Ein Verb wird 15

Ist es nicht merkwürdig, dass Apple seiner iOS 7-Oberfläche ein Farbschema aufgedrängt hat, das verdächtig nach Android aussieht? Kann es sein, dass Apple, die Ikone der Iconisierung, seine gestalterische Vormachtstellung an Google verliert? Immerhin ist Apple noch nie gelungen, was Google innerhalb kürzester Zeit schaffte – den eigenen Firmennamen zum weltweit verstandenen Verb zu verewigen. Wer appelt schon? Oder ituned jemand? Wer sagt: „Ich muss das jetzt mal padden.“ Aber googeln, das tun wir alle. Jeden Tag, wenn´s geht.

Seit 15 Jahren tun wir das, obwohl wir die ersten Aufrufe der Suchmaschine mit der supereinfachen Benutzeroberfläche – ein Eingabefeld, ein Such-Button – damals noch nicht mit diesem Verb belegten. Das kam erst um die Jahrtausendwende, als sich auch der internationale Stoßseufzer  verbreitete: „Was haben wir früher nur ohne Google gemacht?“

In der Tat: Volltextsuche im gesamten pentabyte-weiten Datenraum des Internets in Sekundenschnelle, das ist zwar immer nur ein kleiner Webseitensprung für den Einzelnen, aber ein Quantensprung für die Informationsgesellschaft. Was macht es schon, dass die Suchergebnisse ein wenig manipuliert sind, dass wer zahlt auch auf der ersten Seite anschafft. „Corriger la fortune!“ (Die Floskel habe ich sicherheitshalber noch schnell gegoogelt.)

Dass dabei Interessensprofile mitgeschrieben werden, haben wir bis zu den Snowden-Enthüllungen achselzuckend zur Kenntnis genommen. Was ist schon dabei, wenn wir durch unser Abfrageverhalten Suchergebnisse beeinflussen, wenn wir Werbeeinblendungen optimieren helfen. Die kontextspezifischen Anzeigenschaltungen sind immerhin so erfolgreich, dass Google vom jährlichen Online-Werbemarkt mit einem Gesamtvolumen von 117 Milliarden Dollar 32,8 Prozent abgreift; der nächste, Facebook, nur 5,4 Prozent!

Mit den Einnahmen entstanden und entstehen im Googleplex weitere marktbeherrschende Innovationen: Chrome ist seit gut einem Jahr der meistgenutzte Browser (vor Microsofts Internet Explorer), Android ist mit einem im zweiten Quartal 2013 gemessenen Marktanteil von 79 Prozent das mit Abstand führende Smartphone-Betriebssystem (Apple iOS kommt auf 14 Prozent). Straßenansichten, Internet-Brille, autonomes Fahren – es gibt nichts, was Google nicht probiert.

Dabei dürfte Google inzwischen hinter der NSA über das weltweit beste Personalprofil seiner insgesamt 1,1 Milliarden Suchmaschinennutzer (Dezember 2012) verfügen. Aus 114,7 Milliarden Suchanfragen im Monat (ebenfalls Dezember 2012) lässt sich mit Big Data-Methoden schon einiges herauslesen.

Beispiele gefällig?

Grippewellen werden ebenso vorhergesagt wie die Gewinner des European Song Contest oder die steigende Arbeitslosigkeit im Jahr 2008. Ökonomen greifen immer häufiger auf die Echtzeitdaten, die Google liefern kann, zurück.

Dass aber auch die Routenplanung in Google-Maps zu individuellen Bewegungsmustern zusammengesetzt werden kann, dass Wortfelder der Suchabfragen zu Interessens-, aber auch Gesinnungsprofilen herangezogen werden können, dass Metadaten der Gmails zu Kontakt-Netzwerken kombiniert werden können – all das ist seit Bekanntwerden der Zusammenarbeit der Internet-Giganten mit den Geheimdiensten keine Bagatelle mehr.

