Grundlegend falsch?

 Das McKinsey Global Institute hat in seiner kürzlich veröffentlichten „Innovation in Europe“-Studie eine Weisheit ausgekramt, die so alt ist wie das in Erlangen entwickelte MP3-Format: Europa sei zwar unverändert hervorragend in der Grundlagenforschung. Wenn es aber darum gehe, die Erkenntnisse in Produkte fließen zu lassen, zu skalieren und wirtschaftlich umzusetzen, verlören europäische Unternehmen den Anschluss gegenüber Wettbewerbern vor allem aus den USA und China.

Als Beweis dafür, dass diese Unfähigkeit, aus Erkenntnissen auch Ergebnisse zu kreieren, durchaus nachhaltig ist, haben die Autoren die Entwicklungsausgaben von 250 Hightech-Unternehmen verglichen: Der Anteil europäischer Investitionen in neue Technologien und Produkte ist auf acht Prozent der kumulierten F&E-Investitionen zurückgegangen. Der Anteil chinesischer Unternehmen liegt bei elf Prozent, der der amerikanischen Companies bei 77 Prozent.

Das hat unmittelbare Auswirkungen auf Umsatz und Gewinne. Unter den sogenannten „Superstar-Firmen“ – also dem obersten Zehntel aller Unternehmen mit der höchsten Gewinnabschöpfung – hat sich der europäische Anteil halbiert: nur noch jeder zwölfte „Superstar“ hat seinen Firmensitz auf dem alten Kontinent. Das legt nahe, dass international vernetzte und kapitalisierte Unternehmen offensichtlich einen stärkeren Innovationstrieb aufweisen, als deutsche oder europäische Firmen. In diesem Zusammenhang ist es eine spannende Tatsache, dass diejenigen DAX-Unternehmen, die mehrheitlich von ausländischen Investoren gehalten werden, auch zu den margenstärksten Anbietern gehören. Jüngstes Beispiel ist der DAX-Newcomer MTU, dessen Kapital zu 77 Prozent aus dem Ausland kommt und der die drittstärkste Umsatzrendite aller DAX-Konzerne aufweist.

Dass es aber dennoch kaum Anzeichen dafür gibt, dass sich dieser Trend noch einmal umkehren lässt, macht beispielhaft eine Umfrage der Boston Consulting Group aus dem vergangenen Jahr deutlich: nicht einmal jedes zweite deutsche Unternehmen beschäftigt sich demnach mit den Chancen und Nutzungsmöglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Da stimmt es auch nicht gerade optimistisch, dass sich die Zahl der mit KI befassten deutschen Startups in den letzten drei Jahren zwar verdreifacht hat. Aber im Ergebnis hat es noch kein deutsches Startup zu einem Unicorn mit einer Marktkapitalisierung von einer Milliarde Dollar gebracht.

Dennoch gibt es Hoffnung: Während sich chinesische und US-amerikanische Unternehmen bei der KI-Forschung vor allem auf marketing-orientierte Ansätze konzentrieren, für die große Datenvolumina zum Käuferverhalten benötigt werden, setzen die Europäer – allen voran die deutschen Mittelständler – vor allem auf die Optimierung ihrer Produktionsprozesse durch KI. Es ist durchaus vorstellbar, dass hier viele Innovationsansätze unterhalb des Radarschirms geflogen werden. Denn die Optimierung des Shop Floors benötigt vergleichsweise geringe Datensätze (die auch nicht auf 5G-Infrastrukturen angewiesen sind) und einfachere Lernmodelle für die KI-Systeme.

Und während in China ein starker Fokus auf Smart Farming zu beobachten ist, also auf die Optimierung der Landwirtschaft durch künstliche Intelligenz, setzen US-amerikanische Unternehmen stark auf den Zukunftsmarkt Gesundheitswesen, wo sowohl große Infrastrukturprojekte als auch auf den einzelnen Patienten ausgerichtete Projekte anlaufen. In Europa ist hingegen das Engagement bei Agrar und Health etwa gleich groß. Die europäische KI-Initiativen sind also breiter aufgestellt.

