Digitalien – Geteiltes Land

Eine Studie der Management-Schule WHU hat jetzt gezeigt, dass selbst unter den Unternehmen in Deutschland, die unter starkem Modernisierungsdruck stehen, die Formulierung einer ganzheitlichen Digitalstrategie die Ausnahme ist. Lediglich 20 Prozent der Befragten sehen sich so weit. Die Hälfte der Unternehmen hat immerhin die Zuständigkeiten für eine Strategie der digitalen Innovationen und Geschäftsmodelle benannt. Ebenfalls die Hälfte sieht sich immer noch zu schlecht über die Themen und Technologien der digitalen Innovation informiert. Und ebenfalls 50 Prozent – vermutlich die gleiche Hälfte – versteht das Thema Digitalisierung vor allem als Angriffspunkt für weitere Rationalisierungsschritte und zur Kostenersparnis.

Deutschland, geteiltes Digitalland. Dieser Eindruck drängt sich nicht nur bei der Befragung von Unternehmen und Managern auf. Auch die Versorgung mit der geeigneten Infrastruktur sorgt hierzulande für ein geteiltes Bild. Die einen – stadtnahen Nutzer – verfügen über große Bandbreiten im Internetverkehr. Die anderen – ländlichen Bewohner – müssen noch immer ihr Handy aus dem Fenster halten, wenn sie einen vernünftigen Empfang haben wollen. Hier wiederholt sich die Erfahrung aus der Einführung der Elektrizität: Das Land teilt sich in diejenigen, die über das Licht der Informationstechnik verfügen, und diejenigen, für die das nicht gilt. Die im Dunkeln sieht man nicht, sang Bertolt Brecht (in einem etwas anderen Zusammenhang).

Dass die Beurteilung der digitalen Gaben auch in der Bevölkerung in zwei Lager – aus Befürwortern und Gegnern – teilt, muss da nicht überraschen. Die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers hat jetzt Bundesbürger in einer repräsentativen Befragung nach ihrer Einschätzung der künstlichen Intelligenz befragt und ebenfalls ein in der Hälfte gespaltenes Land vorgefunden. Dass künstliche Intelligenz bei der Bewältigung der drängendsten und komplexesten Fragen der Menschheit – wie dem Klimawandel, demographischen Wandel oder medizinischen Herausforderungen, aber auch Schutz vor Cybercrime – helfen könnte, glaubt jeweils ziemlich exakt die Hälfte der Befragten.

Im Prinzip nehmen sogar neun von zehn Befragten an, dass KI in irgendeiner Form dabei helfen kann, bestehende Probleme zu meistern. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass KI-Forschung und KI-Systeme positiv konnotiert sind. 51 Prozent finden, dass KI negative Emotionen auslöse. Und dass künstlich intelligente Systeme künftig Arbeitsplätze vernichten werden, davon sind sogar zwei Drittel der Befragten überzeugt.

Die Umfragen zeigen eine klassische Umbruchsituation, wie sie nur mit der industriellen Revolution verglichen werden kann. Rund um die Dampfmaschine, die Eisenbahn und die Elektrifizierung haben sich seinerzeit viele absurde Mythen etabliert – wie die, dass der Mensch für die hohen Geschwindigkeiten nicht geschaffen sei. Tatsächlich zeigt sich auch heute, dass das Wissen über die Möglichkeiten und Limitierungen der künstlichen Intelligenz durchaus auch Anleihen aus dem Märchenland nimmt. Zwar haben nur sechs Prozent der Bevölkerung den Begriff „künstliche Intelligenz“ noch nie gehört. Doch drei von fünf Bundesbürgern können nicht erklären, worum es sich tatsächlich dabei handelt.

Wir brauchen eine neue Epoche der Aufklärung, in der wir den Menschen nicht nur auf die naturwissenschaftlichen Füße stellen, sondern auch seinen Kopf auf eine informationstechnisch-kognitive Zukunft ausrichten. So wie auch die nächste Bundesregierung den Breitbandausbau auf ihre Fahnen schreiben und die nächsten Fördermilliarden für digitale Projekte bereitstellen wird, muss sie auch beim Bildungsausbau in Deutschland kräftig nachlegen. Derzeit – auch das ist ein aktuelles Ergebnis – fehlen jährlich zwölf Milliarden Euro, wie das Institut der deutschen Wirtschaft in seinem Bildungsmonitor berechnet. Vom Kindergarten bis zur Hochschule besteht durchgehender Investitionsbedarf, um den Herausforderungen des demographischen wie des digitalen Wandels zu begegnen.

