Es ist das Netz, nicht die Kette

Wer als Unternehmer glaubte, in einer Supply Chain oder Wertschöpfungskette zu operieren, war schon immer auf dem Holzweg. Die Geschäftsbeziehungen der realen Welt funktionierten noch nie einfach nur eindimensional – hier ein Zulieferer, dort ein Kunde. Doch noch nie hatte das komplexe Geflecht von Kunden- und Lieferanten-Beziehungen eine so ideale technologische Analogie erfahren wie durch das Internet.

Allerding ist es interessant, dass dieses Phänomen zunächst nicht etwa die Unternehmer wahrgenommen haben, sondern die Unterhalter, die Chatter und Social Mediatoren. Ihre EDI-Formate wie Tweeds, Posts oder Visitenkarten waren vor allem ID-Formate: minimalisierte und damit standardisierte Kommunikationseinheiten, auf denen sie ihre Befindlichkeiten und Einsichten austauschten.

Jetzt ziehen die Unternehmen nach und gestalten ihre Geschäftsprozesse ebenfalls in sozialen Netzwerken, die auf klar definierten Informationseinheiten aufbauen. Hervé Couturier, SAPs neuer Chef für technische Entwicklung, macht dabei drei Megatrends der webbasierten Zusammenarbeit aus:

Kollaboration zwischen Personen und Prozessen: So, wie sich die sozialen Netzwerke aus einfachen Nachrichten und gut standardisierten Prozessen zusammensetzen, werden sich auch die Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in vierfacher Hinsicht weiterentwickeln: Das (1) projektorientierte Arbeiten wird durch die (2) Fähigkeiten von Individuen in ihren (3) hierarchischen Strukturen zu einem (4) Management von Klientel- und Partnerkontakten ausgebaut.

Das ist alles andere als trivial. Bislang nämlich haben entweder Personen oder Prozesse kollaboriert, haben entweder Strukturen oder Zielgruppen zusammengefunden. Das hat gut funktioniert, war aber immer ein statisches Abbild der Realität. Jetzt entwickeln sich Kommunikationsbeziehungen im Internet dynamisch.

Das Netzwerk schafft sich seine Werkzeuge selbst: Anbieter wie Apple oder Salesforce machen es vor. Die wichtigsten Entwickler für neue Anwendungen sitzen nicht mehr im Unternehmen, sondern in der Community. Auf diesen Plattformen werden sich auch Communities entwickeln, deren Hauptzweck nicht die Entwicklung von Apps für die Plattform ist, sondern die die Plattform um Funktionen ergänzen, die sie zur besseren Kollaboration benötigen. Irgendwann schreiben sich die Kunden dann ihre Anwendungen selbst – wie bei Salesforce. Auch SAP geht offensichtlich mit Business by Design allmählich diesen Weg und forciert Partner-Addons als Ergänzung ihres eigenen Lösungsangebots.

Dinge und Dienste verschmelzen: Das Internet wird immer stärker zum Abbild der realen Welt. Das bezieht sich nicht nur auf die virtuellen Welten als Abbild der realen Situation, die wir heute mit großer Begeisterung im Internet nutzen. Durch Technologien wie RFID beispielsweise können Waren über das Internet Auskunft über ihren Zustand geben und Aktionen wie zum Beispiel Transportaufträge initiieren. Das Internet der Dinge verschmilzt mit dem Internet der Dienste und verschafft so Unternehmen die Möglichkeit, auf ihre Umwelt flexibel zu reagieren. Im Ergebnis entstehen neue Dienstleistungsangebote.

Die Welt wird immer mehr convenient, sie líegt nicht an der Kette, aber sie geht uns ins Netz.

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