Doch bleibt das Phänomen, dass die Fähigkeit, aus Erkenntnissen auch Ergebnisse zu erzeugen, anderswo inzwischen ausgeprägter ist. Das McKinsey Global Institute schlägt deshalb vor, dass analog zu den Eliteuniversitäten auch unter den europäischen Anbietern Eliten besser gefördert werden sollten, statt weiter mit der Gießkanne Forschung und Entwicklung zu fördern. Ganz ähnlich argumentierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Anfang des Jahres auch bei der Vorlage seiner „Industriestrategie“ und erntete sofort heftige Kritik.

Eliten sind in Europa verpönt. Dabei wäre es ein naheliegender Schluss, dass, wenn die hervorragende Grundlagenforschung an den Elite-Unis betrieben wird, deren Umsetzung in Produkte und wirtschaftlichen Erfolg von ebenso profilierten Unternehmen betrieben werden muss. Schließlich hätte MP3 zu einer marktbeherrschenden Position führen können, während die globale Musikszene durch diesen Standard disruptiv umgewälzt wurde. Wäre also die Förderung „Europäischer Champions“ wirklich so grundlegend falsch?

 

Noch kein Lebenswerk

Was könnte man mit seinem Leben noch vorhaben wollen, nachdem man – plötzlich, aber nicht unerwartet – mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Chief Executive Officer des größten europäischen Softwarehauses zurücktritt? Bill McDermott schloss zum Wochenende für sich das „Kapitel SAP“ ab – aber das Lebenswerk des heute 58jährigen dürfte noch als unvollendet gelten…

Dem Rücktritt in der Nacht zum Freitag ging offenbar ein Gespräch mit Aufsichtsratsvorsitzendem und SAP-Gründer Hasso Plattner voraus. „Ich habe mit Hasso offen besprochen, dass es unwahrscheinlich sei, dass ich meinen Vertrag als CEO im kommenden Jahr noch einmal verlängere“ heißt es in einer internen Mail an die Mitarbeiter. Zwar lässt die Formulierung offen, aus wessen Sicht die Verlängerung des Vertrages, der noch bis 2021 geht, „unwahrscheinlich“ ist. Die Unmittelbarkeit des Abgangs zu Beginn des vertriebstechnisch wichtigen vierten Quartals lässt dringende Gründe vermuten. Auch die Tatsache, dass Bill McDermott noch im November seine Strategie zur Effizienzsteigerung verkünden wollte, auf die er nun verzichten wird, lässt aufhorchen. Es wäre die Chance gewesen, seinen beiden Nachfolgern als Co-CEO – Jennifer Morgan und Christian Klein – ein Vermächtnis zu hinterlassen.

Die Fußstapfen, in die die beiden Vorstandskollegen treten, sind ohnehin groß: Bill McDermott hat den Weg des Softwarekonzerns in die Cloud bereitet – und das gegen einen durchaus erbitterten unternehmensinternen Widerstand. Lange – vielleicht zu lange – hat der Weltkonzern auf das alte Geschäftsmodell mit Softwarelizenzen beharrt und wichtiges Terrain an Wettbewerber wie zum Beispiel Microsoft verloren.

Noch wichtiger mag der Verlust an Kundenbindung sein – eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Cloud-Geschäft, in dem die Retention-Rate, also die Quote der verlängerten Cloud-Verträge, über den langfristigen Geschäftserfolg entscheidet. Nachdem mehrere Großkunden ihr Schweigen brachen und über die wirtschaftlichen Auswirkungen fehlgeschlagener Einführungsprojekte öffentlich lamentierten, war die SAP-Festung erschüttert. Eine erkleckliche Anzahl von Anwendern ist offensichtlich auf der Suche nach Alternativen.

Und auch der personelle Umbau ist bei weitem nicht abgeschlossen. Rund 4000 Mitarbeiter aus nicht zukunftsträchtigen Bereichen will der Softwarekonzern dem Vernehmen nach ab- und gleichzeitig neue Arbeitsplätze rund um künstliche Intelligenz aufbauen. Der Schwenk soll bereits jetzt eine Milliarde Euro an Abfindungen etc. verschlungen haben. Jennifer Morgan und Christian Klein müssen hier ansetzen.

