Tausend und Dein Service

Es ist drei Jahrzehnte her, da begab sich die IBM auf die Reise zum Mittelpunkt der Wirtschaft. Das Flaggschiff, mit dem Big Blue aufbrach, hieß erst „Future“, dann „Olympic“, schließlich „Silverlake“, ehe es als „Anwendungssystem 400“ auf den Mittelstand losgelassen wurde. Getreu der selbstauferlegten Marktbeschränkung, keine Anwendungssoftware zu vermarkten, stützte sich IBM auf die Partnerschaft mit zahllosen mittelständischen Softwarehäusern unter einer gemeinsamen Dachkampagne: Tausend und Deine Anwendung.

Alles war gut, denn die Softwareanbieter brachten erst ihre Lösung an den mittelständischen Unternehmer und vertickten dann als Hardware die AS/400. im Ergebnis entstand eine Win-Win-Win-Situation für IBM, die Software-Partner und die Anwender. Die unkaputtbare iSeries, wie die AS/400 heute heißt, tickt noch in vielen mittelständischen Unternehmen – und sie ist möglicherweise eine der stärksten Widersacher der Cloud. Denn sie läuft und läuft und läuft…

Dabei erfährt diese Win-Win-Win-Situation durch die Cloud eine Neuauflage – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Diesmal suchen die Softwarehäuser die Partnerschaft mit Plattform-Anbietern, um ihre Lösungen an den Mittelstand zu bringen. Jüngstes Beispiel ist die auf höchster Ebene zwischen den CEOs von Microsoft und SAP, also zwischen Satya Nadella und Bill McDermott, vereinbarte Zusammenarbeit, nach der binnen Jahresfrist die SAP HANA Enterprise Cloud vollständig auf Microsoft Azure zur Verfügung gestellt werden soll. Es ist nach Amazon und Google die dritte Cloud-Partnerschaft, die SAP eingeht, um sich performante Umgebungen für ihre Anwendung zu sichern.

Und die Cloud-Anbieter stehen im Wettbewerb untereinander um die meisten Softwarepartner auf ihrer Liste. Denn die Softwareanbieter fungieren als Multiplikatoren. Je mehr Anwender sie mit ihren Lösungen auf die Plattform bringen, desto größer werden die revolvierenden Umsätze mit Cloud-Services. Und mehr noch: Je stärker ein Data Center ausgelastet ist, desto größer wird die Marge. Und schließlich: Je größer ein ausgelastetes Data Center ist, desto größer ist der Gewinn. Das sind die einfachen Regeln der Economies of Scale.

Aber sie lassen sich in den Höhen der Cloud besser verwirklichen als in den Niederungen des klassischen Hardwaregeschäfts. Deshalb stehen die Cloud-Anbieter in den vier wesentlichen Plattform-Eigenschaften unter einem permanenten Verbesserungsdruck. Sie müssen sich in den Nutzungskosten unterbieten, wenn sie sich nicht in puncto Sicherheit, Integrität, Performance und Cloud-Services überbieten können. Das ist zunächst einmal gut für den Anwender. Er bekommt mehr „Bang for the Buck“.

Aber es ist auch gut für die Software-Anbieter, die mehr Services aus der Cloud bekommen. Im Falle von Microsoft Azure sind das nicht nur Sicherheitsfeatures, sondern jede Menge Add-ons der künstlichen Intelligenz – wie zum Beispiel Machine Learning, Bots oder kognitive Systeme. Mit Microsoft 365 können SAP-Kunden diese Vorteile nutzen. Azure bietet darüber hinaus eine Plattform für das Internet der Dinge. Und hier stehen Microsoft und SAP pikanterweise sogar im Wettbewerb zueinander.

Und auch davon profitiert letztendlich der Kunde. Er bekommt zur Anwendungs-Suite S/4 HANA noch Tausend und Deine Services aus der Cloud hinzu. Dabei spart er Geld – denn die Cloud-Umgebung wird sich über kurz oder lang als kostengünstiger erweisen als die klassische Hardware-Umgebung, die ja im Falle von HANA auch besonders leistungsfähig sein muss. Er bekommt aber auch durch Hybrid-Lösungen aus On-Premises- und On-Demand-Diensten die Flexibilität, um seine Anwendungsumgebung ganz allmählich vom eigenen Rechenzentrum ins Azure Data Center zu verlagern. Und er bekommt mehr Sicherheit durch die „Trusted Cloud“-Angebote hinter Azure und der Kooperation mit der treuhänderisch agierenden Deutschen Telekom. Und schließlich gilt Azure als besonders geeignet für S/4 HANA unter Linux.