Denn das wissen die Bundesbürger über künstliche Intelligenz immerhin: Sie wird komplexere, kreativere, vernetztere, ganzheitlichere Arbeitsplätze schaffen und die Kärrnerarbeit den Maschinen überlassen. Nur zehn Prozent der Befragten glauben, dass künstliche Intelligenz Kreativität hervorbringt. Allerdings traut jeder Vierte der Technologie zu, im Jahr 2025 einen Nummer-Eins-Hit zu schreiben.

Oder sollte sich ereignen, was bereits mit dem Smartphone bei der Verbreitung des mobilen Internets zu beobachten war. Seit Jahren sind es nämlich die Internet-Giganten aus dem Silicon Valley, die dabei helfen, digitale Fertigkeiten einzustudieren. Ihr Erfolgsgeheimnis ist Convenience. Was leicht fällt, wird auch akzeptiert, wenn nicht gar geliebt. Es wäre nicht unwahrscheinlich, wenn dieser „Bildungsauftrag“ auch bei den aktuellen Digitaltechnologien durch Google, Amazon und Apple erfüllt wird. Denn schon ein Drittel der befragten Bundesbürger will zuhause einen digitalen Assistenten haben. Ebenso viele wollen sich durch künstliche Intelligenz bei der Steuererklärung helfen lassen. Und 28 Prozent wollen lieber mit einem KI-System als im Volkshochschulunterricht eine neue Sprache lernen.

Und nicht zuletzt: Den Papierkram im Job würden 22 Prozent doch ganz gerne einem digitalen Assistenten überlassen. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid. Auch in Digitalien.

 

Die mobile Revolution

Die mobile Revolution begann vor genau einem Vierteljahrhundert. Sie begann mit der Freischaltung des sogenannten D-Netzes in Deutschland durch Mannesmann mobil und De.Te.Mobil. Die eine überlebte den Erfolg des eigenen Netzes nicht und wurde samt der stahlharten Mutter an Vodafone verkauft. Die andere wurde zu T-Mobile – die Nummer Eins im deutschen Mobilfunknetz mit einem Marktanteil von 35 Prozent und die Nummer Drei im US-Mobilmarkt, die sich Gerüchten zufolge gerade anschickt, mit der Nummer Vier zu fusionieren.

Nein, die wirkliche mobile Revolution begann vor genau einem Jahrzehnt. Sie begann mit dem Verkauf des ersten iPhones in den USA durch Apple und – zunächst exklusiv – durch AT&T. Damit wurde aus dem Handy das multifunktionale Smartphone. Nokia, der damalige Marktführer mit einem Marktanteil von 33 Prozent – hielt das Touch-Ding für eine vorübergehende Modeerscheinung und bezahlte diese Fehleinschätzung mit der Bedeutungslosigkeit. Apple hingegen wurde zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Rund eine Milliarde iPhones hat Apple in diesen zehn Jahren verkauft, etwas mehr als 600 Millionen davon sind aktuell im Gebrauch, was einem Marktanteil von knapp 15 Prozent entspricht. Auch wenn der Anteil im Vergleich zu den „Nachahmer-Produkten“ gering ist, hat Apple eine weltweite Umwälzung des Mobile Computings bewirkt. Hierzulande nutzen laut Bitkom 78 Prozent der Deutschen ein Smartphone, der Rest hängt am guten alten Handy, mit dem man nur telefonieren kann. Die zweitwichtigste Funktion nach Telefonieren ist für 90 Prozent der Smartphone-User die Kamera. Sieben von zehn geben an, das Smartphone zum Musikhören, Nachrichten lesen und als Zugang zu den sozialen Netzen zu benutzen. Das sind die Lebensgewohnheiten, die vor zehn Jahren noch unvorstellbar waren.

