Köpfchen in den Wolken

IBM wurde schon zu oft abgeschrieben, als dass man ernsthaft mit dem baldigen Ende von Big Blue rechnen sollte. In der Tat ist es erstaunlich, wie sich dieser Methusalem der Informationswirtschaft immer wieder erneuert oder besser: neu erfindet. IBMs Cognitives Computersystem Watson wirkte lange Zeit wie ein exotisches Steckenpferd, dann wurde daraus ein exklusives Rennpferd für Auswertungen aus Massendaten und jetzt dürfte es zur Cash Cow der nächsten Phase des Cloud Computings werden: Innovation durch künstliche Intelligenz – jederzeit, überall, für jeden.

Typisch für IBM ist, dass die Marktüberlegungen, die hinter dem neuen Cloud-Ansatz stecken, ebenso naheliegend wie kompliziert sind: Wenn jeder nahezu uneingeschränkten Zugriff auf die Rechenleistung von Supercomputern haben kann, dann ist es nur ein Frage der Zeit, bis die Anwendungsbedarfe über das schlichte Kästchensortieren mit großen Datenmengen hinaus gehen und nach neuem Programmier-Skill verlangen, mit dem intelligente Algorithmen entwickelt werden können. Indem laufende Prozesse analysiert werden, soll schiere Rechenleistung zu Innovationen führen.

Ein Beispiel hat IBM gerade erst erfolgreich mit dem in Seattle angesiedelten Startup Playfab abgeschlossen, das mit Hilfe von Watson die Verhaltensweise von Gamern untersucht. Für Atari hat der frisch gebackene IBM-Partner das Wirtschaftssimulationsspiel RollerCoaster Tycoon analysiert, bei dessen Touch-Version für Android und iOS nicht die notwendige Begeisterung aufkam. Aber die ist Voraussetzung, wenn Freemium-Spiele durch In-App-Käufe Umsätze generieren sollen. Watson und Playfab stellten fest, dass die Gamer ausführlichere Anleitungen benötigten. Nach den Korrekturen verzeichnete Atari tatsächlich einen Umsatzanstieg um immerhin zehn Prozent.

So abseitig das Beispiel klingen mag, es dürfte zahllose Parallelen in der industriellen Welt finden, wo Prozesse dadurch optimiert werden können, dass das Verhalten und das Zusammenspiel von Maschinen und Menschen analysiert wird. In dienstleistungsorientierten Branchen sind es vor allem die Methoden und Mechanismen im täglichen Ablauf, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Im Gesundheitswesen können ganze Therapien auf diese Weise optimiert werden.

IBM ist freilich nicht allein mit dem Geschäftsmodell „Köpfchen, Köpfchen aus der Cloud“. Auch Microsofts Strategie rund um Azure schwenkt allmählich vom reinen Kostensenken durch die Cloud zu Künstlicher Intelligenz aus der Cloud. Denn beide haben erkannt, dass sie den Wettlauf um das günstigste Angebot für Cloud-Infrastrukturen gegen Amazons Web Services nicht gewinnen können, wenn sie nicht massive Margeneinbrüche hinnehmen wollen. Tatsächlich ist der Marktanteil von AWS größer als die kumulierten Anteile von Microsoft, IBM und Google. Doch die Zeit, in der es nur um Marktanteile in der Cloud geht, könnte sich dem Ende neigen.

Künftig ist es nicht die Infrastructure as a Service, sondern die Innovation as a Service, die aus der Cloud kommt. Das setzt freilich neue Herausforderungen. Noch sind die Anwender im Mittelstand nicht so weit, dass sie die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz aus der Cloud für die eigene Prozess- oder Produkterneuerung einzusetzen bereit sind. Dazu stecken mittelständische Organisationen noch zu sehr in althergebrachten Innovationsprozessen fest. Das Gleiche gilt aber auch für die mittelständisch strukturierte Software-Szene, der es derzeit noch an der Innovationsbereitschaft fehlt, sich neuen IT-Technologien zuzuwenden. Sie wollen lieber noch ein Weilchen ihre alten Lösungen verkaufen – und nicht neue Services vermieten.