Jetzt geht Google einen Schritt weiter. Statt der klumpigen Cookies, mit denen Internet-Marketiers weltweit das Verhalten ihrer Klientel nachverfolgen, setzt Google nun auf spezielle Filterverfahren und Identifikatoren, die dabei helfen sollen, das Internet-Verhalten unabhängig von der genutzten Plattform (Desktop, Laptop, Smartphone) zu beobachten. Was nützt Anonymität im Internet, wenn das persönliche Verhaltensmuster so individuell ist wie ein Fingerabdruck?

Ist das alles wirklich erst 15 Jahre jung? Google wird sich in den nächsten Jahren von der Suchmaschine zur Findemaschine weiterentwickeln. Vielleicht sagen wir dann nicht mehr „ich habe gegoogelt“, sondern „ich wurde gegoogelt“ – im Sinne von: „erwischt“. Oder doch: veräppelt?

Neue Fische im Teich

Also das ist jetzt kein Blog zur Bundestagswahl 2013. Auch wenn dort neue Fische im Teich die klassische Mehrheits-Arithmetik durcheinander gebracht haben…

Es geht um neue Märkte und ihre neuen Protagonisten. – Zum Beispiel in der Weltraumfahrt.

Im vergangenen Jahr dockte die unbemannte Raumkapsel „Dragon“ an der internationalen Raumstation ISS an, um anstelle der ausgemusterten Space Shuttles Material hinaus und Müll hinab zu bringen. Es war nicht nur der erste private Flug in Richtung auf die mit internationalen Steuergeldern finanzierte Station. Es war auch der Start in ein milliardenschweres Transportgeschäft. Die NASA hatte nämlich dem Unternehmen nach dem geglückten Erstflug einen Auftrag im Wert von 1,6 Milliarden Dollar erteilt und damit zwölf weitere ISS-Anflüge bestellt.

Elon Musk, die südafrikanische Unternehmer-Ikone, wollte mit Space X eigentlich zum Mars. Das ist aber vorerst noch ein bisschen weit. Und das Geschäft mit den Speditionsflügen zur ISS ist auch irgendwie lukrativ. Neben den großen Raumfahrtagenturen und ihren über Jahre an fetten Trögen träge gewordenen Zulieferern etabliert sich plötzlich ein schlankes, dynamisches Unternehmen.

Das Geld kann Musk nicht nur in die Weiterentwicklung seiner Raumfahrtträume stecken, sondern auch in den Ausbau der Elektromobilität. Denn zum Musk-Imperium gehört auch der Newcomer Tesla, der Japanern, Chinesen, Amerikanern, Deutschen und Franzosen zeigt, wie man ein Elektroauto baut, das nicht nur weite Strecken überwindet, sondern dabei auch noch dynamischen Fahrspaß bietet. Auf der IAA – der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt – gehörte Tesla mit der S-Limousine für 70.000 Dollar wieder zu den Highlights des Elektro-Fahrgeschäfts.

Die traditionellen Automobilbauer konstatieren, dass Tesla eine ganze Menge weniger Gepäck im Rücken hat und deshalb schneller als andere westliche Autobauer agieren kann. Der neue Wettbewerber kommt allerdings reichlich ungelegen angesichts der Aufholjagd, die im Elektromobilitätsmarkt läuft. Das gilt auch für Google, die plötzlich mit einem autonomen Fahrzeug durch Kalifornien stromert. Während Daimler mit einer fahrerlosen Testfahrt an die historische Fahrt von Bertha Benz 1888 anknüpft, fährt Google mit eigener Technik allen davon – kopflos, aber nicht hirnlos.

Und wer erinnert sich nicht an die lustigen Kamerafahrten der Google-Autos, die vor einem knappen halben Jahrzehnt weltweit in den Großstädten Fassaden ablichteten und damit eine neue Straßenansicht (Street View) offerierten. Damals war es noch ein Skandal, dass bei der Gelegenheit auch gleich alle ermittelten WLANs registriert wurden. Deren Daten helfen heute dabei, für Smartphones ein hinreichend genaues Positioniersystem zu bieten, ohne dass dabei gleich das amerikanische Global Positioning System oder das (milliardenschwere) europäische Galileo-System genutzt werden müsste. Während die Europäer noch mühsam Satellit um Satellit ins All hieven, werden sie von einem Privatanbieter mit einem Nebenprodukt überholt.

