Mehr Kick mit KI und 5G

Die CES hieß eigentlich mal Consumer Electronics Show. Doch vor Beginn der am Dienstag öffnenden Show in Las Vegas legte CES-CEO Gary Shapiro Wert darauf, dass der Markenkern nicht mehr bei Consumer-Produkten liegt und nicht reduziert auf Elektronik-Sachen ist. Die CES ist CEBIT, Industriemesse, Internationale Funkausstellung und Automobilsalon in einem. Und sie zeigt zum Jahresbeginn, wo es in den nächsten zwölf Monaten technologisch langgeht. In diesem Jahr lässt sich die Message auf vier Schriftzeichen reduzieren: „5G“ und „KI“.

Tatsächlich wird es auf der CES kaum ein Gerät – vom Auto bis zur Zentralheizung, vom Assistenten bis zum Zubehör – geben, das nicht über 5G-Connectivity oder zumindest Bluetooth verfügt. Und zugleich gibt es kaum eine Produkteigenschaft, die nicht durch Software und künstliche Intelligenz aus der Cloud beeinflusst wird. 5G und KI, Vernetzung und Verständnis, sind die beiden wichtigsten Trends des gerade begonnenen Jahres.

Das sehen auch die CEOs und CIOs von rund 500 Unternehmen so, die in detaillierten Interviews Auskunft über ihre Investitionsplanungen gegeben haben. Unter den fünf wichtigsten genannten Technologien sind ausschließlich Themen, die mit Vernetzung und Verständnis zu tun haben. Der alljährlich erscheinende State of Digital Transformation Report bietet im Übrigen fünf zentrale Erkenntnisse:

  • Digitale Transformation ist ein Projekt, an dem das gesamte Unternehmen und seine Partner beteiligt werden müssen. 28 Prozent der Befragten nennen CIOs, 23 Prozent CEOs als die digitalen Treiber in ihrer Organisation.
  • Der Druck auf die Unternehmen, sich in der digitalen Transformation zu engagieren, kommt aus dem Markt; entweder, weil – wie 51 Prozent der Befragten angeben – Wachstumschancen bestehen, oder aufgrund von Wettbewerbsdruck, wie 41 Prozent der Manager befinden.
  • Das Bewusstsein, dass die Erfahrung der Mitarbeiter und die gelebte Firmenkultur entscheidende Erfolgsfaktoren im digitalen Wandel darstellen können, nimmt zwar zu. Aber die meisten Transformationsprojekte werden mit Blick auf die Modernisierung der Kundenbeziehungen und Kauferfahrungen gestartet. Dabei begeht die Mehrheit der Unternehmen allerdings den Fehler, ihre Kunden nicht in diesen Wandlungsprozess einzubeziehen.
  • Während der digitalen Transformation sind harte Key Indikatoren, nach denen ein wirtschaftlicher Erfolg des Projekts bemessen werden kann, Mangelware. Vielmehr werden die Projekte als Cost Center ohne belastbare ROI-Betrachtungen geführt. Kulturelle Widerstände wie Rechtsfragen und „Das haben wir schon immer so gemacht“ behindern den schnellen wirtschaftlichen Durchbruch.
  • Dagegen setzen immer mehr Unternehmen auf eine Kultur der Innovation, die nicht selten von internen Task Forces angeführt wird. Damit gefährdet die Organisation jedoch den ersten der beobachteten Erkenntnisse: der Wandlungsprozess müsse alle einbeziehen.

Man sieht: der digitale Wandel ist ein Teufelskreis. Tatsächlich kommen mehr und mehr Unternehmenslenker zu der eigentlich banalen Erkenntnis, dass die digitale Transformation keinen Anfang und kein Ende kennt. Deshalb sind auch die Technologiebereiche, in denen Unternehmen in diesem Jahr besonders stark investieren wollen, nahezu die gleichen wie im Vorjahr. Nur die Reihenfolge verschiebt sich.

37 Prozent der Befragten wollen vor allem in Cloud-Technologien investieren. Cybersecurity ist für 35 Prozent der Manager ein Top-Thema. An dritter Stelle der Befragung, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, liegt dann schon künstliche Intelligenz (34%), gefolgt von Big Data (28%) und Internet of Things (25%).