Für Microsoft und IBM bedeutet das: Wenn es nicht gelingt, ihre Software-Partner – also die sogenannten Independent Software Vendors oder ISVs – zu Neuerungen zu bewegen, müssen sie sich neue Partner suchen. Sonst wird das nichts mit dem Cloud-Geschäft. Die traditionelle Vermarktungsstrategie, mit der Cloud-Services als Infrastrukturmaßnahme zur Kostensenkung und Flexibilitätssteigerung angeboten werden, wird nicht mehr lange tragen. Getragen hatte sie bislang sowieso nur einen: Amazon.

Was es jetzt braucht, ist Köpfchen aus der Wolke. Das wird auch Amazon-Chef Jeff Bezos erkennen. Dann wird man sehen. Er hat den Vorteil, nicht auf jahrelange treue Partnerschaften mit zögerlichen Software-Unternehmern Rücksicht nehmen zu müssen. IBM und Microsoft werden das auch nicht mehr lange können. Sie müssen Ballast abwerfen im Kopf-an-Kopf-Rennen um die Cloud.

 

 

Gesundheit frei Haus

Was haben die Logistik und das Gesundheitswesen gemeinsam? Beide beeinflussen unser Leben Tag für Tag: durch die Belieferung mit den Dingen unseres (täglichen) Bedarfs und durch die Sicherung unseres (täglichen) Wohlbefindens. Dabei ist der Erfolg der Versandapotheken ohne die Leistungsfähigkeit der Logistik – vor allem auf der letzten Meile – nicht denkbar. Und ebenso wie die Logistik wird auch das Gesundheitswesen gerade durch die Digitalisierung der Welt aus den Angeln gehoben und neu wieder zusammengesetzt.

Wie stark beispielsweise das Geschäft mit der Gesundheit ins Internet abwandert, zeigt sich schon daran, dass jede siebte Apotheke in Deutschland inzwischen eine Versandhandelserlaubnis hat. Zwar setzt dabei nur ein Prozent (weniger als 200 Apotheken) überwiegend auf den eCommerce, dennoch haben im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller Internetbenutzer – das sind nach Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken immerhin 31 Millionen Kunden – schon Arzneimittel über das Internet bestellt und sich nach Hause liefern lassen. Zwei Jahre zuvor waren es erst 16 Millionen Kunden oder jeder dritte Internetbenutzer. Dabei können nur rezeptfreie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel online bestellt werden, nicht jedoch die verschreibungspflichtigen Arzneien. Die OTC-Produkte (over the counter – also frei gehandelt) machen zwar nur 15 Prozent des gesamten Pharmaumsatzes in Deutschland aus, stellen aber mehr als die Hälfte aller Packungseinheiten. Ihre Logistik ist kleinteilig, spontan und verzweigt – aus Sicht der Lieferdienste also eigentlich unwirtschaftlich und uninteressant. Aber sie sind der eigentliche Wachstumsmarkt – sowohl aus der Sicht des Gesundheitswesens als auch in der Perspektive der Logistiker.

Deshalb wird sich der Trend laut Hightech-Verband Bitkom weiter beschleunigen: schon heute hat ein Drittel der Deutschen schon mal Gesundheitsdaten über das Internet weitergeleitet, noch mehr würden ihre Befunde gerne digital erhalten. Die Recherche und der Meinungsaustausch zu Gesundheitsthemen sind im Internet das große Ding, Fitness-Apps würde schon die Hälfte der Bevölkerung gerne nutzen, um eigene Daten beim Workout aufzuzeichnen und weiterzuleiten. Und natürlich sind die Kunden auch offen gegenüber neuen Liefermethoden für ihre Gesundheits- und Fitnessprodukte. Wer will schon für eine Packung Aspirin zu Hause warten müssen?