Und jetzt? Jetzt investiert Google auch noch in die Suche nach dem Jungbrunnen für Jedermann. Zusammen mit Apple und dem CEO von Genentech, Arthur D. Levinson, soll die neu gegründete California Life Company (Calico) den Zusammenhang zwischen bestimmten Erkrankungen und dem Alterungsprozess untersuchen. Dazu werden Tausende von klinischen Studien herangezogen und analysiert.

Es ist schon faszinierend. Wo etablierte Unternehmen sich mit heftigsten Investitionen mühsam Innovationen erkaufen, stürmen agile Companies mit einer Leichtigkeit an ihnen vorbei, dass sich der Fachmann wundert und der Laie die Augen reibt. Wo man hinschaut, entstehen Wettbewerber, die bislang nicht auf dem Radarschirm waren. Google ist das beste Beispiel für einen globalen Diversifizierer, der alles und jedes Geschäftsmodell in Angriff nimmt, bei dem Big Data eine Rolle spielen könnte.

Denn das ist das Geheimnis von Google. Es lernt aus der Intelligenz des Schwarms, dessen Bewegungen von Google minutiös nachgeführt werden. Am Ende entdeckt Google Trends aus Spuren, die andere unbewusst lesen.

Google hat auch ermittelt, dass seit dem 22. September 20 Uhr Ortszeit die Abfragen nach Rot-Rot-Grün deutlich vor denen nach Schwarz-Rot und Schwarz-Grün liegen.

Aber dieser Blog ist ja kein Nachwahlblog.

Silicon Wellies

Während der Herbst wolkenbruchartig Einzug hält über Europa, wenden sich die Gedanken schon mal jenem Kellerregal zu, auf dem die guten, alten Gummistiefel seit dem verregneten Frühjahr treu ausgeharrt haben. Ach ja, die guten alten Wellies, wie die Briten sie nennen in stolzer Erinnerung an ihren Duke of Wellington, der nicht nur bei Waterloo siegte (mit Unterstützung der Preußen, wohlgemerkt), sondern der auch die „Hessischen Stiefel“ zu kriegstauglichem Schuhwerk weiterentwickelte.

Das war´s dann auch schon mit der europäischen Erfindungsgabe in Sachen Gummistiefel. Denn 1840 revolutionierte der aus dem US-Staat Connecticut stammende Charles Goodyear die Gummiherstellung, indem er die Masse vulkanisierte und richtig wetterfest machte. Im Ergebnis vertickten die Amerikaner den Europäern ihre eigene Erfindung zurück und wandten sich anderen europäischen Innovationen zu – dem Webstuhl und später dem Computer beispielsweise, die doch noch einige US-amerikanische Verbesserungen benötigten, um wirklich globale Marktreife zu erlangen.

Als wär´s eine „Geschichte in der Nussschale“ avancierte der finnische Papier- und Gummihersteller Nokia vor 46 Jahren zum skandinavischen Telekommunikationskonzern und sogar zu Europas größtem Mobilfon-Unternehmen. Schließlich scheiterte Nokia jedoch – zuerst in einer Kooperation mit Siemens, später aber auch aus eigener Kraft. Jetzt kauft Microsoft mit Hilfe von weltweit herumliegenden Spargroschen im Gesamtvolumen von 5,44 Milliarden Dollar das Kerngeschäft.

Der Schritt ist so logisch wie nur was. Nachdem Microsoft 2011 mit rund einer Milliarde Dollar die Entwicklungsrichtung bei Nokia auf Windows Phones – also jetzt Windows 8 oder 8.1 – ausgerichtet hatte, seit Microsoft mit der eigenen Tablet-Produktion begonnen hat, das Geschäft mit Mobile Devices anzukurbeln, seit Microsoft sich Apple als Vorbild für eine vertikal ausgerichtete End-to-End-Company auserkoren hat, ist es selbsterklärend, dass die europäische Smartphone-Produktion über kurz oder lang in die Hände der Amerikaner gelegt werden würde.