Und wo bleiben die klassischen Hardware-Anbieter vom Schlage IBM? Abgesehen davon, dass auch IBM als Cloud-Anbieter reüssiert, offenbart die Cloud einen für die „Big Irons“ völlig neuen Vertriebsansatz. Statt Abertausenden von Unternehmen Hardware hinzustellen, müssen nur noch ein gutes Hundert von Cloud-Anbietern betreut werden. Und die Data Center wachsen mit jedem Kunden und jeder neuen Partnerschaft. Und mit den Tausend und Deinen Services, die in einer dynamischen Cloud mit hoher Geschwindigkeit dazukommen.

Unklare Kante

Die ewig oszillierende Informationstechnologie ist wieder einmal im Begriff, die Richtung zu wechseln im fortdauernden Wechselspiel von Zentralisierung und Dezentralisierung. Nachdem auf die zentralen Mainframes die verteilten Personal Computer folgten, die wiederum durch Server zusammengefasst wurden, kommt rund um das Cloud Computing die nächste Restrukturierungsrunde. Denn auf die zentralen Server-Farmen folgte die Auslagerung von Teilen der IT, wobei der Weg zu Hybrid-Lösungen gerade erst begonnen hat. Doch schon folgt der nächste Dezentralisierungsschritt an der Kante zwischen Mensch und Maschine, zwischen Endgerät und Server, zwischen Datenerfassung und Datenanalyse.

Edge Computing ersetzt nicht die Cloud, aber es entlastet sie. Denn je mehr Daten durch mobile Endgeräte und intelligente Maschinen anfallen, desto notwendiger wird eine Infrastruktur, die die Daten abfängt, bevor sie die Kanäle verstopfen. Das Internet der Dinge mit seinen Billionen an Sensordaten benötigt eine Instanz, in der die Minimalinformationen verdichtet werden, ehe sie von den zentralen Unternehmenslösungen zur Planungsgrundlage herangezogen werden.

Edge Computing wird überall dort zum Einsatz kommen, wo unsere Kommunikation auf schnelle Interaktion ausgelegt sein wird. Das kann überall, mit jedem und allem sein: wenn wir von selbstfahrenden Autos, interaktiven Werbeplakaten, Systemen zur Gesichtserkennung und Standortbestimmung umgeben sind und gleichzeitig Posts über Facebook (oder seinem heute noch unbekannten Nachfolger) verbreiten, uns mit Freunden beim nächsten Starbucks verabreden und vorher schnell noch „148 Mails checken“ – dann wollen wir nicht auf die Antwort einer imaginären Cloud warten, sondern kommunizieren, als wäre der nächste Netzknoten „um die Ecke“ oder wir „Close to the Edge“.

Dabei kommen praktisch ausschließlich Systeme zum Einsatz, die es heute schon gibt – Edge Computing nutzt die Rechenleistung von Smartphones, Tablets, Controllern, Routern und Servern für eine schnelle Peer-to-Peer-Vernetzung. Dennoch dürften die Investitionen immens sein, berücksichtigt man die Allgegenwart der Edge. Die Cloud schwebt über allem, Edge schwingt überall.

Dabei sind nicht nur Cloud-Provider und Telekommunikationsanbieter, die Betreiber von Infrastrukturen für Smart Cities oder Smart Factories betroffen. Jede Organisation, deren Geschäftserfolg von der Unmittelbarkeit der Kommunikation mit ihrer Klientel abhängig ist, wird sich auf die Kante konzentrieren müssen. Dabei dürfte der größere Aufwand nicht in der Hardware liegen, sondern in der Entwicklung neuer Apps, die eine interaktive User Experience erlauben. Die „MeNow“-Generation wird Ubiquität und Unmittelbarkeit in praktisch jeder Lebenslage einfordern – bei der Kaufentscheidung, bei Gesundheitsfragen, bei Verabredungen und beim Feedback zu Ereignissen in der aktuellen Umgebung.

