Blade in Germany

„Die Cloud-Computing-Debatte ist vorüber“, frohlockte Dan Burton, als Vice Preisdent bei Salesforce für Public Policy zuständig. Er hat damit dem Rechnen aus der Wolke nicht den Tod angekündigt, sondern eine Ära eingeläutet, in der auch die amerikanischen Bundesbehörden mit dem Wolkenmodell rechnen. Immerhin ein Jahresbudget von 80 Milliarden Dollar verwalten die IT-Verantwortlichen der US-amerikanischen Regierungsstellen zusammen genommen. Auch nur ein Prozent wäre bereits ein warmer Regen für die Cloud.

Kein Wunder also, dass die Anbieter ihre Anstrengungen vervielfachen, den bewährten „Approved“-Stempel der Sicherheitsbeauftragten zu bekommen. Denn die Behörden wollen zwar bei den Betriebskosten sparen, nicht aber bei der Sicherheit. Anbieter wie Apple und Google haben sich bereits erfolgreich um das Gütesiegel bemüht und arbeiten intensiv daran, den IT-Staatssekretären das Cloud Computing jenseits von Office-Funktionen und Email-Speicherung schmackhaft zu machen. Microsoft, HP und Oracle suchen nach Wegen, das OnPremise-Geschäft mit Behörden zu OnDemand-Angeboten umzumünzen. Die Cloud als Antibürokratie-Vehikel? Der Weg in die Citizen-Cloud ist jedoch noch weit.

Auch in Deutschland, wo eine Elster noch lange keinen Entbürokratisierungs-Sommer macht, wirbt der IT-Gipfel unermüdlich für die Potenziale, die sich für Unternehmen und Bürger ergeben könnten, wenn Cloud-Services aus den Ämtern neue Services für die Crowd anbieten. Neuen Schub dürfte jetzt die Deutsche Telekom bringen, die sich schon lange für die „deutsche Cloud“ als Markenzeichen stark macht. Telekom-Chef René Obermann hat dies inzwischen zur Chefsache erklärt und will auf dem Mobile World Congress in Barcelona und der CeBIT in Hannover seine neue Dienstbereitschaft aus der Wolke ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Denn „Cloud in Germany“ ist längst ein Markenzeichen, ohne dass sich hier ein Ministerium oder Bundesverband um eine Dachmarke bemüht. Wenn schon nicht die deutsche Gesetzgebung beim Datenschutz und der Datensicherheit, so ist doch deren Umsetzung in praktische Angebote ein Exportschlager der Zukunft: ein Blade für jeden Mittelständler. Die Deutsche Telekom wird im Ausland als Gralshüter des Datenschatzes wahrgenommen. Wenn der misstrauische deutsche Mittelstand in die Wolke geht, ist das ein Testimonial für den Rest der Welt. Die will dann auch ein Blade in Germany.

Vielleicht ist es ja noch ein Glück, dass der angestrebte Verkauf der Deutschen Telekom USA an AT&T auf der Zielgerade verendete. In diesem Ende könnte in der Tat ein Anfang innewohnen: So schwer es für Nicht-Amerikaner ist, einen Fuß in die Tür zu den US-Bundesbehörden zu bekommen – einen zweiten Anlauf unter der Cloud wäre es doch wert.

Dabei hört man auch aus Großbritannien widersprüchliches zum Engagement der Deutschen Telekom. Das dort zusammen mit France Telecom betriebene Unternehmen „Everything Everywhere“ soll dem Vernehmen nach ganz oder teilweise zum Verkauf stehen. Offenbar soll bei der Deutschen Telekom erst die Position auf dem Kontinent gestärkt werden, ehe erneut in angelsächsische und amerikanische Abenteuer investiert wird.

Auch eine Strategie: Manchmal muss man gehen, um stark wiederkommen zu können. Dann aber mit der neuen Dachmarke „Deutsche Cloud approved by German Mittelstand“ – oder so. Klingt ein bisschen blade, kommt aber bestimmt gut an.

2 Gedanken zu „Blade in Germany“

  1. Der deutsche Mittelstand wird die Gelegenheit CeBIT sicher nicht auslassen, um z.B. von der Deutschen Telekom, SAP, Microsoft oder DATEV zu erfahren, welche Sicherheitsmöglichkeiten es bei den einzelnen Cloud-Angeboten gibt. Nach der gemeinsamen Veranstaltung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gibt es von Deutschland sicher im Netz e.V. organisierte Rundgänge für Mittelständler – genau zu diesem Thema.

    https://www.sicher-im-netz.de/unternehmen/CeBIT_Veranstaltung.aspx

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