Der Business Case ist selbsterklärend: Wenn Microsoft künftig statt zehn Dollar pro Handy 45 Dollar Bruttoerlös erzielen kann, dann ist das bei angestrebten 50 Millionen Einheiten (die Schwelle zur Gewinnzone) eine einfache Matheaufgabe – vorausgesetzt, man lässt sich von großen Zahlen nicht abschrecken. Und wenn dann noch 600 Millionen Dollar zusätzlich an Synergieeffekten durch das Zusammenlegen von Entscheidungsgremien, Entwicklung, Marketing und Vertrieb erzielt werden können – dann ist das einfach ein Deal, dem man nicht widerstehen kann. Die Frage ist allenfalls: Warum hat Microsoft bis 2013 gewartet?

Denn die Zeit drängt, um die Defizite gegenüber Android/Google und iOS/Apple auszugleichen. Die jetzt proklamierte Erkenntnis „Geräte helfen Services, und Services helfen Geräten“ ist ja fast ebenso ein No-Brainer wie der ebenfalls jetzt entdeckte Dreisatz, der Erfolg von Mobiltelefonen sei wichtig für den Erfolg von Tablets, deren Erfolg wiederum wichtig für den Erfolg von PCs. Diese Erkenntnis treibt seit Monaten nicht nur diesen Blog an.

Insofern wäre die Übernahme des größten Teils von Nokia eigentlich gar keinen Bonnblog wert. Es ist so naheliegend, wie die Tatsache, dass die Deutsche Bahn die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs in Mainz schaffen musste. Dieser Bonnblog handelt eigentlich von Europäern und ihren Gummistiefeln.

Wir erleben den soundsovielten Ausverkauf europäischer Unternehmen der IT in Richtung USA. Zuletzt hatte sich ja Europas größter Softwarekonzern mit der angedeuteten Verlagerung des Stammsitzes ins Silicon Valley sozusagen selbst veräußert. Die platte Motivation hinter einem solchen Schritt: Nur bei den Angesagten finde sich der Erfolg. Das beste Karriereziel eines europäischen Startup-Unternehmers ist es demnach, von einem amerikanischen Investor übernommen zu werden.

Die Bundeskanzlerin mahnte unlängst angesichts der amerikanischen Ausspähaktivitäten die Entwicklung eigener (unabhängiger) Technologien an. Router beispielsweise kämen entweder aus Amerika oder aus Asien – was darin an systemgestützten, abhörunterstützenden Funktionen existiere, entziehe sich europäischer Einflussnahme. Kann das so bleiben?

Nur, wenn wir nichts unternehmen. In wenigen Jahren werden nicht Menschen die Mehrheit der Internet-Teilnehmer sein, sondern Maschinen. Die selbststeuernden Prozessschritte sind Europas, ja Deutschlands (bislang) unangefochtene Domäne. Schon 15 Prozent der mittelständischen Fertigungsbetriebe hierzulande setzen selbststeuernde Produktionssysteme ein, sagt eine aktuelle PAC-Studie. Industrie 4.0 ist vielleicht eine der letzten europäischen Bastionen im internationalen Technologiewettlauf. Gummistiefel sind vielleicht gar nicht so schlecht, wenn ihre Herstellung und ihre Funktionen neue Welten eröffnen. Statt auf das Silicon Valley zu starren, sollten wir uns – im übertragenen Sinne – auf „Silicon Wellies“ konzentrieren.