Dennoch: die Vorschau auf die Ergebnisse des soeben abgeschlossenen dritten Quartals, die SAP parallel zur „Personalie McDermott“ aussendete, ist anständig: Der Erlös wuchs im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, wobei ein Gewinn von 1,26 Milliarden Euro und damit 30 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum entstand. Den eingeleiteten Richtungswechsel machen die Cloud-Zahlen deutlich: Der Umsatz in dieser Sparte, die von der neuen Co-CEO Jennifer Morgan geleitet wird, wuchs um 37 Prozent. Mit verantwortlich für diesen Anstieg ist ein Drei-Jahres-Vertrag mit einem „größeren Partner“, wie es ein wenig geheimnistuerisch hieß.

Es wird nicht überraschen, wenn Bill McDermott in kürzester Zeit wieder aus der Wolke auftaucht, in die er sich jetzt kurzerhand zurückzuziehen scheint. Er verlässt die SAP zu einem für ihn perfekten Zeitpunkt mit guten Zahlen, erfolgreich eingeleiteter Restrukturierung und einem runderneuerten Geschäftsmodell. Kein Wunder, dass ihm Aufsichtsrat und Vorstand zum Abschied Kränze winden: Man stehe auf den Schultern eines „sprichwörtlichen Giganten“, wird Jennifer Morgan zitiert. Und Hasso Plattner, der Bill McDermott 2010 nach dem Abgang von Léo Apotheker zusammen mit Jim Habemann-Snabe als Co-CEO etabliert hatte, würdigt dessen langfristige Weichenstellungen, die noch in zehn Jahren ihre Auswirkungen für das Unternehmen haben würden.

Bis dahin werden wir das begnadete Verkaufstalent mit Sicherheit wiedersehen – ob in der Wirtschaft als CEO eines Digitalkonzerns oder in der Politik, bleibt abzuwarten. Schon 2016 kursierten Gerüchte, Bill McDermott könnte seinen Hut in den nächsten Wahlkampf um das Amt des US-Präsidenten werfen – als unabhängiger Kandidat. Die Gerüchte waberten allerdings um den „April Fools´ Day“ herum, verschwanden jedoch nie so ganz. Bill McDermotts Lebenswerk ist noch nicht vollendet – wir warten auf die Fortsetzung.

Mittel für den Mittelstand

Einen „Liebesbeweis“ nennt die „Tagesschau“ den jüngsten Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, nachdem er erhebliche Steuerentlastungen für die 99,6 Prozent aller deutschen Unternehmen, die dem Mittelstand zugeordnet werden, angekündigt hatte. Sein jüngstes Kalkül: ein Steuerdeckel für Personenunternehmen bei höchstens 45 Prozent, ein Sozialabgabendeckel und Senkung des Arbeitslosenbeitrags sollen im Mittelstand Mittel locker machen, die wiederum in Innovationen und Investitionen fließen.

Natürlich, wenn künftig eingehaltene Gewinne nur noch mit 25 Prozent besteuert werden sollten, wären mehr liquide Mittel im Mittelstand verfügbar, um auf dem Weg von analog zu digital schneller voranzuschreiten. Allerdings: in den Zeiten starker Konjunktur, als die Mittel fehlten, weil Großprojekte vorfinanziert werden mussten, war die Bereitschaft zur grundlegenden Erneuerung auch nicht gerade ermutigend. Die zahllosen Studien über den Mittelstand als digitales Mittelmaß stimmen nicht gerade positiv.

Das gilt auch für die jüngste Umfrage zum Thema. 39 Prozent der vom Beratungsunternehmen Comteam laut Handelsblatt befragten Führungskräfte aus Unternehmen der deutschen Wirtschaft mit zwischen 1000 und 10.000 Mitarbeitern sieht sich nach wie vor für den digitalen Wandel, neue Ausbildungsmethoden wie eLearning oder bezogen auf eine datengetriebene Unternehmenskultur schlecht vorbereitet. Dabei wird deutlich, dass Investitionen in die technische Erneuerung allein nicht ausreichen, um sich in künftigen Märkten zu behaupten, Kultur und Knowhow müssen sich schon auch wandeln. Da aber haperts.