Das sehen die Logistiker kaum anders. Mehr als die Hälfte der Transportdienste kann sich vorstellen, dass sie künftig autonome Fahrzeuge für die letzte Meile einsetzen. Leicht weniger – nach einer Bitkom-Studie sind es vier von zehn Befragten – stellen sich vor, dass künftig Drohnen und Lieferroboter die Aufgabe übernehmen, kleine und kleinste Pakete an den Konsumenten zu liefern. Praktisch alle befragten Logistiker sehen in der Digitalisierung die große Umwälzung ihrer Geschäftsmodelle.

Dabei werden allerdings Drohnen nicht ausschließlich im Lieferservice zum Einsatz kommen, sondern bei der Optimierung der Intralogistik Hilfe leisten. Bereits in zehn Jahren sollen demnach kleine Copter dafür sorgen, dass die Inventur im Lager ständig auf dem neuesten Stand ist. Außerdem können Datenbrillen die Logistiker mit zusätzlichen Informationen versorgen: aus Pick by Voice wird dann Pick by Augmented Reality. Dann – so die Bitkom-Studie – sind es auch schon selbstlernende Systeme, die das Kommissionieren im Lager ebenso optimieren wie die Routenplanung oder das Auslösen von Bestellvorgängen.

Während aber im Gesundheitswesen die Akteure wie Ärzte, Krankenkassen, Krankenhäuser und Apotheken noch weit hinter den Möglichkeiten der Digitalisierung hinterherhinken, sind die Logistiker branchenübergreifend ganz vorne bei der Transformation dabei. 84 Prozent nutzen bereits heute spezielle Lösungen zur Optimierung ihrer logistischen Prozesse. Besonders häufig kommen fahrerlose Staplersysteme zum Einsatz (19 Prozent) oder sind in Planung (26 Prozent). Smarte Container,  Lagerroboter, Datenbrillen und intelligente Handschuhe sind demnach die Werkzeuge, mit denen der Logistiker in naher Zukunft tagtäglich zu tun haben wird.

Beide Bitkom-Studien bestätigen dabei, dass die Digitalisierung vor allem durch das Konsumverhalten immer weiter angefeuert wird. Es sind die Endverbraucher, die immer einfachere Geschäftsprozesse erwarten und mehr Convenience bezahlen wollen. Dass es gleichzeitig auch die privaten Internetnutzer sind, die mit der Herausgabe ihrer Daten die ganze Maschinerie am Laufen halten, ist dabei den wenigsten wirklich bewusst. Aber mit der Digitalisierung wird die Informationswirtschaft – also die Analyse großer Datenmengen und die Ableitung weiterer Geschäftsschritte daraus – über die letzte Meile hinaus bis in die Privatsphäre voranschreiten. Nicht nur in der Logistik, sondern auch im Gesundheitswesen, nicht nur im privaten Verbrauch, sondern auch im individuellen Fitness-Check. So gibt es nicht nur die Gesundheit frei Haus – sondern auch die Gesundheitsdaten.

Trade in Germany

Es bedarf schon einer besonders gekonnten dialektischen Pirouette, wenn man gegen den sich in den Vereinigten Staaten von Amerika abzeichnenden Protektionismus ein Zeichen der Offenheit setzen will und das unter der Überschrift „Made in Germany“ tut. Aber genau das ist den führenden Wirtschaftsverbänden, die am Rande der Handwerksmesse in München mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentrafen, gelungen. „Was uns stark macht“, definierten BDA, BDI, DIHK und ZDH zusammen mit dem Kanzleramt in einem Positionspapier, das im Vorfeld des Münchner Spitzengesprächs der Deutschen Wirtschaft vereinbart wurde.

„Was uns stark macht“, lässt sich demnach in drei Schwerpunkte – mit jeweils unterschiedlichem regionalem Bezug – fassen: freier Handel in offenen internationalen Märkten, ein starkes Europa und ein wettbewerbsfähiges Deutschland. Diesen Dreisprung gaben die Vertreter der Spitzenverbände, Dieter Kempf (BDI), Ingo Kramer (BDA), Hans-Peter Wollseifer (ZDH) und Ralf Kersting für den DIHK der Kanzlerin am Vorabend ihrer USA-Reise mit. Neben dem Zustand der deutschen Wirtschaft war deshalb vor allem der Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen das Thema des Spitzengesprächs.