Das alles ist auf der CES zu besichtigen. Das Interesse dürfte in diesem Jahr besonders hoch sein, denn nahezu alle Unternehmen planen ein deutlich höheres Digitalbudget für 2019. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen berichten, dass sie Mehrausgaben – zwischen einer und 15 Millionen Dollar – einplanen wollen.

Es wird Zeit für 5G und KI – nicht nur auf der CES, auch in der BRD.

KI mal Daumen

Es ist fast nicht zu glauben, wie wir noch vor einem Jahr gedacht haben. Damals, so schrieb ich seinerzeit vom Weltwirtschaftsforum in Davos, haben die großen Wirtschaftsbosse und politischen Staatenlenker laut über den Einsatz von künstlicher Intelligenz nachgedacht. Diese Systeme, so lautete die Analyse, werden die Welt ethisch und synthetisch grundlegend verändern. Aber da dachten wir noch, wir hätten auch Zeit für eine Grundsatzdiskussion. Großbritannien kündigte eine KI-Initiative an, die US-Amerikaner sowieso, die Chinesen zogen nach und die Russen kündigten nichts an, waren aber schon dabei. Und die Deutschen hatten noch nicht einmal eine Bundesregierung.

Als wir dann die Große Koalition hatten,  gab es auch ein Heimatministerium. Was wir nicht hatten, war ein Digitalministerium. Deshalb griff die Digitalwirtschaft zur Selbsthilfe: mit einer Petition. Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups und Initiator der Unterschriftensammlung, sprach mit Recht von einem Kompetenz-Wirrwarr, der Deutschland in den vergangenen Legislaturperioden in die digitale Paralyse getrieben hatte.

Das Digitalministerium gab es nicht, dafür aber zwei wohldotierte Posten im Bundeskanzleramt für das Team Braun/Bär. Diskutiert wurde aber immer noch nicht über eine KI-Strategie, dafür aber über die immergrüne Frage, ob KI als neue Technologie nun Jobkiller oder Jobmotor sei. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt hingegen auf, dass sich der Abbau von und die Schaffung neuer Stellen ungefähr die Waage halten – schon immer seit Erfindung der Dampfmaschine. Gewiss ist jedoch die Vorhersage „KI mal Daumen“, dass der Verzicht auf neue Technologien den sicheren Arbeitsplatzverlust nach sich zieht.

Und zu glauben, wir könnten bei der Künstlichen Intelligenz vorne sein und bei Daten so restriktiv wie möglich, sei genauso, wie wenn man Kühe züchten will und ihnen kein Futter gibt, meinte die Bundeskanzlerin in der Generaldebatte zum Etat im Bundestag. Das war am 15. Mai. Genau zehn Tage später trat die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft, die das exakte Gegenteil verlangt: nämlich Viehzucht ohne Futter. Einerseits sollen personenbezogene Daten äußerst sparsam genutzt und vor Zugriff geschützt sein. Andererseits sollen nicht zweckgebundene Daten erst gar nicht gespeichert werden.

Da ist es in der Rückschau eigentlich kein Wunder, dass die weltgrößte IT-Messe ihre deutsche Heimat verloren hat. Noch im Juni hatten wir alle auf ein Festival gehofft. Doch auf der CEBIT schlug uns der Muff aus 30 Jahren entgegen. Draußen war es in diesem heißen Sommer hipp und hopp. In den Hallen aber musste man erleben, warum die Messe in den letzten Jahren so sehr an Attraktivität verloren hatte. In den meisten Hallen war sie noch immer ein Spiegelbild jener muffigen mediokren Welt der Software- und Systemhäusler, der Hardware-Schrauber und Strippenzieher in ihren altbekannten dunkelblauen Vertreter-Anzügen. Nur die Krawatte abzunehmen, macht noch keinen Gründergeist.

