180604 Boom

Digital ist nicht gleich digital

Die Weltwirtschaft boomt – trotz drohender Handelskriege und Schuldenkrisen. Zwar gibt es erste Eintrübungen im Aufschwung, doch der private Konsum scheint ungebrochen. Kein Wunder also, dass mittelständische Unternehmen investieren wie lange nicht. Angesichts überfüllter Auftragsbücher und Reichweiten bis in das nächste Jahr hinein haben gerade Unternehmen im Familienbesitz, die für gewöhnlich aus den eigenen Finanzmitteln heraus investieren, die Gewissheit, dass die Konjunktur Substanz hat und die Investitionen von heute auch morgen noch tragen.

Dabei zeigen die Konjunkturbarometer derzeit kein einheitliches Bild. Anders als der Ifo-Geschäftsklimaindex ist der Mittelstandsindikator der DZ Bank noch immer aufwärtsgerichtet. Den Unternehmen geht es aber nach beiden Indizes gut und sie versuchen daraus zunehmend Kapital zu schlagen. Ein Viertel der Mittelständler plant unter anderem auf der Basis der Vollauslastung, ihre Preise demnächst zu erhöhen, haben die Ökonomen der DZ Bank in ihrem Frühjahrsbericht ermittelt. Im vergangenen Halbjahr haben bereits 37,6 Prozent der Unternehmen die Preise angehoben.

Auch wenn die Spitzenwerte der letzten Quartale Vergangenheit sind: Angesichts der unverändert boomenden Konjunktur investieren die mittelständischen Unternehmen hierzulande in drei Richtungen:

  • Sie wollen erstens ihre Kapazitäten ausweiten. Dabei zielen sie auf zusätzliche Fertigungsstraßen und denken sogar mit den Betriebsräten über eine dritte Schicht nach.
  • Sie investieren zweitens in eine erhöhte Effektivität, indem sie die Fertigungsprozesse über das gesamte Liefernetzwerk und in den eigenen Hallen optimieren.
  • Und sie investieren in die Weiterentwicklung ihrer Produkte. Denn die Entwicklungsarbeiten von heute bestimmen die Nachfrage von morgen. Tatsächlich hat der deutsche Mittelstand durchaus den Ruf, an der Spitze der Sach- und Fach-Innovationen zu stehen.

Aber er hat auch den Ruf, die digitale Wende zu verschlafen. Seit gut einem halben Jahrzehnt ertönen die Kassandra-Rufe über den Mittelstand, der die nächste und übernächste Technologiewelle verschläft, weil er pragmatisch an das aktuelle Geschäft denkt und dabei das Business von morgen übersieht. Tatsächlich betonen mittelständische Entscheider in jeder Studie, die zu diesem Thema aufgelegt wird, dass sie in Effektivitätssteigerung, Kostensenkung und Senkung der Kapitalbindung investieren. Auf der anderen Seite des Atlantiks geben die Unternehmer hingegen zu Protokoll, dass sie in die Ausweitung der Märkte, in die Erhöhung der Umsätze und die Verbesserung der Kundenkommunikation investieren. Alle drei Zielsetzungen sind Königsdisziplinen des digitalen Wandels. Die deutschen beziehungsweise europäischen Investitionsziele hingegen sind die Erträge aus der guten alten Geschäftsprozessoptimierung – ohnehin seit Jahrzehnten eine Paradedisziplin des deutschen Mittelstands.

Wie viel Digitalisierung wirklich in den Investitionsplänen des deutschen Mittelstands steckt, hat jetzt dankenswerterweise die Fachhochschule St. Gallen für den „großen Kanton“, wie die Schweizer ihren nördlichen Nachbarn nennen, ermittelt. Dabei zeigt sich: digital ist noch lange nicht digital. Denn welche Technologie und welchen Einsatzbereich die Mittelständler tatsächlich mit dem Begriff „Digitalisierung“ assoziieren, scheint äußerst unterschiedlich zu sein. So endet für viele das digitale Engagement bereits bei der Erstellung einer eigene Webseite mit Webshop, bei einem kundenorientierten Newsletter oder bei einer Kunden-Hotline, die rund um die Uhr verfügbar ist.

Generell wird Digitalisierung zwar mit den Begriffen wie Digitale Marktplätze, Plattformen, Big Data, Industrie 4.0, Digitale Fertigung, Online Marketing, Internet der Dinge (IoT) verbunden – die Investitionen in diesen Segmenten stehen dahinter aber weit zurück. Dabei gibt es nicht den Mittestand. Das Verständnis und der Durchsetzungsgrad der Digitalisierung ist je nach Branche unterschiedlich. Wo aus Kapazitätsgründen in neue Fertigungsstraßen investiert wird, nimmt auch die Digitalisierung Einzug. Wo hingegen neue Geschäftsprozesse durch Digitalisierung neues Business bringen könnte – in so unterschiedlichen Branchen wie Gastronomie und im Baugewerbe beispielsweise – hält der digitale Wandel derzeit kaum Einzug.

Und generell kann gesagt werden: Wo Digitalisierung eine (disruptive) Veränderung der Produkte, der Kundenkommunikation oder gleich des gesamten Geschäftsmodelles bedeuten würde, ist die digitale Veränderungsbereitschaft noch gering ausgeprägt.

Das klingt gefährlich. Denn wo die Risiken der Digitalisierung höher eingeschätzt werden als deren Chancen wird womöglich übersehen, dass kein digitaler Wandel das größtmögliche Risiko bedeuten würde.

Digital ist nicht gleich digital. Aber egal sollte es auf keinen Fall sein.

 

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