Immerhin hängt in Deutschland, so erinnerten die Wirtschaftsvertreter in ihrer Standortbestimmung, jeder vierte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export ab. Deshalb sollen bilaterale und internationale Beziehungen wie sie im CETA-Abkommen mit Kanada erfolgreich begründet wurden, weiter ausgebaut. Ob die Kanzlerin damit freilich im Weißen Haus Gehör finden wird, darf getrost bezweifelt werden. Allerdings dürfte der „Deal-Maker“ im Oval Office es verstehen, wenn ihm Szenarien ohne „Made in Germany“ und „Trade with Germany“ vorgestellt würden.

Protektionismus hat noch nie geholfen – jedenfalls nicht auf lange Sicht. Ein Grund mehr, auch die Integration der Europäischen Union weiter voranzutreiben und die Gemeinschaft strukturell mit dem Ziel umzubauen, Produktivität und Wachstum zu stärken, meinen die Wirtschaftsverbände. Allerdings fordern sie zugleich weniger Zentralgewalt und dafür mehr Subsidiarität und Eigenverantwortung der Mitgliedsstaaten.

Vor allem soll Deutschland fit für die Digitalisierung werden. Dazu wiederholten die Wirtschaftsvertreter ihr Mantra vom flächendeckenden Netzausbau und beklagten zugleich den erheblichen Nachhol- und Beschleunigungsbedarf. Ebenfalls auf der Wunschliste steht die Durchsetzung flexibler Arbeitsmodelle, die der Tatsache Rechnung tragen sollten, dass die Wertschöpfung immer häufiger ungebunden von festen Arbeitszeiten und Arbeitsplätzen erfolgt. „Die sich rasch entwickelnde Plattformökonomie“, so das Positionspapier zum Münchner Spitzengespräch mit der Kanzlerin, „muss allen Unternehmen größenunabhängig faire Wettbewerbspotenziale eröffnen.“

Auch das – ebenfalls zutreffende – Mantra von einer gestärkten beruflichen Bildung als Voraussetzung für ein „Future Made in Germany“ war in München zu hören. Dies gelte insbesondere für die Vermittlung digitaler Kompetenzen. Ihre persönlichen „digitalen Kompetenzen“ bewies die Kanzlerin in der Runde mit rund 150 Unternehmern und Verbandsvertretern, als sie in ungewohnt launiger Art und Weise aufzeigte, wie zum Beispiel Handwerksbetriebe neue Geschäftsprozesse und Produkteigenschaften durch die Umsetzung der Digitalisierung in ihren Betrieben erreichen können. Vom Schornsteinfegermeister in Dresden bis zum Inhaber einer mittelständischen Feingießerei in Bad Lobenstein ging die Fragerunde, die die Kanzlerin 90 Minuten lang bediente. Dabei stand der Kurort im Thüringer Schiefergebirge sinnbildlich für den Flächenausbau mit Glasfaserkabeln. In einer vernetzten Welt ist das Netz schon jetzt ein ebenso zentraler Wirtschaftsfaktor wie die nächste Autobahnauffahrt und der Gleisanschluss. In einer immer mehr auf digitale Dienste ausgelegten Wertschöpfung dürfte es aber noch an Bedeutung gewinnen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war sichtlich in ihrem Element, als es um Fragen der Digitalisierung ging. Wie schon auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken im vergangenen Oktober beweist die gelernte Physikerin, dass ihr das Thema liegt. Eine ähnlich lockere Atmosphäre wäre ihr bei ihrem Treffen mit dem US-amerikanischen Präsidenten zu wünschen – aber das wäre wohl ein alternatives Faktum, wenn nicht gar Fatum.

 

 

Digitalisierung: Keine Investition ohne Inspiration

Wer nichts macht, macht nichts verkehrt – abgesehen von der Tatsache natürlich, dass Nichtstun ohnehin der größte Fehler ist. Dies gilt analog auch für die digitale Welt. Im Sommer 2016 sagten drei von vier mittelständischen Unternehmen, sie hätten noch keine ausreichende Digitalstrategie. Das aber war durchaus ein Fortschritt, denn ein Jahr zuvor hatten ungefähr ebenso viele noch keinen Schimmer, dass sie eine brauchten.