Das Smartphone in Gestalt des iPhones könnte die bisher wichtigste Innovation des noch jungen 21. Jahrhunderts und der Wegbereiter des digitalen Wandels sein. Mehr noch als durch das Internet markiert es die Popularisierung des digitalisierten Lebens. Und dieses Leben ist mobil: Allein in Deutschland sind derzeit 130 Millionen SIM-Karten im aktiven Einsatz. Damit hat jeder Deutsche, der der Grundschule entwachsen ist, zwei mobile Endgeräte. Sie sind Navigationssystem, persönlicher Assistent, Nachrichtenbörse, Fotokamera und Album, Musik- und Video-Streamer und Nachschlagewerk in einem – ganz zu schweigen von der Spielebox. Die Vielfalt ist unbegrenzt: Allein im Apple-Store werden zwei Millionen Apps angeboten. In Google Play sind es noch 350.000 mehr. Darunter befinden sich Front-Ends für Unternehmenslösungen, Vergleichsbörsen, eCommerce-Shops, soziale Medien, ePaper, Übersetzungshilfen und und und.

Aber das iPhone war auch eine Revolution des Designs. Kein Gerät hat sich so schmeichelnd in die Hände seiner User hineinbegeben wie das iPhone. Selbst das Auspacken hat Steve Jobs damals zu einem Ereignis gemacht, ja zu einem Erlebnis. Und die jungfräulich weißen Apple Flagshipstores wurden stilgebend für Trend-Marken.

Heute herrscht bei Apple so etwas wie Ruhe vor dem Sturm. Tim Cook, dem Nachfolger des verstorbenen Steve Jobs als CEO, wird von Analysten vorgeworfen, dass das nächste ganz große Ding auf sich warten lasse. Die Apple Watch war‘s nicht. Der HomePod ist auch nur eine Kopie des Amazon Echo. Und alle warten nicht auf das runderneuerte iPhone 7, sondern gleich auf das iPhone 8.

Doch gleichzeitig wabern die Gerüchte um das Projekt Titan, das Apple vor zwei Jahren großartig inszenierte und letztes Jahr ohne viel Aufhebens zusammendampfte. Ob Apple nun an einem vollständig in Eigenregie entwickelten Elektroauto mit Selbstfahrkapazitäten arbeitet oder doch nur an einer Software, mit der Apple anderen Automobilherstellern auf dem Weg in die Fahrautonomie weiterhelfen möchte, ist bis heute im Expertenstreit umstritten. Apple hält sich gewohnheitsmäßig zurück.

Doch vieles spricht dafür, dass am Ende nicht eine reine Software-Lösung herausspringt, sondern eine Komplettlösung aus Hardware, Software und Shared Economy. Apple hat noch immer einen Weg gesucht, ein eigenes, hermetisches Produkt zu entwickeln, das ein komplettes Ökosystem für Apple erzeugt. Für den Wettbewerber bleibt dann nur wieder die Nachahmer-Produktion. Und Apple ist fest davon überzeugt, dass das Auto der Zukunft zusammengebaut werden sollte wie ein Smartphone – von Zulieferbetrieben wie Foxcomm.

Das wäre dann die doppelte Mobilitäts-Revolution – das fahrende Smartphone und das smarte Fahrzeug in einem. Das Autonomobil. Titanisch.

Ohne Cloud droht der Knock-out

Immer wieder werden uns Studien aufgetischt, die den Eindruck nahelegen, es gäbe eine Alternative zum Cloud-Computing. Die gibt es natürlich – ungefähr so, wie Autofahren ein Gegenkonzept zum Atlantikflug ist. Es ist die Wahl zwischen Individualverkehr und Mobilitätsdienstleistung, zwischen Fahren und Gefahren-Werden, zwischen Kurzstrecke und interkontinentaler Reichweite. Beides hat seine Berechtigung – allerdings für völlig unterschiedliche Anforderungen.

Wer tatsächlich nur seine Unternehmenslösung aus dem eigenen Hochsicherheitskeller hervorholt und von On-Premises auf On-Demand wechselt, hat anforderungstechnisch nichts gewonnen. Die ewig ungelöste Frage, mit welcher Infrastruktur eigentlich weniger Kosten entstehen, lässt sich nicht beantworten, weil man sie nicht simulieren kann. Die Anbieter argumentieren hier auch weniger aus Vernunftsicht als vielmehr aus Vertriebssicht. Es ist also auch kein Wunder, dass sich in den Cloud-Studien immer noch Skepsis niederschlägt. Wer die Cloud ohne Inspiration nutzt oder anbietet, bekommt auch keine Innovation für die Investition.

