Alles nur die Cloud

Das ist nun schon mal eine Ansage: Der Handels-Riese Amazon – oder ist es eher ein Logistik-Riese? – meldet soeben für das erste Quartal einen Überschuss von 724 Millionen Dollar. Das ist nicht nur das achte Quartal in Folge, in dem die Bezos-Company einen Gewinn ausweisen kann, sie legte auch mit 41 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert erstaunlich satt zu. Besonders stark stieg dabei das Geschäft mit den Prime-Kunden, die sich nicht nur einer beschleunigten Belieferung erfreuen, sondern vor allem Filme, Serien und Streaming-Dienste genießen, wie man sie sonst nur bei Netflix bekommt. Aber besonders schön sind die Zahlen aus dem Geschäft mit den Amazon Web Services: der Umsatz aus dem Cloud-Business stieg um 43 Prozent auf satte 3,7 Milliarden Dollar. Bei einem Gewinn von 890 Millionen Dollar aus der Cloud-Sparte subventioniert der Sektor damit andere Investitionen quer. Die Quintessenz aus der Quartalsbilanz kann nur lauten: Es ist alles nur die Cloud.

Aber was ist das für eine Ansage: die Konzernholding Alphabet, die gemessen am Umsatz zu 99 Prozent aus Google besteht, meldete zwar mit 24,8 Milliarden Dollar einen geringeren Quartalserlös als Amazon (34 Milliarden Dollar), konnte aber mit 5,4 Milliarden Dollar einen Rekordgewinn ausweisen, von dem Amazon nur träumen kann. Neben den Werbeumsätzen aus der Suchmaschine und den Einnahmen aus Hardware rund um das Betriebssystem Android sind es vor allem die Cloud-Geschäfte, die Alphabet-Aktionäre glücklich machen. Sie stiegen auf einen Umsatzanteil von 13 Prozent und subventionieren inzwischen auch die anderen, stark defizitären Holding-Aktivitäten mit. Die Quintessenz aus der Quartalsbilanz kann nur lauten: Es ist alles nur die Cloud.

Und was ist das für eine Ansage: Angetrieben durch das im Dezember übernommene soziale Netzwerk LinkedIn steigerte Microsoft seinen Quartalsumsatz um acht Prozent auf 22,1 Milliarden Dollar und generierte daraus einen Gewinn von 4,8 Milliarden Dollar. Die Einbußen bei Surface-Tablets wurden dabei mehr als gut durch die Cloud-Geschäfte rund um Azure kompensiert, die sich ebenso fast verdoppelt haben wie die Erlöse mit der Cloud-Variante der Bürosoftware Office. Die Quintessenz aus der Quartalsbilanz kann nur lauten: Es ist alles nur die Cloud.

Wer noch daran Zweifel hegt, dass sich mit Cloud-Computing Geld verdienen lässt, der sollte spätestens in den ersten drei Monaten dieses Jahres eines Besseren belehrt worden sein. Obwohl alle drei Anbieter im wesentlichen Cloud-Angebote als Infrastrukturmaßnahmen unterbreiten und erst allmählich auch dazu übergehen, eigene Cloud-Anwendungen zu Zukunftstechnologien wie Big Data-Analysen, künstlicher Intelligenz, Machine Learning oder Spracherkennung zu weiteren Umsatz- und Gewinnbringern auszubauen, trägt das Geschäft aus der Web-Wolke inzwischen dreistellige Millionenbeträge zu den Konzernergebnissen bei.

Das wird sich weiter steigern, wenn im Jahr 2020 rund 50 Milliarden Endgeräte als User im Web aktiv sind – mehr als zwei Drittel davon, ohne dass ein Mensch hinter den dann entfalteten Webaktivitäten steht. In der Tat sind das Internet der Dinge und Anwendungen à la Industrie 4.0 ohne Cloud-Dienste nicht denkbar. Irgendwo müssen die Daten, die von Myriaden von Maschinen rund um den Globus und rund um die Uhr ausgespuckt werden, ja zwischengespeichert werden. Und irgendwo müssen sie verarbeitet und ausgewertet werden, wenn aus den Daten Informationen und aus den Informationen Erkenntnisse über das Produktionsgeschehen generiert werden sollen. Das ist Cloud-Computing at its best.

Wir können getrost davon ausgehen, dass sich in weniger als einer Dekade der Großteil des Datenverkehrs, der über das Internet der Dinge ausgespuckt und verteilt wird, in der Cloud abspielen wird, die nicht nur die Infrastruktur für den Datenstrom liefern wird, sondern auch die Plattformen für ihre Verarbeitung bereitstellt. Es wird dabei nicht bei den drei Giganten – Amazon, Alphabet und Microsoft – bleiben. Nach langen, leidvollen Quartalsverlusten strebt auch IBM mit dem Cloud-Business wieder nach der Krone der Marktführerschaft. Auch die Deutsche Telekom und die Steuerberatergenossenschaft DATEV haben – mit dem deutschen Datenschutz im Rücken – das Zeug, sich im Geschäft mit kritischen und zu schützenden Daten in der Cloud Weltruhm zu verschaffen.

Denn es sind die Kunden, die mit ihrem Schwenk von OnPremises zur Cloud diese Erfolgsberichte überhaupt erst möglich machen. Sie entscheiden sich nicht einmal grundsätzlich dafür, die eigene IT-Abteilung durch die Cloud zu ersetzen. Sie setzen vielmehr auf Hybridlösungen, in denen traditionelle Unternehmenslösungen vor Ort weiter geführt werden, aber zusätzliche Computerleistung für Services und Datenspeicher aus der Cloud zugekauft werden.

Es ist an der Zeit, dass Europa in diesem Geschäft massiv nachrüstet – über die Offerten von Telekom, SAP oder DATEV hinaus. Sonst wandert das Zukunftsgeschäft ins Ausland ab. Denn dann ist wirklich alles nur geCloud.

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