Teilen ist das neue Haben

Unsere gesamte Mobilitätsgesellschaft beruht auf dem uralten Wunsch, Menschen und Waren von A nach B zu transportieren. Komplizierter wird die Sache, wenn gleichzeitig auch der Wunsch besteht, Menschen und Waren von B nach A zu bewegen. Und richtig komplex wird die Sache, wenn auch noch ein Punkt C hinzukommt. Dann braucht man schon eine gescheite Infrastruktur, um die Komplexität zu bewältigen. Insofern ist es kein Wunder, dass ausgerechnet in Europa und Nordafrika die Wiege der Kultur liegt. Denn das Mittelmeer bot seit Jahrtausenden eine Transportinfrastruktur, die es erlaubte, ganze Weltreiche mit Waren und Menschen zu versorgen – von A bis O.

Logistik ist also ein Stück Menschheitsgeschichte, seit der erste Mensch auf die Idee kam, das erlegte Tier nicht vor Ort zu verschlingen, sondern in die heimische Höhle zu schleppen. Als dann auch noch die Faustkeil-Produzenten, die Feuer-Bewahrer und Kräuter-Sammlerinnen in den Prozess einbezogen wurden, war die erste Supply Chain geknüpft. Von da ab wurde praktisch nichts Neues mehr erfunden, solange in B gebraucht wurde, was in A vorhanden war.

Aber es wurde massiv optimiert bis zur heutigen multi-modalen Welt aus Transportwegen zu Wasser, zu Land und in der Luft mit Auto-Identifikation, Sendungsverfolgung, Hubs und Letzter Meile. Heute wird gepickt, gepackt und gepusht, getaktet, getracet, getrackt und getunet im Internet der Dinge und dank Cloud-Services, mit deren Hilfe immer mehr Eigenschaften in Richtung Software, Big Data und künstlicher Intelligenz abwandern.

Doch am Ende bleibt immer noch der Transportweg von A nach B. Deshalb steht neben dem digitalen Fußabdruck der Logistik immer und überall der CO2-Footprint im Raum, wie sich letzte Woche erneut auf dem 35. Kongress der Bundesvereinigung Logistik in Berlin zeigte. Die digitale Transformation verbindet die beiden Schwestern im Wirtschaftsstandort Deutschland – Industrie und Logistik – auf praktisch allen Ebenen. Je smarter Maschinen und Waren werden, je stärker Prozesse erst automatisiert und dann autonom werden, desto mehr verändern sich nicht nur die Produktions- sondern auch die Transportprozesse. Immer mehr Kunden-Zentrierung sorgt nicht nur dafür, dass Produkte, die keiner haben will, gar nicht erst produziert werden, sondern auch nicht an Orte geschafft werden, wo sie keiner will. Das Gegenstück zur Industrie 4.0 ist die Logistik der vierten Generation, betonte BDI-Chef Prof. Dieter Kempf in seinem Grußwort auf dem BVL-Kongress.

Dabei seien die Klimaziele der Bundesregierung zwar einerseits anspruchsvoll, andererseits aber zu schaffen, wenn Bund und Land, Wirtschaft und Wissenschaft bereit seien, rund 500 Milliarden Euro in die Hand zu nehmen. Dann sei im nationalen Alleingang auch ein Rückgang der CO2-Emissionen um 80 Prozent bis zum Jahr 2050 möglich. Dabei ist, so betonte BVL-Vorstandsvorsitzender Robert Blackburn, die Elektromobilität nicht allein der Weisheit letzter Schluss, um den CO2-Ausstoss beim Transport von A nach B zu reduzieren. Aber jede Fahrt, die eingespart wird, ist ein Dienst am Klima. Darum sind KI-getriebene Entscheidungsmechanismen zur Lenkung von Verkehrs- und Warenströmen eines der spektakulärsten Entwicklungen in der Logistik 4.0.