Die CEBIT hatte sich schon im Sommer in den Wolken aufgelöst – wir wollten es nur nicht wahrhaben. Aber die Bilanzzahlen der großen Cloud-Anbieter aus dem Sommer zeigen, dass die Welt immer weiter virtualisiert: Amazon, Microsoft, Google, SAP und sogar IBM zeigen Zuwächse beim Umsatz mit Cloud-Services. Und dabei entbrennt ein ganz eigener Wettbewerb: Wer jetzt den größten Kuchen im Cloud-Business ergattert, wird sich auch den größten Kuchen im Geschäft mit den neuen Anwendungen mit KI-Algorithmen sichern. Die Zeit drängt.

Aber nicht für die Bundesregierung. Sie berief im August erst einmal einen Digitalrat. Es ist ja nun nicht so, als wenn die Bundesregierung in den vergangenen Jahrzehnten nicht kontinuierlich erbetene oder ungefragte Hinweise auf das Handlungsdefizit in Sachen Digitalisierung erhalten hätte. Was zu tun ist, liegt eigentlich auf der Hand. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Durchsetzungsproblem.

Immerhin konnte sich die Bundesregierung dazu durchringen, drei Milliarden Euro für die Entwicklung und Verbreitung von künstlicher Intelligenz bereitzustellen – allerdings über mehrere Jahre hinweg verteilt. Selbst offensichtlich überwältigt von diesem Kraftakt kündigte praktisch die gesamte Minister-Riege diesen Beschluss Woche für Woche neu an, ohne dass sich aber substanziell etwas tut. Schon wieder sind drei, vier Monate ins Land gegangen – und die geplanten drei Milliarden Investitionen wurden so oft erwähnt, dass sie publizistisch wie 300 Milliarden wirken. Die Gartner Group war da schon einen Schritt weiter und erklärte uns, wie sich der Hype-Cycle für künstliche Intelligenz weiterentwickeln wird – egal, ob mit oder ohne deutsche Beteiligung.

Dabei wird auch die Entwicklung von neuen KI-Algorithmen immer weiter automatisiert und mit Hilfe von KI-Systemen beschleunigt, befand Gartner als Megatrend für das Jahr 2019. Bis 2022 sollen diese Methoden bereits in 40 Prozent der Entwicklungsprojekte Realität sein. Damit verbunden ist freilich ein ungeheurer Bedarf an KI-Entwicklern, die zusammen mit Datenanalysten die Entwicklerteams begleiten. Man darf sich fragen, wie in der Zukunft dieser spezielle Fachkräftebedarf gedeckt wird.

Wahrscheinlich durch besserqualifizierte Ausländer! Als Beobachter des Wahlkampfs der drei Merkel-Nachfolge-Kandidaten für das Amt des/der CDU-Vorsitzenden konnte man feststellen, dass die Strukturprobleme in unserem Land  überhaupt keine Bedeutung hatten.

Dagegen wurde das Recht auf Asyl in Frage gestellt, wurde die Migrationsdebatte so geführt, als würde ein Alleingang Deutschlands das Problem lösen können und wäre eine gefühlte Überfremdung durch den Islam unser größtes Kulturproblem. Bei aller berechtigter Sorge um unseren inneren Zustand, eine deutsche Leitkultur und innere Sicherheit – die Sorge um unsere marode Infrastruktur beschäftigt mich mehr. Denn wenn es uns nicht gelingt, die technische und kulturelle Basis für den Innovationsstandort von morgen zu schaffen, dann drohen uns andere Herausforderungen.

Es handelt sich tatsächlich um einen deutschen Gen-Defekt, ständig hinter der technologischen Entwicklung hinterherzuhinken. Und er ist in der Bundesregierung dominant durchgeschlagen. „KI made in Germany“ soll zu einem „internationalen Markenzeichen für moderne, sichere und gemeinwohlorientierte KI-Anwendungen auf Basis des europäischen Wertekanons“ werden. Das zurückliegende Jahr macht nicht besonders viel Hoffnung, dass daraus was wird. Wahrscheinlich wird wieder nur debattiert und dilettiert und im Zuständigkeitsgerangel duelliert.

Noch nie hat mich ein Jahresrückblick so niedergeschlagen. Wir peilen KI über den Daumen und vergessen dabei das Zielen.