Pointiert gesagt: Marktmechanismen von gestern bleiben auch digitalisiert immer noch Marktmechanismen von gestern. Die Diskrepanz im Umgang mit dem digitalen Wandel wird immer wieder in Vergleichsstudien diesseits und jenseits des Atlantiks deutlich. In den USA rechnen mittelständische Unternehmen nach Investitionen in die digitale Erneuerung vor allem mit der Ausweitung des Marktes und der Gewinnung neuer Kundenkreise. In Deutschland und Europa herrscht dagegen die Hoffnung auf effizienteres und rationelleres Produzieren vor. Während die einen also mit der Veränderung ihres Marktes rechnen, hoffen die anderen darauf, dass alles so bleibt wie es ist – nur bei besseren Margen.

Das ist durchaus gefährlich, weil wir uns damit abfinden müssen, dass „günstiger“ – wenn auch nicht unbedingt effizienter – immer öfter woanders produziert werden wird. Der Trend in die Digitalisierung um das Ziel der Effizienz führt also eher zur Verlagerung von Fertigungsprozessen ins Ausland. Dagegen führt der digitale Wandel im Sinne einer stärker auf Individualität ausgerichteten Kundenorientierung, auf dienstleistungsorientierte Features eines Produkts und auf kurze Reaktionszeiten zu mehr Service im und um das Produkt, die allein das Qualitätsmerkmal „Made in Germany“ in die Zukunft tragen können.

Altmaiers Mittelstandsstrategie ist insofern positiv zu bewerten, weil sie eine finanzielle Entlastung anstrebt, nach der der Mittelstand neue Mittel zur Erneuerung erhält. Sie ist aber kritisch zu sehen, weil sie den Investitionen keine Richtung weist. Noch einmal pointiert formuliert: ein totes Geschäftsmodell ist auch digital ein totes Geschäftsmodell.

Dass diese Probleme im Mittelstand immer noch nicht erkannt werden, kann man aus dem gemeinsamen Mittelstands-Panel von KfW und ifo-Institut herauslesen. Denn darin geht zwar einerseits die Schere zwischen Großunternehmen und Mittelstand weiter auf: während die globalen Konzerne angesichts von Brexit-Unsicherheiten und amerikano-chinesischem Handelskrieg immer zweifelnder in die Zukunft sehen, ist die Perspektive aus Mittelstandssicht noch deutlich rosiger. Schaut man andererseits aber genauer hin, sind es die Handwerksbetriebe und das Baugewerbe, die das Stimmungsbarometer heben, während das verarbeitende Gewerbe und der davon abhängige Großhandel bereits mit Eintrübungen rechnen. Genau diese Branchen aber sind es, die vom digitalen Wandel am stärksten und am schnellsten umgekrempelt werden.

Es wird Zeit, die Mittel im Mittelstand nicht nur zu nutzen, um weiterzumachen wie bisher. Es geht darum, in neue Mittel für den Mittelstand zu investieren. Sonst bleibt nur noch das Mittelmaß. Da hilft dann auch kein „Liebesbeweis“ des Bundeswirtschaftsministers in Gestalt weiterer Steuererleichterungen.

 

Der Stufenplan

Oliver Welke, Gesicht und Kopf der Satiresendung „heute show“, fühlte sich in der Woche vor der Verabschiedung des Klimapakets der Bundesregierung an seine Abiturvorbereitungen erinnert: „Immer auf den letzten Drücker!“ Was dann dabei herauskam – CO2-Bepreisung für den Verkehr, Emissionshandel, höhere Pendlerpauschale, verringerter Strompreis, Preisanpassungen bei Zügen (nach unten) und bei Flügen (nach oben) sowie die Finanzierung klimafreundlicher Heizsysteme – soll rund 54 Milliarden Euro kosten.

Wann? Das steht nach neuesten Erkenntnissen noch in den Sternen. Denn dem Vernehmen nach wurden in dem Paket in einer zweiten Fassung für die Ressortabstimmung mit den Bundesministerien konkrete Termine gestrichen. Ohnehin, so hieß es aus der Bundesregierung, könne nicht alles auf einmal umgesetzt werden – es folgt also ein Stufenplan, für den die Termine noch nachgereicht werden.