Aber damit beginnen die Probleme: Nach der IT-Trendstudie von Capgemini haben 60 Prozent der befragten CIOs Schwierigkeiten mit dem Fokus und der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Im letzten Jahr waren es nur 41 Prozent. Das scheint durchaus ein Beweis dafür zu sein, dass die Beschäftigung mit dem Thema an Ernsthaftigkeit und Tiefe zugenommen hat. Jetzt fördern die Digitalisierungsprojekte Probleme auf praktisch allen Ebenen im Unternehmen zutage.

Die Autoren der Studie vermuten allerdings auch einen Mangel an Inspiration bei der Innovation: „Neben der fehlenden Koordination der Projekte, dem Know-how und den entsprechenden Mitarbeitern mangelt es vor allem an Ideen“, beklagen die Autoren der IT-Trends und stellen fest, dass die meisten Unternehmen derzeit damit beschäftigt seien, überhaupt erst einmal Informationen zu sammeln und die internen Prozesse digital abzubilden und zu vernetzen. Woran es aber völlig fehle, sei eine konkrete Vorstellung davon, wie daraus neue Produkte und Services entwickelt werden können. Das Fazit: „Von Innovation ist im Moment also noch wenig zu spüren.“

In der Tat dürften sich die Investitionen in smartere Maschinen und besser vernetzte Systeme so lange nicht wirklich auszahlen, wie damit Business as usual fortgeführt wird. Die eigentliche Herausforderung bei der Definition einer Digitalstrategie besteht nicht im Austausch des Maschinenparks, sondern im Neuzuschnitt der Abteilungen. Und dabei zeigt sich, das neue Kompetenzen benötigt werden. Die aber sind auf dem ohnehin leergefegten Arbeitskräftemarkt praktisch nicht zu finden. Doch Schulung und Weiterbildung ist nur dann eine Lösung, wenn man auch weiß, welche Expertise tatsächlich benötigt wird.

Und die ergibt sich schließlich aus einer Neudefinition von Produkten, Kundenbeziehungen und Märkten. Diese Erkenntnis jedenfalls diktierten Entscheider, deren Unternehmen ihre Produktion bereits auf das Internet der Dinge umgestellt zu haben glaubten, dem Beratungsunternehmen Vanson Bourne. Diese „Early IoT Adopters“, so der Namen der Studie über erste Erfahrungen auf dem Weg ins Digitale, fanden sich nach der Umstellung auf smarte Systeme eigentlich erst am Anfang des Projekts. Denn der Nutzen beispielsweise einer „Losgröße 1“-Strategie ist gering, wenn sich nicht auch Marketing und Vertrieb auf die Individualisierung der Kundenanfragen einstellen. Wer weiter Massenware produziert und klassische Lagerbestände vorhält, hat die Vorteile der Digitalisierung zwar noch nicht verspielt, aber zumindest wertvolle Chancen vertan.

Bis allerdings alle Abteilungen an einem Strang ziehen, vergehen Monate. Es braucht offensichtlich Zeit, bis alle Player im Unternehmen die gemeinsame Vision hinter einer Digitalstrategie teilen und für sich umsetzen. „Für sich“ könnte dabei schon der nächste Fehler sein, denn so vernetzt die digitalen Systeme sind, so abgeteilt sind Abteilungen in der klassischen Unternehmensorganisation. Diese Erkenntnis hat die Früheinsteiger offensichtlich völlig überrascht. Digitalisierung ist weniger eine technische Herausforderung, als vielmehr eine organisatorische. Wer das frühzeitig beherzigt und die eigene Unternehmensstruktur zunächst an die Digitalstrategie anpasst, kann offensichtlich schneller Nutzen aus den Investitionen in Informationstechnik und Maschinen ziehen. Der klassische Ansatz aber ist, erst die Technik zu ändern und dann die Organisation anzupassen.

Das aber wäre ein ebenso folgenschwerer Fehler wie Nichtstun – nur teurer.