Deshalb stand der 35. Logistikkongress auch unter dem Motto „Digitales trifft Reales“. Denn zwar wandert immer mehr Wertschöpfung in die Digitalwirtschaft ab, deren CO2-Footprint deutlich kleiner ausfällt. Aber auch angesichts von dezentralisierten Produktionsmethoden wie 3D-Druck oder „Losgröße 1“ muss am Ende ein Motor gestartet werden, um den Transport zu übernehmen. Während autonome Lkw-Konvois auf der Langstrecke wie eine clevere Alternative zum Individualverkehr erscheinen, liegen die überzeugenden Konzepte im urbanen Straßengüterverkehr auf der letzten Meile noch nicht vor.

Vielleicht kommt der entscheidende disruptive Impuls auch gar nicht aus der Logistik 4.0 oder der Industrie 4.0, sondern aus der Gesellschaft 4.0. Denn die Digital Natives – also die Generation bis 30 – leben immer mehr nach dem Motto: „Teilen ist das neue Haben“. Die Sharing Economy verlangt weniger Transport, weil sie mit weniger Besitz auskommt, dafür aber mehr Kommunikation benötigt. Vielleicht steht nach einigen Hunderttausend Jahren in der Logistik doch eine echte Revolution bevor.

 

Außer man tut es

Es wirft schon ein Schlaglicht auf den Wirtschaftsstandort Deutschland, dass mit Wirecard ein Unternehmen in den DAX aufgenommen wurde, das „erst“ vor einem Jahrzehnt gegründet wurde. Bis dato war es die beinahe ein halbes Jahrhundert alte SAP, die lange Zeit als jüngstes DAX-Unternehmen herumgereicht wurde, wenn es darum ging, eine innovative, „junge“ Company herzuzeigen. Zwischen SAP und Wirecard liegen beinahe 40 Jahre Pause, in denen nicht Nichts, aber so gut wie Nichts liegt – das zumindest ist der spontane Eindruck von der „Deutschland AG“.

Wirklich nichts? Drei der SAP Gründer – Plattner, Hopp und Tschira – haben es mit Technologieaktien nicht nur zu persönlichem Reichtum gebracht, sondern auch mit Stiftungen, Fördergeldern und Investments in Jungunternehmen gezeigt, was man mit Unternehmergeld tun sollte: nämlich es arbeiten lassen. Nur so blüht der Innovationsstandort Deutschland, nur so kann die Wirtschaft hierzulande weiter wachsen. Noch nie galt der Satz so uneingeschränkt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Nur so können die Herausforderungen, die sich mit dem digitalen Wandel verbinden, gemeistert werden. Aber es legt sich, so ist zumindest der vordergründige Eindruck, eine Bräsigkeit wie Mehltau über das Land. Irgendwie verpuffen alle diese inspirierenden Zukunftsprojekte wie Industrie 4.0, digitale Transformation, Elektromobilität, künstliche Intelligenz oder 5G in Detaildebatten statt großen Visionen, in Händeln statt Handeln, in „Schmutzeleien“ statt richtiger Politik. Statt die Diesel-Problematik zum Anlass für einen technologischen Sprung nach vorn für den Automobil-Standort Deutschland zu nutzen, wird daraus nur ein Stellungskrieg aus Schuldzuweisungen und Schulterzucken.

Man könnte darüber lachen, wenn man nicht darunter leiden würde. Einer der dies ebenso sieht, ist der Internet-Unternehmer und Westerwälder Selfmademan Ralph Dommermuth, dem die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung jetzt den Preis „Soziale Marktwirtschaft“ zugesprochen hat. Sein Unternehmen, die United Internet AG mit den Marken GMX, web.de, Strato und 1&1, ist nun auch nicht mehr das jüngste – vom Gründungsdatum (1988) her näher an der SAP als an Wildcard. Mit mehr als vier Millionen Kunden hat United Internet einen wesentlichen Anteil an der Vernetzung der Deutschen durch Internet-Anschlüsse, Smartphone-Accounts und Webhosting.

