200629 Wolke

Mit Sicherheit im Umsatzplus

Vor knapp einem Jahr, auf einer der letzten internationalen Partnerveranstaltungen, die Microsoft noch physisch organisierte, ermahnte Vorstandschef Satya Nadella das Ökosystem aus Mitarbeitern, Partnern und Kunden, da die Nachfrage nach Informationstechnologie in den kommenden zehn Jahren möglicherweise schneller wächst als die Kapazitäten der Anbieter, diese Nachfrage auch zu bedienen. Die Zahlen klangen in der Tat berauschend: während aktuell etwa fünf Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung für IT ausgegeben werden, sollten es 2030 rund zehn Prozent bei einer dann deutlich größeren internationalen Wertschöpfung sein.

Das war freilich vor dem Ausbruch von CoVid 19. Jetzt gehen die Wirtschaftsforscher allein für Deutschland von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von fünf Prozent im laufenden Jahr aus – verursacht durch den Shutdown der Industrie, die Mobilitätseinschränkungen und den gegenwärtigen Konsumverzicht im privaten Sektor. Doch die ITK-Branche – oder zumindest die Internetwirtschaft – ist davon weniger stark betroffen, wie jetzt der eco-Verband zusammen mit den Analysten von Arthur D. Little ermittelte. Danach sinkt der Umsatz im und ums Web 2020 nur um 1,2 Prozent auf dann noch 145 Milliarden Euro – nach 147 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt nimmt also relativ zu. In zwei Jahren soll sich die Branche vom Pandemie-Schock wieder erholt und das Niveau von 2019 erreicht haben. Und für 2025 soll der Anteil der Internetwirtschaft an der Wertschöpfung bereits sieben Prozent ausmachen – dank eines durchschnittlichen jährlichen Wachstums von 9,5 Prozent. Dann sollen rund eine halbe Million Menschen einen Branchenumsatz von satten 253,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Nachfrage nach Informationstechnologie ist also trotz – oder sogar wegen – der Corona-Konjunkturdelle weiterhin auf dem Vormarsch.

In der Tat vollzieht sich derzeit ein globaler Schwenk in Richtung Digitalisierung mit einer Dynamik, die vor einem Jahr noch undenkbar schien. „Jetzt geschieht in zwei Monaten, was ansonsten zwei Jahre benötigt“, urteilt Satya Nadella heute. Er muss es wissen, denn Microsoft profitiert wie kaum ein anderes Unternehmen vom Corona-induzierten Nachfrageboom nach Cloud und Edge Computing, Remote Work und vor allem Sicherheits-Features. Denn je mehr Informationsverarbeitung in die Cloud – und damit ins Internet – abwandert, desto wichtiger wird das Thema Security. Und tatsächlich ist nach der eco-Umfrage das Servicesegment der einzige Technologiebereich der Internetwirtschaft, der in diesem Jahr keinen Umsatzeinbruch erleidet. Security sells.

Plattformen, Infrastruktur und Software „as a Service“ boomen derzeit, weil immer mehr Betriebe damit ein Überleben in der Corona-Krise verbinden. Das stimuliert vor allem die Nachfrage nach Cyber Security. Dieser Layer wird nach den Schätzungen von Arthur D. Little mit rund 17 Prozent jährlich überdurchschnittlich wachsen – und sich innerhalb von fünf Jahren auf 30 Milliarden Euro nahezu verdreifachen. Tatsächlich, so ermittelte der Deutsche Cloud Monitor von Bitkom und KPMG zeitgleich, sind schon drei von vier deutschen Unternehmen „irgendwie“ in der Cloud. Das muss nicht bedeuten, dass bereits die gesamte IT ausgelagert ist. Auch die Unterstützung der Mitarbeiter im Home Office oder die Nutzung von externen Datenspeichern ist bereits ein Dienst aus der Wolke. Aber der Trend zur immer intensiveren Nutzung geht einher mit der weiteren Verbreitung von Cloud-Services.

Und auch hier zeigt sich, dass Security oberste Priorität gewinnt.  Das zeigen die wichtigsten „Must-haves“ aus der Sicht der Cloud-Kunden: Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung (96 Prozent), eine transparente Sicherheitsarchitektur (88 Prozent) sowie die Möglichkeit, Cloud-Daten verschlüsseln zu können (77 Prozent). Auch der Datenspeicherort ist für viele Cloud-Nutzer und -Planer ein wichtiges Thema. Für zwei Drittel (65 Prozent) darf das Rechenzentrum des Anbieters ausschließlich im Rechtsgebiet der EU stehen. Ähnlich viele (63 Prozent) wollen, dass der Hauptsitz des Cloud-Anbieters ebenso dort ist (63 Prozent).

Ebenso spannend ist, dass Cloud-Computing inzwischen wie ein Synonym für die Digitalisierung schlechthin gewählt wird und für 69 Prozent ist es die Grundvoraussetzung, die eigenen Geschäftsprozesse zu modernisieren und zu straffen. Immerhin gut halb so viele (38 Prozent) wollen mit Hilfe der Cloud sogar ihr komplettes Geschäftsmodell überarbeiten. Aber auch hier gilt: strenge Sicherheitsvorkehrungen sind die Voraussetzung für kommendes Wirtschaftswachstum. Vielleicht kommt die europäische Cloud-Initiative GAIA-X, wenn auch spät, genau zur rechten Zeit.

 

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