Denn es sind überhaupt nicht die Kosten, die für die eine oder andere Infrastruktur-Strategie sprechen. Es geht um Können oder Nicht-Können! Der digitale Wandel ist voller Optionen, die es im wirtschaftlich vertretbaren Rahmen nur aus der Cloud heraus gibt. Vor allem Anwendungen der künstlichen Intelligenz machen schon jetzt und künftig erst recht den Unterschied. Denn AI-Services aus der Cloud verändern praktisch jeden Anwendungsfall:

Internet der Dinge: Ohne Cloud-Dienste lassen sich die Massendaten, die künftig von den Sensoren an unseren Maschinen ausgesendet werden, gar nicht einsammeln und an einem ERP-nahen System konsolidieren. Aber erst durch AI werden aus diesen Big Data auch Deep Intelligence, tiefe Erkenntnis. Sie wiederum sind die Voraussetzung für unsere Planungssysteme, sich zeitnah auf neue Produktions- und Marktanforderungen einzustellen.

Chatbots: Spracheingabe dürfte sich zur alles dominierenden Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine entwickeln. Schon heute verstehen die Assistenten, die wir über das Smartphone aktivieren, immer mehr Befehle. Die Technik dafür steckt nicht in unseren Handys, sondern in der Cloud – und mit jedem Dialog werden die auf künstlicher Intelligenz basierenden Systeme flexibler.

Predictive Analytics: Im electronic Commerce geht fast nichts mehr ohne künstliche Intelligenz aus der Wolke, die zum Beispiel dazu führt, dass den eShop-Kunden auf den Leib geschriebene Angebote unterbreitet werden können. Aber auch im Backoffice hat AI die Geschäftsprozesse längst revolutioniert: welche Produkte wann einen Absatzboom erwarten lassen und wie sich Produktion und Einkauf darauf einstellen, wird mit Cloud-Diensten immer präziser vorhergesagt.

Machine Learning: Ob Chatbots oder Roboter oder Analytics – nur als Cloud-Service können diese Anwendungen immer besser werden. Selbstoptimierende Systeme lernen, die Anforderungen, die an sie gestellt werden, besser vorauszusehen und entsprechend zu handeln. Dazu sammeln sie die Daten aus Hunderttausenden von Anfragen und verbessern dadurch ihre eigene Leistungsfähigkeit. Ohne die Cloud wäre ihre Lernkurve deutlich flacher.

Cognitive Computing: Wenn Maschinen Hunderttausende von Studien durchkämmen, um Gemeinsamkeiten und Auffälligkeiten im Datenwust zu identifizieren, dann schaffen sie Erkenntnisse, die für große Gruppen von Anwendern interessant sind. Das gilt zum Beispiel im Gesundheitswesen, wo das in medizinischen Studien verborgene Wissen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz herausgearbeitet wird und über die Cloud allen Medizinern zur Verfügung gestellt wird.

Security: Ohne Cloud-Services wäre das zeitnahe Software-Updaten eine Illusion. Es würde Wochen dauern, mit klassischen Mitteln Sicherheitslücken bei Millionen von Anwendern zu schließen. Aber ohne künstliche Intelligenz aus der Cloud würden auch Angriffsmuster bei Hack-Attacken unentdeckt bleiben, könnten frühe Warnungen nicht rund um den Globus verbreitet werden.

Wer auf all dies nicht verzichten will, kann auf Cloud-Dienste nicht verzichten. Wer aber die Cloud als Option grundsätzlich ablehnt, dem droht auf lange Sicht der Knock-out – als Anbieter von IT-Dienstleistungen ebenso wie als Anwender von Informationstechnik. Jeder weiß, dass Autofahren Spaß macht und eine gewisse Effizienz bietet. Nur auf der anderen Seite des Atlantiks kommt man damit ohne fremde Hilfe nicht an.

 

 

Die Digitalisierung des Lifestyles

So, die Koffer sind gepackt und los geht’s nach Las Vegas. In der nevadischen Wüste steigt ab dem 5. Januar die 50. Consumer Electronics Show, auf noch mehr Fläche, mit noch mehr Ausstellern und noch mehr Besuchern. Aus praktisch allen Technologiebereichen – von A wie Autos bis Z wie Zubehör – werden Produkte vorgestellt, die auch nur irgendwie durch Elektronik smarter gemacht werden können. Die Digitalisierung des Lebens – hier feiert sie ihr Hochamt.