Seine Dankesrede nutzte der Internet-Unternehmer jetzt, um mehr Engagement beim Netzausbau, insbesondere in der mobilen Infrastruktur anzumahnen. Davon profitieren nicht nur Millionen Smartphone-Benutzer auf dem Land, sondern vor allem Milliarden Sensoren, Maschinen und Steuerungen im Internet der Dinge. Damit, so Dommermuth, werde der „industrielle Kern“ Deutschlands gestärkt. Denn eigentlich bringe die deutsche Wirtschaft die besten Voraussetzungen mit: internationale Wettbewerbsstärke bei Mechanik, Sensorik, im Maschinenbau, in der Prozessoptimierung, in der Logistik. Deshalb sind mehr Investitionen und zügigere Freigabeverfahren für den Ausbau des sogenannten 5G-Netzes so dringend wie – es ist fast trivial, dieses unfreiwillige Bonmot des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zu wiederholen – der Ausbau der Autobahnen. „Wir sind spät dran“, warnte Dommermuth, aber „noch können wir Fehler korrigieren.“

„Schon morgen wird jedes Hundehalsband einen Internet-Anschluss haben“, machte Ralph Dommermuth in Gegenwart des KAS-Vorsitzenden Norbert Lammert die Entwicklung plakativ deutlich. Wichtiger noch aber ist die Tatsache, dass schon morgen jedes Fahrzeug, jedes Verkehrszeichen, jede Drohne, jeder Kühlschrank, jede Heizungsanlage, jeder Fertigungsautomat, jedes Werkstück und sogar jede Palette nicht nur über einen Internet-Anschluss verfügt, sondern auch untereinander Daten austauschen. Die Digitalökonomie wartet nicht, bis Deutschland aus seiner Lethargie erwacht.

Deshalb brauchen wir „vorbildliche Unternehmer“ wie Ralph Dommermuth, die Visionen entwickeln und umsetzen. Deshalb dürfen aber auch „vorbildliche Unternehmer“ nicht die Ausnahme sein, sondern die Regel. Dass das für alle durchaus einträglich sein kann, beweist die Tatsache, dass der Montabaurer Internet-Unternehmer inzwischen auf Platz 34 unter den reichsten Deutschen rangiert, 9000 Arbeitsplätze geschaffen hat und – nicht zuletzt – durch sein gemeinnütziges Engagement Millionen für die Unicef eingeworben hat. Es wird Zeit, dass dieses „Vorbild“ mehr Nachahmer findet. Hauptsache, man tut es!

 

 

 

Irgendwas mit Cloud

 

Kann man sich noch vorstellen, dass die Studienberatungsstellen Ende des vergangenen Jahrtausends einmal davon abgeraten haben, Informatik zu studieren, weil das Angebot an Studienabgängern in absehbarer Zeit die Nachfrage übersteigen werde. Gut, dass viele Studierende damals auf die anderen MINT-Fächer – also Mathematik, Naturwissenschaften und Technik – ausgewichen sind oder wenigstens Wirtschaftsinformatik belegt haben. Wer das nicht tat, machte „Irgendwas mit Marketing“ oder „Irgendwas mit Medien“.

Anfang des neuen Jahrtausends sah die Welt dann ganz anders aus als in den Prognosen vorhergesagt. Das Y2K-Problem fegte den IT-Arbeitsmarkt leer. Der Hightech-Verband Bitkom identifizierte 30.000 offene Stellen im IT-Sektor, plädierte für die Green Card für gut ausgebildete Ausländer – und SAP sowie andere IT-Konzerne rekrutierten massenhaft Physiker, Chemiker und andere Absolventen analytisch geprägter Studiengänge, um sie als Programmierer, Systemanalytiker oder Berater umzuschulen. Andere – wie etwa Microsoft – setzten globale Schulungsmaßnahmen auf, um ihr Ökosystem fit für die Dezentralisierung der IT zu machen: Netzwerk-Administratoren, Helpdesk-Mitarbeiter und System-Engineers halten seitdem die IT am Laufen.