Das ist kein Ausdruck einer hypernervösen Gesellschaft, die alles im Jetzt und Hier erleben will. Es ist vielmehr das Symptom einer sich immer genauer synchronisierenden Welt, in der Millisekunden entscheiden können. Ein Auto legt bei Tempo 160 knapp viereinhalb Meter pro Zehntelsekunde zurück. Bei der Darstellung virtueller Realitäten werden Verzögerungen von mehr als fünf Millisekunden, die zwischen Kopfbewegung und Bildaufbau liegen, bereits als störend empfunden. Schon vor zehn Jahren schätzte Amazon-Pionier Greg Linden, dass eine Millisekunde Verzögerung im laufenden Online-Verkauf ein Prozent des Umsatzes kosten kann. Und ebenfalls 2006 rechnete Melissa Mayer vor, dass 500 Millisekunden Verzögerung bei der Online-Suche den Google-Umsatz um bis zu 20 Prozent verringern würden. Und nicht zuletzt entscheiden Millisekunden im Online-Trading an den Börsen über Gewinn und Verlust.

Nach Einschätzung der Gartner Group, die Edge Computing zum nächsten ganz großen Ding in der Informationstechnik erkoren hat, werden in den kommenden fünf Jahren zwei von fünf Unternehmen in diese Technologie investiert haben. Heute schätzt Gartner, dass nicht einmal ein Prozent der Organisationen weltweit Anstrengungen in diese Richtung unternommen hat.

Wie allerdings Unternehmen in die Kante investieren sollen, ist noch weitgehend unklar. Es wird nicht jeder Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen wichtigen Knoten in ungebrochenem Fiberglas legen können. Selbst dann würde eine Datenreise von San Francisco nach New York City und zurück immer noch 42 Millisekunden verbrauchen – ohne Verarbeitungszeit für die Anfrage. Edge Computing fordert die Lichtgeschwindigkeit heraus. Ein herrliches Thema für Science Fiction. Wir stehen an der Kante zum Sprawl, wie William Gibson das alles umfassende Datennetz in der Megalopolis seiner Neuromancer-Trilogie nannte. Es lohnt sich, die Welt des Sprawls oder der späteren Matrix noch einmal zu besuchen. Wir stehen an der unklaren Kante zur nächsten Dezentralisierungsrunde.

That´s IT!

Die Informations- und Kommunikationsbranche werde in Deutschland noch allzu häufig unterschätzt, klagte Dieter Kempf. Dabei habe ITK zu den beiden großen Arbeitgebern im Lande aufgeschlossen – dem Maschinenbau und dem Autobau, die beide knapp eine Million Menschen in Lohn und Brot halten. Das war vor vier Jahren, als der heutige BDI-Präsident noch Präsident des Hightech-Verbands Bitkom war.

Heute strahlt sein Nachfolger im Bitkom-Amt, Achim Berg, über eine ungebremste Dynamik in der Branche. Zwar haben die beiden traditionellen Branchen – Maschinenbau und Autobau – inzwischen die Millionengrenze an Arbeitskräften überschritten. Aber der größte Arbeitgeber ist hierzulande inzwischen der ITK- und Unterhaltungssektor – mit 1,077 Millionen Beschäftigten. Schlägt man die Elektronikindustrie noch dazu, dann sind in Deutschland knapp zwei Millionen Menschen mit der Nutzbarmachung der kleinen Elektronen in Kabeln und Schaltkreisen beschäftigt.

Und immer noch wird die Branche unterschätzt. Zwar spricht inzwischen jeder Sonntagsredner von der Bedeutung der Digitalisierung und erkennt das Internet als eine Infrastruktur an, die beinahe wichtiger ist als das Verkehrsnetz. Aber immer noch tun sich beispielsweise Banken schwer damit, Kredite auf immaterielle Werte wie Software zu gewähren. Noch immer ist eine Idee, die auf die Veränderung von Geschäftsmodellen zielt, schwieriger zu finanzieren, als ein Patent auf eine neue Verpackungsmaschine. Dabei müsste allein der Diesel-Skandal die Macht des Immateriellen für jedermann deutlich machen: die Automobilindustrie scheut die Hardware-Nachrüstung wie der Teufel das Weihwasser und singt stattdessen das Hohelied des Software-Updates.

Tatsächlich ist die Bedeutung von Software und Systemen für die Weltwirtschaft gar nicht groß genug zu bewerten . Noch immer also dürfte der ITK-Sektor in seiner Wirkung als Enabler und Hygienefaktor unterschätzt werden. Dabei sind alleine in Deutschland mindestens noch einmal eine Million Menschen auch in anderen Branchen mit Informations- und Kommunikationstechnik befasst. Über kurz oder lang wird jedes Unternehmen – egal aus welcher Branche – auch ein Software-Unternehmen sein. Denn immer mehr Produkteigenschaften wandern in die Bits und Bytes, die mit der Hardware mitgeliefert werden.

