In diesem Jahr waren es zwei Kunden – das Pharmaunternehmen medac und der Foodhersteller Alpenhain –, denen dieser Preis zukam. Der Grund: Beide haben die GUS Group zu Höchstleistungen im Beratungssektor gezwungen. Ihre Anforderungen zur Unternehmensplanung und Geschäftsprozessoptimierung haben das Bewusstsein für die zukunftsgestaltenden Aspekte einer ERP-Einführung geschärft. Software ist programmierte Beratung. Mit der GUS-OS Suite 6.0 haben wir das erneut umgesetzt.

 

Ganz schön dreist

Diese Mail habe ich noch schnell aus dem Spam-Ordner gefischt, ehe sie im elektronischen Reißwolf landete. „Betreff: Sichern Sie Ihre Daten besser als die Bundesregierung“. Neben dem Bild einer jubelnden Bundeskanzlerin war die Meldung „Hacker-Angriff auf den Bundestag“ und darunter das Versprechen „Mit NovaStor passiert Ihnen das nicht“. Passend dazu gibt es eine Broschüre mit dem urteilenden Titel „Kein Vorbild: Bundesregierung“.

Mal abgesehen davon, dass hier Bundestag und Bundesregierung in einen Topf gestopft werden, ist die Werbung ganz schön dreist. So ungeschützt, dass schon die Installation eines Standardpakets gleich den ganzen Server-Park des Gesetzgebers vor einem Cyberkrieg bewahren könnte, waren die 20.000 Server ja nun doch nicht. Wenn, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière vermutet, ausländische Geheimdienste am Werk waren, darf man getrost von Meistern ihres Fachs ausgehen.

Es hat ohnehin den Charakter einer asymmetrischen Kriegsführung, wenn im Cyberspace Attacken geritten werden. Die Web-Guerilla zielt nämlich in der Regel auf das schwächste Glied in der Verteidigung – und das ist der Mensch als fahrlässiger User.

Daran wird auch das IT-Sicherheitsgesetz nichts ändern, das letzten Freitag verabschiedet wurde. Danach werden Unternehmen mit „kritischer Infrastruktur“ – also etwa Energieversorger oder Telekommunikationsanbieter – auf ein Mindestniveau an IT-Sicherheit verpflichtet. Darüber hinaus sollen dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Vorfälle wie Cyberattacken unverzüglich gemeldet werden. Davon dürften künftig rund 2000 Unternehmen, aber auch Behörden betroffen sein. Das ist eine der Konsequenzen aus dem Angriff auf den Bundestag. Hier soll das BSI nun auch das Mindestniveau für die Infrastrukturen festlegen.

Bereits vor zwei Jahren hatte der BITKOM gemeinsam mit dem BDI und anderen Verbänden eine Studie zum Umgang mit der Meldepflicht und den Mindeststandardvorgaben bei der KPMG in Auftrag gegeben. Immerhin wird Jahr für Jahr jedem zehnten Deutschen durch Angriffe aus dem Web Schaden zugefügt. Während einerseits praktisch alle am Wirtschaftsleben Beteiligten inzwischen über einen Internetzugang verfügen, sind nach Schätzungen bei einem Drittel der Unternehmen keine größeren Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Das Risiko ausgespäht zu werden, ist also erheblich. Ganz ausgeschlossen werden kann diese Gefahr jedoch nie.

Inzwischen scheint festzustehen, dass die seit vier Wochen laufenden Attacken auf die IT-Systeme des Bundestags über E-Mails auf mindestens zwei Rechnern ausgelöst wurden, mit denen Trojaner und weitere Schadsoftware eingeschleust wurden. Damit offenbart sich eine der gefährlichsten Sicherheitslücken überhaupt – neben USB-Ports. Denn Naivität und Neugier sind noch immer die besten Helfer der Net-Angreifer.

Deshalb ist Wachsamkeit das probate Mittel. Es wäre tatsächlich falsch, sich einzig und allein auf die Installation von Schutzmaßnahmen wie Firewalls und Backup-Lösungen zu verlassen. Sie sind notwendig aber nicht hinreichend. Entscheidend sind ebenso Aufklärung und Disziplin der Anwender, die den Hackern mitunter wenn auch nicht willentlich Tür und Tor öffnen. Angriffsziele sind nicht nur Datenbanken, Patente und Geheimberichte. Mehr und mehr werden die im Internet der Dinge aktiven Maschinen Gegenstand der Angriffe sein. Das kann nicht nur die Produktion gefährden, sondern auch die Verbraucher, die mit gefälschten oder verfälschten Produkten konfrontiert werden.

Es ist anzunehmen, dass sich die Einstufung als „kritische Infrastruktur“ schnell auch auf andere Unternehmen und Organisationen anwenden lassen wird – Arzneimittelhersteller und Nahrungsmittelproduzenten, Chemieunternehmen oder Medizintechniker beispielsweise könnten früher oder später in diesen Kreis aufgenommen werden. Dann wird mehr gefordert sein, als ein Security-Bundle aus dem Softwareladen. Das zu behaupten ist – wie gesagt – ganz schön dreist.