Inzwischen identifiziert der Bitkom allein in Deutschland ein Defizit von 55.000 IT-Fachkräften. Es würde freilich ohne die Schulungsmaßnahmen der IT-Anbieter noch schlimmer aussehen. Und immer noch bosseln wir an einem Einwanderungsgesetz herum, das uns den nötigen Skill ins Land bringt. Immer noch hängt unser Bildungssystem technologisch hinterher. Und bei einem Rekordtief der Arbeitslosenzahl mit 2,25 Millionen haben wir branchenübergreifend aktuell 834.000 offene Stellen.

Da ist es kein Wunder, dass IBM, SAP oder Microsoft das Bildungsdefizit selbst in die Hand nehmen. Der jüngste Vorstoß kommt mit der Microsoft Learn Platform jetzt aus Redmond. Der Clou dabei ist, dass damit nicht einfach nur eine weitere Zertifizierungsoffensive gestartet wird, sondern neue Cloud-orientierte Wissensgebiete mit bislang noch wenig verbreiteten Lernmethoden eröffnet werden. Microlearning und Gamification heißen dabei die Zauberworte, mit denen lebenslanges Lernen attraktiver und vor allem effektiver gestaltet werden soll.

Microsoft kommt damit auch einer veränderten Technologiewelt nach. Während früher mitunter Jahre zwischen der Ankündigung eines Produkts wie beispielsweise Windows Server und seiner tatsächlichen Markteinführung vergingen, liefern Cloud-Infrastrukturen heute Neuerungen im Wochentakt. Damit muss auch der Skill-Aufbau schneller erfolgen als in den guten alten PC-Zeiten. Doch wie damals, als der Personal Computer zugleich Gegenstand und Werkzeug des Lernens war, ist es heute die Cloud, die sich selbst ihre Kompetenzen schafft.

Die Microsoft Learn Platform wurde jetzt auf der Ignite in Orlando vorgestellt und dürfte erst der Anfang sein im Wettbewerb der Ökosysteme. Denn nach internen Analysen beklagen vor allem die großen IT-Anbieter, dass die technische Entwicklung inzwischen schneller voranschreitet als der Skill-Aufbau. Doch ohne ausgebildetes Personal können die Marktchancen, die sich gegenwärtig im Cloud Computing, im Internet of Things oder rund um die künstliche Intelligenz bieten, gar nicht genutzt werden. Microsoft Learn soll dieses Tempodefizit ausgleichen und neue Jobprofile ausprägen, die „irgendwas mit Cloud“ zu tun haben. Cloud Administrator, Cloud Developer, Cloud Solutions Architect heißen die neuen Fertigkeiten, mit denen die Herausforderungen des Cloud Computings gemeistert werden sollen wie Virtualisierung, Sicherheit, Datenmanagement oder Ressourcenmanagement. Hinzu kommen all die bislang unbekannten Jobs, derer es für die Gestaltung von KI-Systemen bedarf, um Machine Learning und Big Data Analytics voranzutreiben.

Es ist der alte, sich immer wieder bestätigende Wettlauf zwischen Mensch und Maschine. Je mehr die Maschinen können, umso mehr müssen auch die Menschen können. Technologie ist kein Jobvernichter, sondern ein Jobcreator. – Nur, dass die neuen Jobs kaum noch Ähnlichkeit mit den alten haben. Es wird lange dauern, ehe die Studienberater davon abraten werden, „Irgendwas mit Cloud“ zu studieren.

Von der Suchmaschine zur Findemaschine

Was haben Amerika, die kosmische Hintergrundstrahlung, Viagra, Nylonstrümpfe und Sekundenkleber gemeinsam? – Nun, dies alles sind Funde auf der Suche nach etwas anderem. Kolumbus war auf der Suche nach dem Seeweg Richtung Indien; die kosmische Hintergrundstrahlung wurde zunächst als Störgeräusch beim Testen einer Antenne wahrgenommen; Viagra war ursprünglich ein Mittel zu Behandlung von Bluthochdruck und Angina Pectoris; Nylonstrümpfe waren nicht das erste Anwendungsbeispiel für Polyamide, aber deren erfolgreichstes; und die klebrige Eigenschaft von Cyanacrylat wurde zunächst als störend empfunden, ehe dieses „Feature“ als Sekundenkleber zum eigentlichen Verkaufsschlager wurde.