2019 muss anders werden.

Ich drücke uns die Daumen!

 

Deutscher Gen-Defekt

„KI made in Germany“ soll zu einem „internationalen Markenzeichen für moderne, sichere und gemeinwohlorientierte KI-Anwendungen auf Basis des europäischen Wertekanons“ werden. So formuliert die Bundesregierung die Motivation für ihre KI-Initiative, die sie im vergangenen Sommer beschlossen hat. Seitdem feiert sie diesen Beschluss wie zuletzt auf dem Digitalgipfel Woche für Woche neu, ohne dass sich aber substanziell etwas getan hat. Schon wieder sind drei, vier Monate ins Land gegangen – und die geplanten drei Milliarden Investitionen wurden so oft erwähnt, dass sie publizistisch wie 300 Milliarden wirken. Aber gibt es auch Konkretes zu vermelden? Ich wüsste nicht!

Dafür wird wieder einmal viel geredet. Denn die Worthülse „moderne, sichere und gemeinwohlorientierte KI-Anwendungen auf Basis des europäischen Wertekanons“ klingt wieder ein bisschen danach, als sollte „am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen“, wie Emmanuel Geibel 1861 schrieb. Tatsächlich – die drei Ziele, mit denen die Bundesregierung ihre Initiative versehen hat, sind so altruistisch und sogleich so wunderbar langfristig angelegt, dass wir nicht unbedingt mit einer Revolution oder gar Disruption durch Gründer und Innovatoren zu rechnen brauchen. Sie lauten:

  • Deutschland und Europa sollen sich zu einem führenden Standort für die Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien entwickeln. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands soll gesichert werden.
  • Mit der Strategie soll eine verantwortungsvolle und gemeinwohlorientierte Entwicklung und Nutzung von KI sichergestellt werden.
  • KI soll im Rahmen eines breiten gesellschaftlichen Dialoges und einer aktiven politischen Gestaltung ethisch, rechtlich, kulturell und institutionell in die Gesellschaft eingebettet werden.

Es ist abzusehen, dass die Deutschen immer noch über den Sinn und Zweck von künstlicher Intelligenz nachdenken werden, wenn die großen Anbieter aus den USA und China das Land längst mit KI-Anwendungen überschwemmt haben werden, die so sympathisch und hilfreich daherkommen, wie Alexa, Siri und Cortana. Services für Smart Homes und Smart Cities werden sich schneller „in die Gesellschaft einbetten“ als sich die jetzt von der Bundesregierung geplanten Diskussionsgremien bilden werden.

Selbst Microsoft, das inzwischen wieder für die zielstrebige Umsetzung der „Intelligent Cloud, Intelligent Edge“-Strategie von den Aktionären geliebt wird, hat sich jetzt in Deutschland erst einmal einen KI-Expertenrat zusammengestellt. In den USA ist sowas offensichtlich nicht nötig. Vor seiner konstituierenden Sitzung, zu der Vertreter von wichtigen Microsoft-Kunden sowie aus Politik und Wissenschaft eingeladen waren, erklärte der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Udo di Fabio, das Gremium sei dazu da,Chancen zu identifizieren und den Rahmen für eine humane Gesellschaft mit KI zu entwickeln.“ Also doch wieder erstmal reden…

Es ist ja nicht so, dass wir dem populistischen Spruch von Christina Lindner folgen sollten: „Digital First, Bedenken Second“. Unsere „Bedenken-First, Bedenken Second“-Haltung zieht sich wie ein nationaler genetischer Defekt durch nahezu alle Technologiesprünge der vergangenen fünfzig Jahre: Mainframes, Personal Computer, Video- und Audio-Medien, Internet, mobile Computing, Cloud Computing, Digitalisierung – und jetzt auch künstliche Intelligenz. Können wir denn nicht einfach mal loslegen?