In der Tat schreitet die Dematerialisierung der Wirtschaft immer weiter voran. Vor 25 Jahren beschäftigten sich die fünf teuersten Unternehmen der Welt mit Öl, Hardware und Großanlagen. Vor zehn Jahren hielt sich allein der Ölgigant Exxon in den Top-Five. Und heute finden sich neben den „Oldies“ Apple und Microsoft nur noch Internet-Giganten in der Fünfer-Gruppe der Reichsten und Schönsten.

IT-Skill ist bereits seit Jahrzehnten eine Mangel-Ressource. Ihr Fehlen behindert das wirtschaftliche Wachstum. Nach Einschätzung von Bitkom-Präsident Achim Berg könnten es hierzulande rund 50.000 Beschäftigte mehr sein, die im ITK-Sektor unterkommen. Die Zahl hält sich erstaunlich konstant über die letzten zwei Jahrzehnte. Schon zu Zeiten der Greencard fehlten 50.000 IT-Fachleute. Heute fehlen die Konzepte, wie diese Differenz mit ausländischen Fachkräften ausgeglichen werden könnte. Es ist eine der vielen Herausforderungen, vor denen die nächste Bundesregierung steht. Sie muss ein Einwanderungsgesetz formulieren, das sich wie eine Stellenbeschreibung für Hochqualifizierte liest.

Aber die Wirtschaft weiß sich auch selbst zu helfen. Im Silicon Valley ist längst ein erbitterter Kampf um die Talente entbrannt. Wer heute einen Arbeitsplatz im Tal der unendlichen Möglichkeiten verlässt, wird einen lukrativeren Posten zwei Blocks weiter finden. Und wer über besondere Qualifikationen verfügt – wie etwa die Entwicklung von Systemen künstlicher Intelligenz –, kann nach einem Bericht der New York Times inzwischen Gehälter zwischen 300.000 und 500.000 Dollar verlangen – ohne Doktortitel und mit wenigen Jahren Berufserfahrung. In Googles KI-Projekt Deepmind beispielsweise sind derzeit rund 400 Mitarbeiter involviert. Die Personalkosten für das Projekt belaufen sich aber auf 138 Millionen Dollar jährlich. Das entspricht einem Durchschnittsgehalt von 345.000 Dollar im Jahr. Und die Gehälter werden weiter hochgetrieben, weil inzwischen auch der Maschinenbau und die Automobilhersteller händeringend nach KI-Experten suchen – weltweit!

Deutschland befindet sich also in einem äußerst wettbewerbsstarken Umfeld, wenn es darum geht, den Fachkräftemangel im Land zu verringern. Es bedarf mehr als nur halbherziger Anstrengungen, um die Wachstumsdynamik in Deutschland beizubehalten. Sonst laufen die Fachkräfte weg. Ihnen folgt das Knowhow, dann geht die Arbeit und schließlich das Geld.

Das wärs dann. That´s IT.

Neues Jobprofil: Der IT-Erklärbär

Die Aussichten könnten besser kaum sein: mehr als die Hälfte der deutschen Anwenderunternehmen plant, das Budget im kommenden Jahr mit Blick auf den digitalen Wandel aufzustocken. Und immerhin jeder dritte will die Ausgaben wenigstens auf der bisherigen Höhe belassen. Das klingt schon deshalb ermutigend, weil die meisten Unternehmen in Investitionen in das Cloud Computing immer noch und vor allem Kostensenkungsmaßnahmen erkennen. Dass Cloud Computing sich aber inzwischen vom reinen Outsourcing-Modell zur hybriden Architektur für Mehrwert-Dienste wie Big Data, Künstliche Intelligenz oder mobile Computing entwickelt, bricht sich erst allmählich in den Köpfen der Anwender Bahn.