Alle diese Innovationen verbindet die Tatsache, dass ihnen der sprichwörtliche „glückliche Zufall“ zur Seite sprang, der allerdings nur „den vorbereiteten Geist begünstigt“. Will sagen: Nur wer sucht, kann auch finden. Ganz schnell sei noch erwähnt, dass dieses Phänomen seit gut 150 Jahren „Serendipität“ genannt wird, benannt nach dem Sanskrit-Wort für die Insel Ceylon. Denn in nur wenigen Jahren werden wir dieses wunderbare Phänomen nur noch „Big Data Analytics“, „Machine Learning“ oder „Cognitive Computing“ nennen…

Künstliche Intelligenz ersetzt vielleicht nicht den vorbereiteten Geist, aber doch den glücklichen Zufall, indem klassische Suchmechanismen zu Findemethoden ausgebaut werden. Ob bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe in der Pharma-Industrie, bei der Diagnose seltener Krankheiten, bei der Hilfestellung am Arbeitsplatz oder beim autonomen Fahren oder Fliegen – KI ist im Begriff, überall den Zufall durch Analyse zu ersetzen.

Nirgendwo ist diese Entwicklung allerdings besser zu beobachten als im Handel, wo seit Jahrzehnten massenhaft gesammelte Konsumentendaten darauf warten, dass die richtigen Schlussfolgerungen zeitnah und zielorientiert gezogen werden. Handel definiert sich seit Jahrtausenden aus dem Ausgleich asymmetrischer Märkte, aus dem Wissensvorsprung des Verkäufers gegenüber dem Käufer, aus dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage. KI bedient genau diese Eigenschaften und wird deshalb den Handel – egal ob im stationären Ladenlokal oder im Online-Shop – revolutionieren.

Dabei geht es gar nicht einmal darum, ob Drohnen künftig Waren ausliefern, Roboter im Baumarkt Kundenfragen beantworten, oder smarte Spiegel im Fashion-Shop dabei helfen, das richtige Outfit zusammenzustellen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz werden schon heute Preise individuell austariert – je nach dem Potenzial des Kunden und dem Wunsch, ihn zu binden. KI sorgt für mehr Marken-Loyalität, weil sie auf das individuelle Bedürfnis der Kunden ausgelegte Erlebniswelten erschafft. Und KI sorgt dafür, dass das individuell gestaltete Produkt genau dem Kundenwunsch entspricht – und zwar, bevor der Kunde diesen Wunsch überhaupt geäußert hat. Am Ende sucht nicht der Kunde nach seinem Produkt, sondern das Produkt findet seinen Kunden. Der „glückliche Zufall“ wird automatisiert.

Mit KI wird Marktforschung zur Meinungsforschung, die sich nicht aus einer Sonntagsfrage speist, sondern jeden Schritt und jede Entscheidung des Käufers analysiert. Nicht nur Amazon und Google experimentieren mit KI-gestützter Kundenanalyse, auch WalMart oder die großen deutschen Discounter optimieren inzwischen ihr Warenangebot und das Laden-Layout mit Hilfe von der Auswertung großer Mengen an Kundendaten. Davon profitieren vor allem globale Handelsketten, die nicht nur über deutlich mehr Datenmaterial verfügen, sondern auch über die notwendigen Economies of Scale, in denen die riesigen Investitionen überhaupt wirtschaftlich vertretbar sind – egal, ob am Point of Sale oder im Lieferservice.

Die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Handel steht sonderbarerweise im krassen Gegensatz zur Wahrnehmung der Kunden. Sie bemerken es kaum, wenn KI-Assistenten ihre Kaufentscheidung beeinflussen oder die Lieferung zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort erfolgt. Im Gegenteil: Nur 15 Prozent der Deutschen glauben, dass KI-Technologie einen tatsächlichen Nutzen erbringt. Damit lebt der Handel auch weiterhin von der Asymmetrie: der Verkäufer weiß mehr als der Käufer – nur auf höherem Niveau.