Nett, aber nicht genug

Alexander Gerst geht eigentlich immer! Unser Mann im All ist für das Universe, dass All-Umfassende, das Perspektivische bestens geeignet. Denn aus der Höhe der Internationalen Raumstation (ISS) ist vielleicht keine Digitalstrategie auszumachen, dafür aber die Auswirkungen des Klimawandels, die drohende Überbevölkerung, das Artensterben, die Umweltverschmutzung… Sicher auch wichtige Themen. Aber eigentlich sollte Alexander Gerst seine Erfahrungen mit dem KI-Roboter wiedergeben, der die Crew auf ihrer jüngsten Reise begleitet.

Aber die Schalte mit der ISS kam nicht zustande – angeblich, weil auf der Raumstation die Tagesordnung kurzfristig geändert wurde. Möglicherweise war die Zuschaltung mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gestrichen worden, weil die Raumstation gerade in unserer Galaxis an einer Milchkanne Halt gemacht hatte. (Achtung: altsprachlicher Wortwitz!)

Aber eigentlich ist das kein Witz, sondern das Symbol dafür, dass wir wirklich nichts mehr richtig hinbekommen. Man muss sich nur mal vorstellen, die Internationale Raumstation hätte eine Schalte mit dem Weißen Haus versemmelt. Der Shitstorm hätte die Ausmaße eines Hurricanes der Kategorie Eins. Geplant war der Digitalgipfel zum Thema Künstliche Intelligenz. Vorgeführt wurde dann aber doch wieder nur der Roboter Pepper, die so ziemlich unsinnigste Anwendung menschlicher Intelligenz. Mehr Substanz war nicht drin, weil das Thema KI schon vor dem Digitalgipfel durch die Ankündigung der Drei-Milliarden-Spritze des Bundeswirtschaftsministers weggefrühstückt worden war.

Apropos Shitstorm: Das Wort verwendete die Kanzlerin in Würdigung des Hohngelächters, das ihr seinerzeit entgegenschlug, als sie von der digitalen Welt als „Neuland“ sprach. Jetzt nannte sie es ein Terrain, das noch nicht vollständig durchschritten ist – eine sicherlich zutreffende Formulierung angesichts der weitestgehend zögerlichen Adaption von Digitalstrategien in der mittelständischen Wirtschaft. Dass aber Digitalisierung die Voraussetzung für die Anwendung künstlicher Intelligenz ist, dass es erst Daten geben muss, um Informationen zu generieren, auf denen Menschen oder Maschinen dann Entscheidungen treffen, das wurde auf dem Digitalgipfel von den Vertretern der Bundesregierung nicht erwähnt.

Kein Wunder, dass Telekom-Chef Tim Höttges da irgendwann mal der Kragen platzte und die Sonntagsrederei zur Digitalisierung anprangerte und mehr Konsequenz bei der Umsetzung von KI-Forschungsaufträgen und konkreten Projekten anmahnte. Denn schließlich habe Deutschland schon die konsumorientierten Internet-Angebote an US-Giganten wie Google oder Amazon verloren. Auch beim Cloud Computing sind die US-Anbieter wie Microsoft, Amazon oder Google führend, während nur fünf Prozent des kompletten in Deutschland verarbeiteten Datenvolumens bei den beiden nennenswerten deutschen Anbietern – SAP und Telekom – liegen. Und bei der Verwertung durch autonome Systeme, also bei der Entwicklung und Nutzung von KI-Algorithmen, drohe das gleiche Schicksal: „Ich mache mir Sorgen, dass wir uns in einer politischen Diskussion verstricken und wegen der Vielfalt der Stimmen nicht vorankommen.“

Ich teile diese Sorge. Als Teilnehmer dieses Digitalgipfels konnte ich diese Sorge schon im Interview äußern: „Wenn wir uns Länder angucken, mit denen wir uns im internationalen Wettbewerb nach wie vor befinden, wie China oder den USA, ist der Versuch, was mit drei Milliarden zu machen nett, aber bezogen auf das, was wir damit tun können, nicht genug.“ Vielleicht ist aber die Frage nach der investierten Summe gar nicht der entscheidende Ansatz: vielmehr brauchen wir einen Kulturwandel in Deutschland. Wir müssen zurückkehren zu einer Kreativität, die in sich disruptiv ist – so wie uns das die Startups vormachen. Nur so kommen wir raus aus dem Digit-Tal.