Dort herrschen vielmehr „beängstigende Verständnislücken“, wie sie jetzt der internationale Lösungsanbieter Epicor in einer groß angelegten Studie beobachtet hat. Immerhin eine von drei Führungskräften in Deutschland hat nach eigenem Bekunden zwar schon etwas von „Big Data“ oder „Cloud“ beziehungsweise „Software as a Service“ gehört, verbindet mit den Begriffen aber keine konkrete Vorstellung. Darüber hinaus gaben 36 Prozent zu, dass sie nicht mit dem „Internet of Things“ vertraut sind, für „3D-Druck“ liegt dieser Wert bei 44 Prozent, bei „Machine Learning“ bei 40 Prozent.

Der Wettlauf in die Digitalisierung scheint tatsächlich viele Anwender zu überfordern. Es geht nicht allein darum, auf der Höhe der technischen Entwicklung zu bleiben. Ebenso wichtig – wenn nicht wichtiger – ist es, die Möglichkeiten, die diese Technologien bieten, auch intern zu kommunizieren. Denn schließlich geht es darum, mit Hilfe von Big Data, KI, IoT, 3D-Druck oder Machine Learning die eigene Strategie so auszugestalten, dass man als Anwender einen größtmöglichen Nutzen daraus ziehen kann. Tatsächlich aber, so hat die Unternehmensberatung Kienbaum jetzt in einer groß angelegten Studie erfahren, hat eine von vier Führungskräften in Deutschland keine Klarheit über die aktuellen und zukünftigen Unternehmensziele. Ja, sogar jeder fünfte Manager mit Personalverantwortung tappt diesbezüglich im Dunkeln.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge ändern, war vielleicht noch nie so hoch wie heute. Und die Veränderungen sind wohl auch noch nie so weitreichend gewesen – sieht man vielleicht von der Beherrschbarkeit des Feuers ab.

Und während viele Anwender diese Entwicklung damit abzutun scheinen, dass es sich bei der digitalen Transformation um eine Nebenwirkung der digitalen Giganten wie Google, Apple und Amazon handelt, die mit der eigenen Zukunft nur wenig zu tun hat, sind es in Wahrheit doch die Betreiber der Unternehmens-Architekturen – also Microsoft, IBM, Oracle oder SAP – die auf dem Weg ins Cloud Computing mit Hochgeschwindigkeit voranschreiten und gestern Big Data, heute IoT und morgen künstliche Intelligenz promoten. Da kann es nicht verwundern, dass manch mittelständischer Anwender angesichts technologischer Höchstgeschwindigkeit, mangelnder interner Kommunikation und dem Fehlen einer verlässlichen Vision auf der Strecke bleibt.

Da kann nur ein professioneller Erklärbär des Vertrauens helfen – und der ist im Grunde auch schnell bei der Hand. Die wenigsten mittelständischen Anwender kaufen direkt bei einem der großen Architektur-Anbieter. Sie arbeiten eher mit dem Systemhaus um die Ecke zusammen, das in etwa die gleichen Strukturen aufweist, den gleichen Menschenschlag herangebildet hat und offen zugibt, ebenfalls nur mit hängender Zunge mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. 82 Prozent der ITK-Anbieter blicken hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie erkennen allmählich, dass Cloud Computing und die damit verbundenen Technologien einen Riesenmarkt für sie darstellen.

Microsoft zum Beispiel rechnet vor, dass 90 Prozent des eigenen Umsatzes durch Partner stimuliert ist. Und umgekehrt bedeutet jeder Euro Umsatz bei Microsoft ein Vielfaches an Einnahmen bei den Partnern. Das gilt ganz analog bei IBM, Oracle und SAP, die diese Zahlen nicht so dezidiert offenlegen, aber im Prinzip die gleiche Channel-Strategie fahren.

Und dieser Vertriebskanal befindet sich selbst im Umbruch. Es geht nicht mehr darum, goldene DVDs in den Firmenrechner zu stecken, um das nächste Update zu „deployen“. Es geht darum, aus den vielen Technologie-Optionen die richtigen für das Anwenderunternehmen auszuwählen, bei der Formulierung einer langfristigen Digitalstrategie zu helfen und diese Maßnahmen dann Schritt für Schritt umzusetzen. Dazu muss man die Zukunft erklären können. Und Voraussetzung dafür wiederum ist es, die technologische Zukunft auch zu verstehen.

Hier steckt wiederum die große Herausforderung für die Architektur-Anbieter. Sie müssen ihre Partner „enablen“, diese neue Rolle des Erklärbärs auch richtig auszuspielen. Ihre Aufgabe muss es sein, die „beängstigenden Verständnislücken“ zu schließen – ehe morgen neue aufbrechen.