Glasnost und Perestroika

Das Selbstopfer, das Microsofts CEO, Steve Ballmer mit seiner Rücktrittsankündigung erbracht hat, scheint – zunächst einmal – den medialen Blutrausch beendet zu haben, in dem seit gut einem Jahr der Kopf des Gates-Nachfolgers gefordert wurde. Und wie gerufen kommen da die Gerüchte um die Windows-Versionen 9, 9.1 und 10, die in diesen Tagen Microsoft-intern vorgestellt werden sollen. Statt über den Nachfolger von Steve Ballmer zu spekulieren, kommen jetzt die Mutmaßungen über den Windows 8-Nachfolger. Wir machen natürlich mit…

Während Windows 8.1 gerade erst die nötigsten Reparaturen am Design der neuen Kacheloberfläche behebt, sollen das 2014 auf den Markt kommende Windows 9 bereits wieder etwas mehr an der luftigen Oberfläche der erfolgreichen Version 7 anknüpfen. Ob dies nun ein Rückschritt oder Seitensprung in der Entwicklungsplanung sein wird, sei einmal dahingestellt. Der ganz große Sprung nach vorn soll ohnehin erst mit Windows 10 kommen, das in Teilen Cloud-basiert sein wird und – schaut, schaut – über Augensteuerung verfügen soll. Nicht vor 2016 ist damit zu rechnen – wir haben also noch Zeit fürs Augentraining.

Große Software-Gewerke wie ein Windows-Betriebssystem brauchen ihre Planungs- und Realisationszeit. Das steht sicher außer Frage. Auch andere globale Softwareanbieter wie beispielsweise SAP oder Oracle denken in Mehrjahreszyklen, wenn sie ihre Lösungsangebote vorantreiben wollen. Auch Siemens dachte stets in großen Zeitzyklen – und musste zuletzt erkennen, dass sich die Zeiten schneller ändern als es die Verfasser von Fünfjahres-Pläne wahrhaben wollen.

Sony hatte es nie verstanden, sein Musikgeschäft in die digitale Ära jenseits von Walkman und CD zu transportieren. Erst der agile Steve Jobs hat es verstanden, mit iPod und iTunes die Musikwelt auf legale Weise in die mobile Cloud zu transformieren. Andere agile Unternehmen wie Google empfinden es nicht als rufschädigend, Produkte wie den Google Reader auch wieder vom Markt zu nehmen, wenn sie feststellen, dass sich die Zeitläufte anders entwickeln und Märkte andere Lösungen brauchen.

Für die Zukunft von Microsoft ist es also gar nicht mal so entscheidend, ob Steve Ballmer geht und wann. Richtungsweisend wird vielmehr sein, welche Führungsriege der oder die Neue mit sich bringt und welche Kultur der permanenten (agilen) Innovation bei Microsoft einzieht. Dass ausgerechnet Bill Gates, der bereits von vielen lauthals zurückgerufen wird, dieser Mann sein könnte, ist kaum wahrscheinlich. Dass eine interne Lösung diese Veränderung mit sich bringen könnte, ist auch nicht zu erwarten.

Als John Akers in den neunziger Jahren das Heft bei IBM aus der Hand gab, folgte ihm mit Lou Gerstner ein CEO mit einem ganz anderen als einem IT-Hintergrund. Der ehemalige Chairman des Tabak- und Keksherstellers RJR Nabisco setzte auf kurze Produktzyklen, langfristige Serviceangebote und erhöhte so den Wert der Marke IBM. Vor allem aber führte er eine Kultur der Offenheit und Umgestaltung ein, die die gesamte Company erneuerte.

Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) sind auch bei Microsoft fällig bis überfällig. Wie alle Unternehmen, die über eine weltumspannende Größe und einen anhaltenden Markterfolg mit wohl gehüteten Cash Cows verfügen, fällt es Microsoft schwer sich auf neue Strömungen schnell und innovativ einzustellen. Das ist nicht allein das Problem des CEO. In einer festgefahrenen Organisation können die klugen Köpfe ihre innovativen Ideen nicht entwickeln, die agilen Manager ihre Lösungen nicht auf die Straße bringen. Der oder die Neue bei Microsoft muss weniger an den Produkten als vielmehr an den Prozessen arbeiten.

Das ist durchaus ein gefährlicher Job. Denn die Fälle sind äußerst selten, in denen diese Erneuerer die von ihnen losgetretene Perestroika überlebten. Lou Gerstner hat es geschafft (bis 2002). Michail Gorbatschow nicht.