Genug Zeit also, um die tatsächliche Ausgestaltung der Klimamaßnahmen noch mitgestalten zu können. „Nicht der angekündigte große Wurf“, urteilte BDI-Präsident Dieter Kempf im Namen der ganzen Wirtschaft. „Jetzt kommt es darauf an, die genannten Ziele und Maßnahmen rasch und konkret auszugestalten. Unsere Unternehmen brauchen schnell Klarheit über Belastungen, Entlastungen und Investitionsbedingungen.“

Da zeigte sich schon die hohe Kunst der Diplomatie, denn hinter den Kulissen brodelt es. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft sieht im Klimapaket ein Sammelsurium an Preissignalen ohne effiziente klimapolitische Steuerung. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie vermisst schlüssige Konzepte für einen verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Grünen wollen ihr Gewicht im Bundesrat nutzen, um das Maßnahmenpaket zu verschärfen. Und und und…

Was mich umtreibt: das Klimapaket der Bundesregierung und die Kritik an ihm haben eines gemeinsam – nämlich das ewige Gerede, was man besser machen könnte, ohne einfach mal wirklich anzufangen. Wir müssen wieder zupacken lernen, wie wir es ganz selbstverständlich bei Flutkatastrophen, Waldbränden, Sturmschäden oder sonstigen Katastrophen tun. Jeder braucht für sich seinen ganz persönlichen Stufenplan!

 

Doch stattdessen stehen wir beim Klimapaket in trauriger Kontinuität zu anderen Groß-Herausforderungen – zum Umgang mit künstlicher Intelligenz, zum Thema Digitalisierung der Arbeitswelt, zum Ausbau unserer Infrastruktur, insbesondere bei der Versorgung mit Bandbreiten. Erst kommt lange nichts, dann kommt zu wenig und dann wird wieder von vorne debattiert. So wird die Modernisierung unseres Landes Stufe um Stufe verschleppt.

Es erscheint fast sinnvoller, auf Einzelinitiativen zu schauen und darauf zu hoffen, dass daraus ein Trend für alle wird. Amazon beispielsweise will als Gesamtunternehmen bis zum Jahr 2040 CO2-neutral werden – angefangen bei den Rechenzentren, in den Lagerhallen und bei der Logistik. Microsoft kündigt Klimaneutralität für seine weltweiten Data Center an. Allen voran will Bosch schon ab 2020 in den über 400 Bosch-Standorten weltweit    – von der Entwicklung über die Produktion bis zur Verwaltung – keinen CO2-Fußabdruck mehr hinterlassen. Das sind Beispiele, die Schule machen sollten. Denn ohne CO2-Neutralität wird keine Branche überleben.

Dabei ist die Rolle der Informationswirtschaft im Kampf um Klimaneutralität durchaus zweischneidig. Denn einerseits trägt die Cloud dazu bei, den Energieverbrauch zu senken, weil Data Center für viele Cloud-Kunden energieeffizienter arbeiten können als zahllose Rechenzentren in den Kellern der Unternehmen. Andererseits aber verursachen die vier Milliarden Menschen, die auf der Welt regelmäßig online sind, einen kaum fassbaren Energiehunger: Schon 2016 veröffentlichte Google erstmals Zahlen, wonach der Suchmaschinen-Betreiber 5,7 Terawattstunden Energie verbraucht habe – mehr als die gesamte Stadt San Francisco.

Wenn das Internet ein Land wäre, würde es zu den größten Energieverbrauchern der Erde gehören. Im vergangenen Jahr haben vermutlich alle Internet-Server zusammengenommen erstmals mehr als 1000 Terawattstunden verbraucht.

Es geht nicht darum, dass man sich nun jeden Mausklick überlegen sollte. Aber es geht darum, unseren Energiehunger CO2-neutral zu gestalten. Dafür braucht jedes Unternehmen und jede Person einen individuellen Stufenplan, der auch verbindliche Termine setzt. „Wir woll´n euch kämpfen seh´n“, skandieren die Fußballfans ihren Spielern zu. Ja, genau das!