Gut, dass das Riviera Hotel und Casino abgerissen wurde – so entstanden noch zusätzliche Freiflächen für Außendemos, denn Drohnen und autonome Fahrzeuge sind längst nicht nur als Designstudien vorhanden, sondern werden im praktischen Betrieb vorgeführt. Hyundai plant sogar, die Messebesucher in Selbstfahrern den Strip rauf und runter zu kutschieren. Die ersten Drohnen, die groß und sicher genug sind, dass sie Menschen transportieren können, sind ebenfalls zu sehen.

Dabei muss man in diesem Jahr die Anreise schon früher planen, denn während die CES zwar offiziell erst am 5. ihre Tore öffnet, gibt es zahllos Pre-CES Events, auf denen die Anbieter ihr Tischfeuerwerk an Produktankündigungen schon vor den eigentlichen Messetagen abfeuern wollen. Zu den eifrigsten Vorankündigern gehört Samsung. Das Unternehmen, das zuletzt mit brennenden Smartphones auf sich aufmerksam gemacht hat, ist in allen Technologiebereichen mit Produktneuvorstellungen dabei. Von TV über Audio bis zu Smartphones kommt Samsung praktisch jeden Tag mit Bahnbrechendem auf die Bühne.

Interessant ist, dass inzwischen nicht nur die Geräte auf der CES ihren Auftritt haben. Sondern auch die Inhalte, die dem Ganzen überhaupt erst ihren Sinn beisteuern, werden in Las Vegas präsentiert. Das gilt insbesondere für Systeme zur Darstellung virtueller Realitäten, die als Augmented Reality längst Einzug ins Berufsleben von Entwicklern, Planern und Analysten gefunden haben. Doch um vor allem im Konsumermarkt voranzukommen, müssen die Anbieter mit Content rüberkommen. Das sind in erster Linie natürlich neue Spiele-Varianten, deren Komplexität und Spielwelt nur noch mit aufgesetzter VR-Brille zu erfassen sind. Aber auch Hollywood hat seinen Ausstoß an 3D-Videos in virtueller Realität auf dem Schirm. Und mehr noch: Die Anbieter von Freizeitvergnügen sehen in VR-Welten eine natürliche Erweiterung ihres Erlebnisangebots. Demnach können Besucher eines Freizeitparks auch schon im Vorfeld ihres Besuchs die Fahrt in der Achterbahn erleben. Und auch auf Kreuzfahrten, auf denen es ja weniger aufregend zugeht als in einem Fahrgeschäft, peppen die Reedereien ihre Angebote durch virtuelle Realitäten auf. Da kann der Landgang schon mal hinter der VR-Brille vorweggenommen werden.

Die 50. CES wird ihrem Image als Spaßmesse mehr und mehr gerecht. Die Messestände gewähren einen Eindruck von einem Leben, in dem uns Roboter in der digitalisierten Produktion längst die Arbeit abgenommen haben und wir auf die Hilfe von anderen Robotern und Computern angewiesen sind, um uns in unserer Freizeit vor Langeweile zu bewahren.

Doch es gibt auch die seriöse CES, die sich zwar mit der Leichtigkeit eines Spielerparadieses neuen Themen zuwendet, aber dabei einen ernsthaften Beitrag zum digitalen Leben leisten will: vor allem rund um die Themen im Gesundheitswesen zeigt die CES nun Flagge. Das beginnt selbstverständlich bei den Smartwatches, die uns dabei helfen, das tägliche Fitnesstraining zu absolvieren. Wearables, also wie Kleidung zu tragende intelligente Geräte, gibt es inzwischen schon für die Überwachung von nahezu jeder Körperfunktion – von der Blutdruckmessung, über die Ermittlung des Insulinbedarfs bis zur Überwachung von lebenserhaltenden Apparaten greift die CES ins medizinische Fach.

Es sind diese stärker auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen ausgelegten Entwicklungen der Digitalisierung, die die Domäne der CeBIT waren (und sind) und die jetzt allmählich auch in Las Vegas zu bestaunen sind. Diese Zweiteilung in Lifestyle (CES) und Informationswirtschaft (CeBIT) hat sich lange bewährt. Nun wird sie verwischt – wie alles, was vom digitalen Wandel berührt wird. Ein wenig mehr Infotainment würde der CeBIT in Hannover freilich auch gut tun.